Scheitert die Elektr omobilität (in Deuts chland) ?

Die jüngste Studie des Center Automativ Research (CAR) sagt ein Scheitern der Elektromobilität voraus, die Kundenwahrnehmung liege unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, die Zulassungszahlen sinken und sinken.

Zahlen lügen nicht, doch die Gründe dürften viel weniger in der Elektromobilität, als vielmehr im „Deutsche Weg“ zur Elektromobilität liegen. Andere Länder zeigen, dass es viel besser geht. Und Deutschland?

  • Keine Kaufprämien, stattdessen ein sinnloses und zahnloses Gesetz Elektromobilität (wer will schon auf einer Busspur fahren können und kauft sich deswegen ein Elektroauto?)
  • vollkommenes Durcheinander bei der Ladeinfrastruktur
  • Diskriminierung ausländischer Ladesysteme (CHAdeMO) auf höchster Ebene
  • zugeparkte, verstellte oder defekte Ladeports überall

Man könnte die Liste fast unendlich fortsetzen. Dabei kistallisiert sich aus meiner Sicht mehr und mehr heraus: Der Schlüssel liegt in der Ladeinfrastruktur. Jüngst hat die DLR in einer großen Studie herausgefunden, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur so gut wie keine Rolle spielt. Viel wichtiger ist die Möglichkeit, das Auto dort zu laden, wo es sowieso steht, z.B. an Park&Ride-Parkplätzen, EInkaufszentren oder der Arbeitsstätte. Doch genau da gibt es so gut wie keine Ladeports, dafür stoplert man in Großstädten wie Berlin von einer Ladesäule zur nächsten; doch die stehen häufig genau da, wo sie niemand braucht. Und: Niemand wird sich mit den deutschen Schnarchlader-Autos à la eGolf, eUP oder i3 an eine öffentliche Ladesäule stellen und dort 2-3 Stunden auf 30-50 km Reichweitengewinn warten. Es sind also auch die Fahrzeuge, die nicht den Ansprüchen der Kunden genügen, obwohl dies technisch seit 20 Jahren möglich wäre: Schnelles Laden an AC-Säulen via Typ2, die zudem seit Jahren überall herumstehen. Doch Nissan Leaf, Mitsubishi EV oder Outlander, der i3 und i8, Golf, Up, Audi eTron oder Toyota Prius PlugIn..sie alle lassen schnelles Laden – wenn überhaupt – nur an sündhaft-teuren DC-Säulen zu. Rühmliche Ausnahmen sind da die Teslas, der smart und der ZOE. Und siehe da: Diese Fahrzeugen fahren kreuz und quer durch Europa, man braucht nur in die entsprechenden Internet-Foren und Blogs zu schauen, da wird man mit Reiseberichten überschüttet. Die andern quälen sich von einer Steckdose zur nächsten.

Doch statt in die Hände zu spucken und endlich auf die Kunden und ihre Wünsche zu hören, wissen unsere deutschen „Experten“ Land auf, Land ab viel besser, wie es sein muss und gehen soll. Ergebnis: Hurra, abgewürgt. Glückwunsch an die NPE und die Bundesregierung. Millionen in den Sand gesetzt, statt auf die Menschen zu hören, die es jeden Tag erfahren. Es wäre so einfach!

Fazit: Deutschland ist und bleibt Leidmarkt Elektromobilität.

Autor und Meinung:
Julian Affeldt
Mitglied der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

Mal wieder günstig getankt?

Im März kam ich in die Verlegenheit, zweimal die von Citroen Multicity in der Stadt installierten Chademo Ladestationen nutzen zu müssen. Der Betreiber erhielt von Berlin und dem Bund Fördermittel für das elektrische Multicity Carsharing. Citroen schaffte dann neben den C-Zero Fahrzeugen u.a. auch die drei Ladesäulen an. Als Steuerzahler der Bundesrepublik Deutschland kann man sich allerdings nicht wirklich als Nutznießer dieser Fördermaßnahme verstehen, wie ein kurzer Blick auf die kürzlich eingetrudelte Abrechnung beider Ladevorgänge zeigt.

So sieht Elektromobilitätsförderung im Leidmarkt in einer Schaufensterregion im Jahre 2015 aus.

Stelldichein vor dem Weltrekord

Ca. 50 Fahrzeuge sind heute zum Test erschienen! Und morgen?

eDay2015 ein schöner Erfolg

Trotz eher niedriger Temperaturen fanden sich gestern zahlreiche Elektrofahrzeuge samt Fahrerinnen und Fahrer pünktlich um 17 Uhr am Hauptgebäude der TU in Berlin ein. Und bald schon erreichten die ersten Teilnehmer der eTourEurope diesen Treffpunkt, an diesem Tag waren sie von Bremen aus über Hamburg nach Berlin unterwegs.

Nachdem allen Besucher für „1000 EVs in motion“ registriert waren, setzen sich die lautlosen Fahrzeuge in loser Reihenfolge Richtung Brandenburger Tor, Reichstag und Bundeskanzleramt in Bewegung, immer wieder staunend von den vielen Menschen bewundert, die sich in Berlins Mitte aufhielten. Auf dem Weg wurden zahlreiche Fotos gemacht.

Auf dem Washington Platz, unmittelbar vor dem imposanten Gebäude des Berliner Hauptbahnhofes, gab es dann das große Stell-Dich-Ein und auch dort gab es unzählige staunende Blicke der Passanten auf die Fahrzeuge.

Vielen Dank den Veranstaltern der eTourEurope und weiterhin gute Fahrt!

Wir sehen uns am kommenden Samstag, 23.5.2015, zum Weltrekordversuch auf dem Tempelhofer Feld!

DC-Schnellladestationen in Europa: NPE verkennt die Realität

Sehr geehrter Herr Kagermann,
sehr geehrter Herr Barthle,

in Ihrem 5-Punkte-Programm für die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland vom offensichtlichen Leidmarkt zu einem Leitmarkt, von dem wir noch weit entfernt sind, möchte ich wie folgt anmerken:

Sie erwähnen, dass es mit dem CCS-System ein europaweit einheitlicher Standard für Schnellladungen (DC) geschaffen wurde und bereits ca. 100 CCS-Ladestandorte in Europa vorhanden sind.

Sicher wissen Sie, das bereits weit mehr, nämlich über 1650 DC-Schnellladestationen in Europa für Nutzer von Elektrofahrzeugen zur Verfügung stehen, jedoch für das weltweit verbreitete und viel mehr genutzte CHAdeMO-System (Quelle: http://www.chademo.com/), das von wesentlich mehr Fahrzeugen genutzt werden kann und wird, als CCS.

Für den Nutzer stellt somit das CHAdeMO-Ladesystem den faktischen europäischen Standard dar und NICHT das CCS-System, welches gemäß der Direktive der EU auch KEIN Standard, sondern lediglich eine Mindesausstattung ist.

Der Versuch, das CCS-System mit der politischen Brechstange im Markt zu etablieren dient daher nicht der Entwicklung der Elektromobilität, dieses Vorgehen bewirkt genau das Gegenteil. Beispiel: Die Ausstattung der DC-Ladestationen entlang der A9 nur mit Typ2 und CCS, jedoch ohne CHAdeMO, welches jedoch dann in Berlin wieder verfügbar ist. Hiermit wurde die Chance vertan, einen hochattraktiven Korridor (Münschen, Leipzig, Berlin, Greifswald) für Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrzeugen zu schaffen, eine große Anzahl an Praxiserfahrungen zu sammeln und eine große Auslastung zu erreichen.

Ich darf in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass u.a. im SLAM-Projekt die DC-Ladestationen durch allgemeine Steuergelder finanziert werden und daher eine diskriminierende Nutzung von Steuergeldern ausgeschlossen sein sollte. Leider ist genau das Gegenteil der Fall.

Private Unternehmen, wie z.B. ALDI-Süd, haben dies sehr wohl erkannt und errichten an Ihren Standorten Multi-Standard-Ladestationen. Dies sollte als ein Beispiel für den Aufbau einer diskriminierungsfreien Ladeinfrastruktur im Transitland Deutschland gelten.

Die Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg begrüßt alle Anstrengungen und Aktivitäten für die Elektromobilität, weist jedoch alle Bemühungen seitens der Entsheidungsträger zurück, bestimmte Techniken mit Steuergeldern zu fördern, und andere, die heute bereits den Markt bestimmen, zu diskriminieren. Dies widerspricht auch der EU-Direktive, die jegliche Disriminierungen ausdrücklich ausschließt.

Mit freundlichen Grüßen

Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg