Urlaub im schönen Brandenburg: 850 elektrische Kilometer mit Kind und Kegel

Hier mal wieder ein kleiner Bericht zum Thema „Elektromobilität in der Praxis – funktioniert es wirklich?!“

Für die Osterferien hatten wir Familienurlaub geplant und uns eine Ferienwohnung auf einem ruhig gelegenem Bauernhof im Spreewald gemietet. Diesmal sollte es etwas anders als bei vergleichbaren Urlaubsreisen in der Vergangenheit ablaufen. Unser Familien-Diesel ist nun schon fast zwei Jahre nur noch Drittwagen für seltene Nutzungen und sollte diesmal auch im Urlaub zu Hause bleiben…

Schon früher war es trotz des geräumigen Kombis immer eine echte Herausforderung das Reisegepäck für 4 Personen zu verstauen.
Und jetzt mit dem Kleinwagen auf Reisen gehen?
Ob da alles reinpasst?
Müssen wir auf Sachen verzichten?
Wie wird sich die volle Beladung auf die Reichweite auswirken?
Werden wir in der Pampa stranden, um Strom betteln und uns das Gejammer der Kinder anhören müssen?
Wird es „trotzdem“ ein schöner Urlaub?
Wird die Familie mitziehen?

Beginnen wir mit der letzten Frage: Natürlich gab es im Vorfeld Skepsis und die liebe Familie hat bis zuletzt durch die Bereitstellung von reichlich Reisegepäck versucht, mich „umzustimmen“… zwei Laptops, Fernglas, Badesachen, große Essenskiste, Musikinstrumente, Kuscheltiere, Kuscheldecke usw. … Als erfahrener Auto-Belader habe ich natürlich alles unterbekommen. Niemand musste etwas auf dem Schoß haben und alle konnten auch noch zu den Fenstern herausschauen. 😉
Verzichten mussten wir lediglich auf Kinderfahrzeuge.

Start am Ostersamstag im Leipziger Südwesten nach Raddusch im Spreewald, Fahrtroute über die B87, ca. 160 km, leichter Gegenwind. Das Beschleunigungsvermögen war natürlich eingeschränkt, aber es rollte soweit gut. Wir erreichten unser Ziel nach ca. 2 h 45 min Fahrzeit, ca. 10 % langsamer als die google-Pkw-Fahrzeitberechnung.

Unser Bauernhof lag ca. 1 km außerhalb von Raddusch, umgeben von Wiesen und Wäldern. Auf dem Hof gab es Rinder, Schweine, Kaninchen, Hühner… unsere Nachbarn waren Kranich, Singschwan, Rotbauchunke und Ringelnatter. In den nächsten Tagen erkundeten wir den Spreewald zu Fuß, auf dem Wasser und natürlich mit unserem Auto.

Am Donnerstag stand noch ein Ausflug ins Berliner Umland an, Treffen in Heidesee zum Grillabend. Mit allen 11 kw ging es flott über die A13, Auto beim Grillabend nebenbei an die Steckdose und am Abend zurück in den Spreewald.

Am Freitag hieß es Abschied nehmen. Auf der Rückreise hatten wir noch einen Besuch in Dresden geplant. Unterwegs wollten wir noch einen Abstecher in die Lausitz machen und den Findlingspark Nochten besuchen, Fahrstrecke ca. 180 km + Profil, also besser eine Zwischenladung einplanen. Da in Nochten kein Ladepunkt ausgewiesen war, fragte ich am Morgen telefonisch nach einer „Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge“ und erhielt zunächst eine Absage. Ich fragte nach: „mir reicht eine normale Steckdose“ und erhielt eine freundliche Zusage – Hausmeister und Kasse waren informiert. Vor Ort gab es dann doch eine tolle „Ladesäule“ mit verschiedenen Dosen, leider nur auf dem Betriebshof und leider kein Ökostrom. Vielleicht kann Vattenfall an dieser Stelle noch nachlegen, bei über 100.000 Besuchern im Jahr vielleicht ein besserer Standort als im 15km entfernten Weißwasser.

Mit wenig Restenergie erreichten wir die ENSO-Ladesäule am Dresdner Hauptbahnhof. In Dresden hatte ich früher schon die Freischaltung des Ladepunktes per SMS (Stromticket) genutzt, aber diesmal ging´s nicht – „Fehlerinfo – Nummer nicht vergeben“. Die Störungshotline zeigte sich zum späten Freitagnachmittag ahnungslos, aber am Servicepoint im Haus fand ich Hilfe. Der Wille, mir an Ort und Stelle helfen zu wollen, war deutlich zu spüren. Mit dem privaten Smartphone des Mitarbeiters gingen wir auf Fehlersuche, schließlich wurde mir ein Parkplatz in der Tiefgarage bereitgestellt und ein Verteilerschrank mit Schukodose aufgeschlossen. Am späteren Abend ging ich noch einmal kontrollieren und das nicht umsonst – fast nichts geladen, Sicherung/FI ausgelöst! Durch die Info eines ortskundigen Users wusste ich inzwischen von zwei weiteren versteckten Steckdosen am Kasten, ich steckte um und kontrollierte nach 15 min – alles gut. Die Ursache für das Problem an der ENSO-Ladesäule lag vermutlich an einer falschen Handynummer für die Freischaltung. Die wiederholte Änderung hatte ich nicht mitbekommen und zuvor nicht noch einmal online nachgeschaut, aber auch die Säule hat sie mir nicht verraten.

Fazit: Es war ein sehr schöner Urlaub für ALLE. Viel Natur, viel gesehen, viel erlebt, schönes Wetter, schöne Fahrtrouten. Der 15 Jahre alte Elektro-Kleinwagen hat uns nicht eingeschränkt: es hat alles reingepasst, kein „Reichweitenschleichen“, Ladepausen nur bei ohnehin geplanten Zwischenstopps, das einzige Ladeproblem wurde rechtzeitig erkannt und behoben. Unsere Pläne für eine (klimaschädliche) Flugreise in den Herbstferien haben wir jetzt schon begraben! 🙂

Das am Ende 850 km auf dem Tacho standen, hatte ich zuvor nicht erwartet. Hier der Streckenlink mit unseren Ladepunkten, die zusätzlichen Kilometer waren Fahrten im Spreewald.

Viele Grüße
Stefan