1100 km mit dem Elektromobilen Oldtimer

E-Tour mit dem Saxo electrique:

1100km von Berlin in den Bayerischen Wald und zurück.

1100km mit einem reinen Elektroauto? Geht nicht? Geht doch! Und dazu noch ganz ohne Lithium-Ionen-Akkus, teure Schnelllade- und Steckersysteme, hypermoderne Ladesäulen oder andere technische Höchstleistungen der Automobilindustrie, die uns seit Jahrzenten einzuhämmern versucht, dass ein warmes Auto, weite Strecken, hohe Reichweiten und kurze Ladezeiten einfach unmöglich oder nur mit immensem technischen Aufwand bei einem Elektroauto möglich sind. Thomas Steinberger aus Berlin hat bewiesen, dass es geht. Und das mit Technik aus der elektromobilen „Steinzeit“. Ein altes Auto, alte Ladetechnik, alte Stecker und 1000km und mehr sind kein Problem. Hier sein Bericht:

„Gestartet bin ich am Donnerstag, 10.9.13 in Berlin Zehlendorf-Süd. Der erste Ladehalt, ca. 70 km südlich von Berlin in Feldheim, verlief problemlos. Dort hängt seit 2011 an einem Firmengelände eine Ladebox für Elektrofahrzeuge, eine sog. Drehstromkiste. Während andere Ladesäulen oft mehrere tausend Euro kosten, müssen für eine solche Ladebox nur rund 300 Euro investiert werden (www.drehstromnetz.de). Leider wird die dortige Ladebox noch sehr wenig genutzt, ich bin der einzige, der dort seit der Inbetriebnahme geladen hat, aber das kann sich ja schnell ändern. Das Besondere an den Drehstromkisten ist, dass man dort nur einen Schlüssel zum Laden braucht, um die Box zu aktivieren.

Weiter ging es dann auf der Landstraße zu den Stadtwerken nach Leipzig, die schon seit längerer Zeit Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge anbieten.

Die nächste Etappe führte mich zu den Stadtwerken von Eisenberg, die mich im letzten Jahr als ersten Elektroautofahrer geradezu fürstlich (mit Fotograf und Schnittchen) empfangen hatten; inzwischen hat man sich dort nach unseren sehr interessanten Gesprächen ein eigenes Elektroauto zugelegt, einen Mitsubishi i-MiEV. Ein zweiter sowie eine Ladestation sind bereits in Planung.

Weiter ging es dann nach Tanna, wo ich an der dortigen Park&Charge-Station (www.park-charge.de) laden konnte. Die letzte Etappe des Tages führte mich nach Thiersheim, wo ich dann über Nacht geladen habe.

Tags darauf konnte ich beim Bauhof der Stadt Nabburg laden. Von dort ging dann die letzte Etappe nach Neukirchen b. Heiligen Blut. Vor Ort entdeckte ich eine Ladestation für Elektrofahrräder (www.ebikefox.de). Dort habe gleich eine Testladung gemacht und siehe da: Es funktionierte! Durch die Absicherung der Ladestelle mit 16A ist das also durchaus eine Alternative für Elektroautofahrerinnen und –fahrer.

Die Rückfahrt ging dann wieder über Nabburg und als zweiten Ladepunkt konnte ich die freiwillige Feuerwehr in Marktredwitz gewinnen. Herzlichen Dank nochmals an die Kameraden vor Ort! Weiter ging es dann wieder über Tanna und Eisenberg. Dort erhielt ich die freudige Nachricht, dass in der Stadtmitte eine Ladestation von Siemens (baugleich mit der am Rathaus Ludwigsfelde) mit Barzahlung oder einfacher Kartenabrechung, sowie eventuell eine Park&Charge-Station, montiert werden sollen. Laden kann so einfach sein. Warum nur das Verwirrspiel mit verschiedenen Chipkarten, wie bei Vattenfall, RWE & Co.? Mit unseren EC-Karten bezahlen wir überall problemlos, schnell und sicher – warum geht das nicht an allen Ladestationen genauso einfach?

Naja, wir sind dann alle zur Einweihung herzlich eingeladen!

Dann ging es weiter nach Leipzig und über Feldheim nach Hause. Auf der Strecke Leipzig –Feldheim begegnete mir ein BMW i3 von BMW mit roter Nummer, ein weißer Nissan Leaf und ein Renault Twizy in Wittenberge; es scheint sich also um eine viel befahrene Elektroautostrecke zu handeln…vielleicht die erste Elektroautobahn Deutschlands?

Vielen Dank an die Stadtwerke von Eisenberg und Leipzig, an die Feuerwehr von Marktredwitz und an den Bürgermeister und den Bauhof der Stadt Nabburg!

T. Steinberger“

Erinnern wir uns: Thomas Steinberger fährt kein Elektroauto aus aktueller Produktion, sondern einen wahren Oldtimer: einen Citroen Saxo electrique aus dem Jahr 1997! Bis auf wenige Kleinigkeiten noch im Originalzustand. Als Energiespeicher dienen altehrwürdige Nickel-Cadmium-Akkuzellen, die sich als geradezu unverwüstlich erweisen, wenn sie bei gleichem Volumen auch nicht so viel Strom speichern, wie moderne Lithium-Ionen-Akkuzellen. So erreicht das Auto immerhin eine Reichweite von bis zu 140 km. Eine Grenze, die von aktuellen Modellen in der Praxis nur wenig überschritten wird. Im Winter sorgt eine herkömmliche Standheizung für mollige Wärme im Wagen. Ganze 30 Liter reichen dabei für einen ganzen Winter.

Das Besondere an dem Wagen aber ist die Ladetechnik. Mit dem originalen Bordlader dauert die Vollladung 6-8 Stunden, aber zusammen mit den beiden nachträglich eingebauten Schnellladern (maximale Ladeleistung insg.: 21 kW) verkürzt sich diese Zeit auf weniger als eine Stunde. Wie gesagt: Für eine Vollladung! Kaum ein aktueller Elektroflitzer kann mit solch kurzen Ladezeiten mithalten; Schnellladungen enden hier meist bei 80% Füllstand. Und das Beste: Um die Schnelllader zu nutzen, braucht Steinbergers Elektro-Oldtimer keine sündhaft teure Ladesäule oder Spezialanschlüsse, denn ein herkömmlicher Kraftstrom-anschluss, wie er fast überall zu finden ist (Rote Dose), reicht bereits aus! Weniger als 10 Euro kostet so ein Stecker im Baumarkt. Weit mehr als 300 Euro aber alleine der Stecker, der inzwischen als europäischer Standardstecker für Elektroautos mit Millionenaufwand entwickelt und verabschiedet wurde. Und das, ohne ersichtlich technischen Fortschritt und Zusatznutzen, denn alle Funktionen des neuen Typ2-Steckers, sind auch mit bereits vorhandenen Steckersystemen zu erreichen. Hätte man die Fördermillionen nicht besser ausgegeben und entlang der Autobahnen und Bundesstraßen Schnellladestationen eingerichtet, so wie in Norwegen oder Holland? So wundert es nicht, dass die Elektromobilität in Deutschland nicht voran kommt, wenn man ständig alles neu entwickelt, was schon seit Jahren vorhanden und erfolgreich im Einsatz ist.

Fazit: Ein Elektroauto, Baujahr 1997, ergänzt mit ein wenig aktueller Technik, fährt fast allen aktuellen Elektroautos der großen Automobilkonzerne einfach auf und davon.

Von:

Thomas Steinberger (Bericht und Fotos) und Julian Affeldt (red. Ergänzungen)

Mitglieder der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

c/o J. Affeldt

Meiereifeld 7e

14532 Kleinmachnow

Telefon: 0176 – 84 20 48 27

Internet: http://www.igembb.wordpress.de

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