Wie die Stadtwerke Leipzig zur E-Tour Brandenburg kamen…

Als E-Auto-Neuling las ich 2012 von der ersten E-Tour Brandenburg und den Bemühungen der IGEMBB um nachhaltige Mobilität. Umso mehr freute ich mich über eine Neuauflage der E-Tour in 2014 – natürlich wollte ich dieses Mal dabei sein und meldete mich an.

Eine „Ladeplanung“ für die die Anreise war eigentlich überflüssig, da unser auf Lithium-Akkus umgestellter Peugeot 106 die Strecke Leipzig > Berlin sicher am Stück schafft.
Anreisetest für die E-Tour: Leipzig> Berlin>Dresden>Leipzig

Quartier mit Steckdose gebucht, Planungsdetails ausgedruckt, Badehose eingepackt und dann passierte es: Am Mittwochabend vor der Tour, Defekt am Auto – Fahren top, Laden flop… Stecker rein, aber es lief nur der Lüfter – kein Ladestart. Der Fehler war schnell gefunden, ein defektes Relais, Teile-Nummer abgeschrieben, Rechner angeworfen… 7 Euro, aber in Deutschland nicht auf Lager, am Abend bestellte ich schließlich das Teil aus England… das Auto war damit für die E-Tour aus dem Rennen. 😥

Natürlich wollte ich trotzdem dabei sein und suchte nach Alternativen. Unser zweiter 106er läuft noch mit NiCd-Akkus, Reichweite ca. 80 km. Das hätte ich zwei Mal voll ausreizen müssen und mindestens 5 Stunden zwischenladen auf der Hin- UND Rückfahrt. Das wollte ich nicht. Außerdem fehlt mir die Überland-Reichweiten-Erfahrung mit diesem Auto. Ich versuchte also ein geeigneteres Ersatzauto zu bekommen. Nach einigen Absagen von Autohäusern waren die Stadtwerke Leipzig meine letzte Hoffnung, ich fragte an – 15 min später wurde mir der Nissan Leaf zugesagt. 🙂

Natürlich wusste ich, dass der Leaf – mangels Möglichkeit zur Schellladung bis Berlin – nur bedingt langstreckentauglich ist. Freitagmittag sollte es losgehen. Ich bekam einen vollgeladenen Nissan Leaf im schicken E-Auto-Design übergeben. Übers goingelectric-Forum hatte ich mich zu einer Anreisegemeinschaft mit einem Zoe-Fahrer aus Ingolstadt verabredet. Da dieser auf dem Weg nach Leipzig wegen defekter Ladesäulen in Bayern Verspätung hatte, schlug ich einen Treff an der neuen CCS-Ladesäule in Schkeuditz vor. Ich fuhr hin und testete, dann kam der Zoe und übernahm die Typ2-Dose. Den 50kw-CCS-Anschluss musste ich leider ungenutzt lassen – offenbar hatte jemand „vergessen“ einen zweiten Stecker mit Chademo an der Säule einzuplanen. Bei Ankunft war die Säule mangels Beschilderung zunächst zugeparkt und es war nur ein Zugang mit „Kampflücke“ möglich.

Da es in der „Ladewüste“ zwischen Leipzig und Berlin aktuell noch keine öffentliche Typ2-Lademöglichkeit gab (Feldheim war leider defekt), steuerten wir einen privaten Ladehalt in Wittenberg an. Am „Hühnerstall“ gibt es Photovoltaik soweit das Auge reicht und wenn das zu wenig ist, kommen aus dem 85 kwh-Solarstromspeicher bis zu 18 kw Wechselrichterleistung. Der Zoe saugte sich mit 22 kw Ladeleistung wieder voll, ich konnte in knapp 1,5 Stunden nur ca. 3 kwh nachladen und hoffen, dass es reicht…

Natürlich war es knapp, Navi und Reichweite zeigten gegen Ende +/- identische Restkilometer an. Mangels Erfahrung legten wir für mich einen zweiten Ladestopp am Golfplatz in Michendorf ein. Auch diese „Location“ war sehr speziell. Die schwarzen Spritvernichter hatten zum Glück eine Lücke für mich gelassen. Nach kurzer Ladung ging es weiter und mit 7 km Restreichweite erreichte ich unsere Pension in Stahnsdorf und der Leaf kam an die Dose. Im Zoe ging es gemeinsam weiter zum Treffen beim BSM. Auf dem Rückweg fuhren wir mit dem Zoe noch schnell Laden. Am nächsten morgen war der Leaf voll, aber mein Stromzähler zeigte nur 18,5 nachgeladene kwh an. Bei 7 km Restreichweite und 24 kwh Akku (nominal) hätte ich eigentlich 20-23 kwh Aufnahme „ab Steckdose“ erwartet.

Am Samstag hatten wir nur 2 km Anfahrt nach Teltow. Jetzt ging es endlich richtig los, immer mehr E-Autos kamen zusammen. Auf einer 140 km-Runde durch den schönen Landkreis Potsdam-Mittelmark wurden u.a. drei neue Ladesäulen an Gemeinden übergeben und feierlich eingeweiht. Man konnte unterwegs Laden, von der Ministerin bis zum mobilen Chademo war alles dabei, was für ein gelungenes Event wichtig ist. Am Vormittag kam die Sonne heraus, die Stimmung war gut, man kam ins Gespräch – die Stadtwerke Leipzig erhielten von Nutzern gute Kritiken für den bisherigen Ausbau ihrer Ladeinfrastruktur. Leise rollten die Autos über die Landstraßen. Ein toller Tag!

Nach einem gemeinsamen Frühstück am Sonntag in Potsdam ging es dann auf die 150 km lange Rückreise, wieder gemeinsam mit dem Zoe, wieder mit Ladehalt im „Hühnerstall“. Ich wollte den Zoe nicht zu lange aufhalten und begnügte mich mit 45 min Schukodose (1,5 kwh Nachladung) und es sollte reichen.

Fazit: Der Leaf ist ein tolles Auto – groß und komfortabel, tolle Fahrleistungen und top Straßenlage – mangels 3-phasiger Lademöglichkeit jedoch hierzulande nur bedingt langstreckentauglich. Um mein Pensum zu schaffen, war Sparsamkeit immer oberstes Gebot – Beschleunigungsrausch verboten! Meine Verbräuche auf den drei Tagestouren lagen laut Ansage des Autos bei 15, 13 und 12 kwh/100km. Bei Übernahme hatte der Leaf gerade mal 3000 km drauf – ich habe 550 km hinzugefügt. Er sollte öfter mal Auslauf für längere Strecken bekommen! 😎

Und auch unser Peugeot 106 ist auch schon wieder fit, die Ersatzteil-Lieferung kam überraschend schnell. Das nächste Wiedersehen mit dem Stadtwerke-Leaf gibt es dann hoffentlich zur Lipsia-e-motion am Pfingstwochenende.

Vielen Dank an die Stadtwerke Leipzig für die spontane und unkomplizierte Bereitstellung des Nissan Leaf!

Lieber Julian, Vielen Dank an Dich für Deinen Einsatz und die tolle Organisation!

Viele Grüße aus Leipzig an alle Mitstreiter, Unterstützer und Besucher

Stefan

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