Einmal Leipzig und zurück mit dem BMW C-Evolution Maxi-Scooter

Von Berlin nach Leipzig, zum BMW-Werk, die Landschaft genießen…und das mit einem Elektro-Motorrad? Eine Gruppe „Verrückter“ wollten das probieren und so starteten wir, unter der Leitung von Eric und seiner Frau Nadine, am Freitag Nachmittag ab Berlin-Steglitz mit sechs nagelneuen Maxi-Scootern von BMW (C-Evolution) Richtung Leipzig. Mit dabei war noch Hans, der sich kaum eine Stunde vorher seinen eigenen Roller vom Händler abgeholt hatte.

Unsere erste Etappe war südlich von Berlin, wo wir die Roller noch einmal vollluden, das Gepäck verstauten und dann gegen Abend abfuhren. Inzwischen war es schon dunkel geworden. Vorher hatten wir eine großzügige Runde durch Berlin gemacht, um mit dem Roller vertraut zu werden. Wie sich zeigen sollte, bedarf es dazu mehr als ein oder zwei Stunden Fahrzeit. Elektrisch unterwegs zu sein, ist doch etwas Anderes. Doch dazu später mehr. Ziel der Einführungsrunde war das Brandenburger Tor, wo wir sofort nach Eintreffen die ersten Fragen zu den Rollern beantworten mussten („Wie weit kommt man damit ?“, „Wie schnell fährt der ?“, „Hat der überhaupt einen Motor ?“…).Unser ersten richtiges Ziel war das die kleine Uebigau, wo uns das Ehepaar Manz in ihrer Pension schon erwartete. Aber nicht nur uns: Vor allem unsere Roller…denn die brauchten nach 95 km nun langsam Strom und den gab es bei Manz´ reichlich. Mit zwei, drei Verteilern konnten wir die Roller problemlos anschließen und über Nacht laden lassen. Mit Hilfe des Ladekabels des C-Evolution kann man den Ladestrom zwischen 6 und 13A regeln, so dass man auch an unbekannten Steckdosen sicher und problemlos laden kann. Übrigens lädt der C-Evolution an Schuko, ein echter Pluspunkt. Die Strecken Rangsdorf-Uebigau gestaltete sich aufgrund des einsetzendes Regens als nicht ganz unproblematisch, so fuhren wir mit 60-70 km/h jedoch auch gezwungenermaßen eher sparsam. Schnell erkannten wir: Bei höheren Geschwindigkeiten (über 70 km/h) sind keine 100km Reichweite zu erzielen.
Nach reichlichem Abendbrot und Frühstück brachen wir am Samstag mehr oder weniger wach, sehr satt und vor allem voll geladen auf Richtung Leipzig zum dortigen BMW-Werk. Die Fahrt war problemlos, das Wetter spielte mit und so konnten wir auch höhere Geschwindigkeiten und vor allem die brachiale Beschleunigung des C-Evolution zum ersten Mal auskosten.Am Werk erwarten die Gäste zahlreiche Ladesäulen, jedoch überwiegend mit Typ2-Anschlüssen. Nur eine Säule bietet zwei Schukodosen und dann gibt es noch eine Säule mit CCS-Anschluss. In der BMW-Welt gibt es also keine Fahrzeuge mit CHAdeMO-Anschluss und Schuko scheint eine unbedeutende Rolle zu spielen. Beides passt nicht so recht in die Wirklichkeit. Dankenswerterweise hatte man uns an einem Verteiler jedoch div. Schukoanschlüsse vorbereitet und so konnten wir während der Führung im Werk die Roller wieder komplett aufladen. Wir würden uns wünschen: Mehr Schuko-Anschlüsse an den Ladesäulen und vlt. doch noch einen CHAdeMO-Lader für Gäste mit anderen/älteren Elektrofahrzeugen?
Die Führung war für mich erschreckend und faszinierend zugleich: Maschinen bauen Maschinen. So konkret hatte ich das bislang noch nicht kennen gelernt. Ein tolles Werk, extrem hohe Qualität und wegweisende Architektur. Leider konnte wir nichts von der Produktion des i3 bzw. es i8 sehen, da dies eine Extratour ist. Ein Grund mehr, wiederzukommen!
Nach der Tour ging es weiter nach Leipzig zum Hotel. Wir waren im MotelOne an der Nikolaikirche angemeldet. Zwar konnten wir dort unsere Roller auf dem Innenhof abstellen (zusammen knapp 100.00 Euro…), aber das Hotel konnte (oder wollte?) und keine Möglichkeit zum Laden einräumen, obwohl ein passender Starkstromanschluss direkt neben dem Stellplatz vorhanden war. Da geht noch was, MotelOne! Ansonsten ein tolles Haus in perfekter Lage, wunderschöne Zimmer und ein reichhaltiges und vielseitiges Frühstück. Essen abends im Ratskeller…nicht billig, aber super gut! Empfehlung!!!
Tja, da war noch was…ach so, die Roller wollten geladen werden. Dazu hatte Eric Ladekarten für die Ladesäulen der Stadtwerke Leipzig angefordert. Nun mussten wir die sechs Roller in der Innenstadt zum Laden verteilen, was uns etwas Bauchschmerzen verursachte. Noch dazu, weil man die teuren Mennekes-Ladekabel nicht gegen Diebstahl sichern kann. Weder am Roller, noch an der Säule. Hier sollte BMW nachbessern. Nicht nur weil ein geklautes Kabel viel Geld kostet, es beendet jede Tour…ohne Kabel keine Ladung.Erste fast-Pleite war dann die Ladung an der Säule am neuen Rathaus. Die Säule zeigte sich zunächst als defekt und die Stadtwerke zeigten sich unfähig, einen Techniker zu schicken. Nicht mal die Hotline der Stadtwerke zu erreichen, lediglich die Störungsstelle des Netzbetreibers. So geht das nicht! Was soll man mit einer Ladesäule, die nicht geht? Mit Hilfe einer zufällig vorbeikommenden Dame des Ordnungsamtes gelang es uns dann doch, den Rechner in der Säule zu resetten und dort zwei Roller zu laden.
An der zweiten Säule klappte es dann aber sofort und kaum waren unsere Roller angeschlossen, kam ein privater smart ed zum Laden noch dazu. Damit war auch geklärt, dass man alle vier Anschlüsse (2*Typ2, 2*Schuko) parallel nutzen kann.
An der dritten Säule gab es zunächst ein Problem mit einem Verbrenner-Fahrzeug, dass den Stellplatz versperrte. Zum Glück kam die Besitzerin und zeigte sich auch einsichtig, angeblich hatte sie die Ladesäule gar nicht als solche wahrgenommen und mit einem Parkscheinautomaten verwechselt…hm…wer´s glaubt…
Während des Abendessens luden die Roller und tatsächlich wurde auch kein Kabel entwendet; eingesammelt und zusammen gestellt übernachteten dann die Roller und wir im MotelOne. Wie einfach wäre alles gewesen, wenn man uns vor Ort einfach hätte laden lassen? Irgendwie haben manche Menschen die Elektromobilität einfach noch nicht auf der Agenda. Zeit dazu wäre es…Der Sonntag sollte uns Regen bringen, viel Regen. Ziel war eigentlich das Besucherberkwerk F60, was wir jedoch schließlich absagten, weil es einfach zu viel Regen gab. Während der ersten Zwischenladung in Riesa am Accor-Hotel (Hammerbräu) beschlossen wir, die Strecke zu ändern und gleich Richtung Berlin zu fahren. Der Service im Accor-Hotel war wirklich bemerkenswert: Problemloses Laden aller Roller am Kraftstromanschluss, überdachte Abstellmöglichkeit direkt neben dem Hoteleingang und…Wäschetrockner…für die inzwischen durchnässten Kleidungsstücke. Nach ca. 90 Minuten ging es dann weiter; aller Roller waren auf ca. 80% geladen. Der folgende Streckenabschnitt bis ca. 100 km von Berlin entfernt brachte immer besseres Wetter und so manche Beschleunigungseskapade. Fahrspaß pur: Die einen flott vorneweg, die anderen entspannt hinterher. Schließlich erreichten wir unser nächstes Zwischenladeziel mit Ladeständen um die 20%. Für die restliche Strecke mussten wir die Roller also vollladen, was rund 3 Stunden in Anspruch nehmen sollte. Mit netten Gesprächen, Kaffee, Keksen und einem Spaziergang verging die Zeit doch schneller als erwartet. An meinem Roller konnte ich die Ladeleistung kontrollieren. Interessant: Am Verlängerungskabel stellten sich nur noch 215 Volt ein, die Ladeleistung betrug 2705 Watt. Ohne Verlängerungskabel stieg die Ladeleistung auf 2755 Watt bei 220 Volt. Immerhin knappe 5% mehr. Nachdem die anderen fünf Roller aufgebrochen waren verblieb ich mit meinem noch ein wenig länger, da ich auf 100% laden und eine andere Strecke fahren wollte. Nach dem Abkoppeln der anderen Rollen steig die Ladeleistung noch auf 2808 Watt und verblieb dabei bis zum Ladeende. BMW scheint die Akkuzellen nicht wirklich voll zu laden, eigentlich hätte die Ladeleistung gegen Ende der Ladung abnehmen sollen. So kenne ich das u.a. von meinem Peugeot iOn und anderen Elektrofahrzeugen. Nicht so bei der BMW…volle Ladeleistung bis zum Schluss! Beachtlich.
Mein letzter Streckenabschnitt ging über genau 100km entlang der 101 vom Süden aus Richtung Berlin zur Rückgabe der Roller nach Berlin-Steglitz. Aufgrund des recht starken Gegenwindes konnte ich nicht ganz so schnell fahren, wie geplant. Abgefahren mit 98% SOC verblieben bei Ankunft noch 13km Restreichweite plus ca. 4km Reserve. Ein wenig mehr wäre also drin gewesen.
Der BMW C-Evolution ist ein schon recht weit entwickelter Elektro-Maxi-Scooter mit guten bis sehr guten Fahrleistungen. Die Beschleunigung im Dynamic-Modus ist brachial. Mit sofort einsetzender voller Beschleunigung katapultiert der rund 260kg schwere Roller den Fahrer nach vorne. Tiefer gelegte Golf GTIs und allerhand Porsches blieben verdutzt zurück. Die angegebene Reichweite von 100km erreicht man bei Geschwindigkeiten bis ca. 70 km/h. Über 90 km/h frisst die Geschwindigkeit mächtig Reichweiten-Kilometer. Zwischenspurts sind aber immer mal möglich. Auf der Landstraße spielt es keine Rolle, welchen Fahrmodus man wählt. Alle Roller zeigten praktisch immer die gleichen SOC-Zustände und Restreichweiten. In der Stadt erweist sich der Modus EcoPro als brauchbar, da man kaum noch die normalen Bremsen benötigt. Die Restreichweitenanzeige ist etwas zu nervös, aber insgesamt brauchbar und ausreichend genau. Bei meinem Roller ergab sich über die 500 km Gesamtfahrstrecke ein Durchschnittsverbrauch von 6,5 kW/100 km (entspricht 38 Gramm CO2 pro 100km; Basis: 580 Gramm pro kWh).
Was uns aufgefallen ist:
  • (zu) kleines Staufach für das Ladekabel inkl. ICCB und Typ1-Stecker
  • Ladefach und Schaltknöpfe an den Handgriffen sollten beleuchtet sein
  • der Fahrmodus-Knopf sollte näher am rechten Daumen platziert sein, um während der Fahrt sicher umschalten zu können
  • keine Verriegelungsmöglichkeit für das Ladekabel während des Ladevorgang (Diebstahl möglich)
  • recht breiter Mitteltunnel (man sitzt etwas zu breitbeinig), aber noch ok
  • Reichweite von mind. 100 km bei flotter Fahrt gerade noch erreichbar (bei schneller Fahrt, Gegenwind oder Steigungen eher 60-80 km); in der Stadt sind die 100 km und mehr problemlos erreichbar
  • kein 3-Phasen-Ladegerät für schnellere Zwischenladungen, z.B. an Typ2 (Ladeleistung max. 16A/230 Volt an Typ2; an Schuko max. 13A)
  • Soziussitz klappt von alleine zu, erschwert das „Beladen“ des Staufaches
  • Fahrgeräusch erzeugt bei Motorrad-Fans eher ein Lächeln (Wimmern des Antriebsriemens)

Fazit: Für 15.000 zzgl. Nebenkosten erhält man ordentlich viel Fahrspaß, auf den man sich verlassen kann. Gutes kann noch besser werden. Gut gemacht, BMW! Weiter so.WP_20140919_004 WP_20140919_007 WP_20140919_014 WP_20140919_017 WP_20140920_001 WP_20140920_002 WP_20140920_003 WP_20140920_004 WP_20140920_007 WP_20140920_010 WP_20140920_011 WP_20140920_021 WP_20140920_025 WP_20140920_029 WP_20140920_031 WP_20140920_032 WP_20140920_034 WP_20140921_001 2 WP_20140921_004 WP_20140921_006 WP_20140921_011

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3 Kommentare

    • Olaf L. kann ich bestätigen. Bügel Nummernschloss. Ich meine 4 mm. Dann kann die Entriegelungstaste nicht mehr gedrückt werden. Ggf. wegen Durchmesser noch mal Googeln.

      Ein Toller Bericht. Habe den C-Evolution jetzt seit 3 Wochen und habe seit dem fast 1500 km gefahren. Ich gebe aber zu, dass ich noch kein mal Fremdgeladen habe (außer an der Firma).
      Es gibt zwar überall die Ladestellen, aber :
      Entweder falscher Stecker
      Oder falsche Karte (kein Vertrag)
      Cafés mit Aussensitz, wo man den Gästen die Ladegeräusche nicht zumuten möchte.
      Was nutzen zig tausend Ladestationen, wenn man immer das falsche Kabel, oder den falschen Vertrag hat.

      Das Beste, was mir untergekommen war, war eine Ladestation in einem Parkhaus. 2x Schuko waren vorhanden. 2 Plätze für einspurige Fahrzeuge. Geeignet für Auto und E-Motorräder, so steht es im Internet. Das wollte ich mir anschauen. Also Karte gezogen und dann….
      ….dann wäre ich fast von der Schranke erschlagen worden. Zum Glück ist nichts passiert.
      Eine Anfrage ergab, dass die Parkgarage nicht für 2Räder geeignet ist und man sich um eine bessere Beschilderung kümmern wollte.

      Bisher mache ich also Rundreisen im Münsterland. Bei vorsichtiger Fahrweise waren zuletzt 115 km drin. Einige Kaffee Pausen gemacht, dann ist man auch 2 bis 3 Stunden beschäftigt. Ich halte einen E-Roller und besonders diesen für einen sinnvolleren Einstieg in die E-Mobilität.

      Ich will mal schauen, ob man hier nicht gleichgesinnte finden kann.

      Gruß Olaf L.

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