Und was kann Porsche?

Sehr geehrter Herr Müller,

heute habe ich den Online-Nachrichten von n-tv gelesen, wie Sie sich über die Elektromobilität im Allgemeinen und die Firma Tesla und deren Produkte im Speziellen geäußert haben.

Herr Müller, ich kann nur den Kopf schütteln. Bitte gestatten Sie es mir, kurz dazu Stellung zu nehmen.

Was kann ein Porsche? Nun, die Antwort auf die Frage ist im Grund sehr einfach. Ein Porsche kann Benzin und Diesel verbrennen. Und das kann ein Porsche sicher besonders gut, vielleicht besser und vor allem sicher auch ein wenig schneller, als andere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und damit bedient sich jeder Porsche an den Ressourcen unseres Planeten. Millionen an Jahre hat die Natur gebraucht, um Öl zu erzeugen. Dazu war es nötig, Planzen wachsen zu lassen, und im Laufe der Jahrmillionen wurden aus den abgestorbenen Pflanzen und Tieren dann Öl. Öl, nichts anderes also als gespeichertes Sonnenlicht. Doch, wie gesagt, dazu waren Millionen Jahren nötig.

Und was macht nun ein Porsche? Er bedient sich dieser Ressource, verbrennt diese auf nimmer Wiedersehen und dann bedient er sich wieder neu daran. Vielleicht reicht diese Ressource noch lange, doch mehr als Öl zu verbrennen kann er nicht. Und damit macht er es sich besonders leicht. Er kümmert sich nicht darum, dass diese Ressource wertvoll und endlich ist. Und er kümmert sich auch wenig darum, dass beim Verbrennen Schadstoffe, Feinstäube und Lärm entstehen, die unsere Luft belasten und Menschen belästigen. Es ist halt so einfach, sich an der Natur zu bedienen. Dazu bedarf es wenig. Wahrlich kein Grund, darauf stolz zu sein. Das können auch andere, denn die Technik ist um Grunde simpel.

Herr Müller, dämmert es? Wie können Sie da die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit ins Lächerliche reden, wenn Sie es selber nicht besser können? Soweit ich weiß, gibt es keinen Porsche, der elektrisch fährt. Vielleicht irgendeinen Prototypen oder einen Hybriden, der kaum 20 km weit elektrisch fahren kann. Nein. Im Gegensatz zu anderen, kann es Porsche nicht, sonst gäbe es ja einen ePorsche zu kaufen.

Die Elektromobilität ist noch nicht so weit? Nun, Herr Müller, dann helfen Sie doch mit. Nehmen Sie doch selber ein wenig Geld in Hand und bauen Sie genau die Ladestationen, die der Elektromobilität angeblich fehlen. Oder lehnen Sie sich lieber zurück und warten darauf, dass es andere für Sie tun? Ist das das Prinzip Porsche?

Ach, ein Elektroauto hat ja zu wenig Reichweite. Können Sie wirklich nichts anderes, als immer wieder die gleichen, müden, abgekauten und längst widerlegten Argumente ins Spiel bringen. Ich kann es schon nicht mehr hören. Wer fragt denn schon bei einem Porsche, wie weit der kommt oder wie schnell er getankt ist. Da geht es doch eher um Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeiten, oder? Ich habe doch Recht. Eben. Also tun Sie mir, uns, den Gefallen und holen Sie nicht irgendwelche Argumente aus der Mottenkiste, die Sie selber auch nicht beantworten können.

Was bleibt?

Porsche will nicht.
Porsche kann nicht.
Porsche tut nichts.
Aber…Porsche meckert und macht sich lustig.

Es grüßt Sie herzlichst

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Affeldt,

    Herr Müller hat Ihr Schreiben vom 8. Mai 2015 erhalten und er hat mich gebeten, Ihnen darauf im Namen der Porsche AG zu antworten. Gerne möchten wir Ihnen mehr Hintergrund zur Veröffentlichung des Interviews geben und vor allem auch Informationen zur erfolgreichen Arbeit von Porsche auf dem Gebiet der Elektromobilität senden.

    Kurz zurück zur Veröffentlichung von n-tv und anderen Medien: Diese basieren allesamt auf einem Artikel der Online-Ausgabe des Wall Street Journal, der infolge eines Interviews während einer Veranstaltung in Atlanta/USA am 7. Mai entstanden ist. Wie sehr oft in solchen Fällen wurde das Interview nicht in voller Länge sondern auszugsweise von diesem Medium veröffentlicht.

    Nun zu den Fakten bezüglich der Märkte für Elektromobilität und über die erfolgreiche Arbeit von Porsche auch auf diesem Gebiet.

    Einerseits ist es auch aus Porsche-Sicht so, wie es von den allermeisten Fachleuten und Medien dargestellt wird: Mit reinen E-Autos ist zur Zeit aufgrund der hohen Kosten und Preise sowie wegen fehlender Infrastruktur und Reichweite (noch) nicht wirklich Geld zu verdienen, da der Kunde diese Produkte aus diesen Gründen (noch) zu wenig nachfragt. Insofern hatte Herr Müller sich im Gespräch mit dem Journalisten auch nicht „über die Elektromobilität im Allgemeinen geäußert“, sondern im Sinnes eines verantwortlichen Unternehmensführers das Geschäftsmodell (des Wettbewerbers) analysiert, wie es viele andere Fachleute und Medienvertreter ebenso tun. Zu welchem Ergebnis man hier kommt ist sicherlich abhängig von Aufgabe, Sichtweise und Erfahrung, die man in diesen Märkten hat.

    Die Marktanalyse von Porsche ist dahingehend eindeutig, dass man mit einem eindimensionalen Geschäftsmodell, das auf reine Elektrofahrzeuge abzielt, auf absehbare Zeit in der Automobilindustrie nicht betriebswirtschaftlich erfolgreich sein kann. Erfolg definieren wir bei Porsche entsprechend unserer Geschäftsstrategie unter anderem als „fairen Ausgleich zwischen den Interessen von Kunden, Mitarbeitern, Partnern und Investoren“. Dabei wollen und müssen wir profitabel wachsen können – und dürfen dabei als verantwortliches Unternehmen insbesondere auch im Sinne von über 23.000 Mitarbeitern und ihren Familien und allen davon abhängigen Firmen und Menschen wie z.B. Lieferanten keine unkalkulierbare „Wette auf die Zukunft“ eingehen.

    Über den Ursprung der Energie, die in den nächsten Jahren für elektrisch betriebene Fahrzeuge eingesetzt wird, sowie über die Umweltbilanzen der eingesetzten Energie und auch der heute verfügbaren Batterien für E-Fahrzeuge, sind sich die Fachleute, zu denen wir Sie sicherlich auch zählen möchten, ja ebenso weitgehend einig.

    Andererseits müssen wir Ihrer Behauptung, dass Porsche in Bezug auf die Elektromobilität „nicht wolle, nicht könne und nichts tue“, energisch widersprechen. Möglicherweise konnten Sie sich bislang nicht die Zeit nehmen, unsere entsprechenden Produkte kennenzulernen – sei es am Steuer eines Porsche oder auch als Konsument all der Veröffentlichungen im Internet und anderen Medien, die die erfolgreiche Technologieführerschaft unseres Unternehmens dokumentieren.

    Sie verstehen sicherlich, dass wir in erster Linie nur für Porsche sprechen können. Aber allein die Tatsache, dass heute noch über zwei Drittel aller jemals gebauten Porsche auf der Straße sind, ergibt sicherlich eine einmalige Bilanz: Wir halten dies für einen sehr intelligenten Einsatz von Ressourcen. Und dass wir jüngst sogar – neben VW – als erstes Unternehmen für ein Industriequartier das Zertifikat in Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten haben, ist ein neuerlicher Beleg dafür, dass wir auch bei der Produktion unserer Sportwagen nachhaltig denken und handeln.

    Seit jeher schaffen wir es, vermeintliche Gegensätze zu verbinden. Nehmen wir konkret die Sportwagen-Ikone 911: Die Leistung des Elfers hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr als verdreifacht und dennoch sind Verbrauch und Abgasemissionen drastisch gesunken. Und wir können mehr: Mit den E-Hybridmodellen der Modellreihen Cayenne und Panamera sowie unserem Supersportwagen 918 Spyder verfügen wir über drei Serienprodukte im Premiumsegment und fahren damit auch an der Spitze der Plug-in-Entwicklung.

    Warum unsere Autos hauptsächlich mit fossilen Energieträgern betankt werden? Und wann wir den Punkt erreichen, an dem uns nichts anderes übrig bleibt, als unsere Autos mit alternativen Kraftstoffen anzutreiben? Zur Beantwortung dieser Fragen ist unsere Glaskugel leider auch nicht größer als die von anderen Unternehmen und Wissenschaftlern. Aber wir gehen heute noch von einer langen Koexistenz unterschiedlicher Antriebsarten aus. Insofern werden wir auch in Zukunft all unser Wissen nutzen, um sowohl die Verbrennungsmotoren als auch unsere Plug-in-Hybride permanent effizienter zu machen, ohne dass unsere Kunden auf den porschetypischen Fahrspaß verzichten müssen.

    Dabei haben wir uns bewusst für die Kombination aus Verbrennermotor und Plug-in-Hybrid entschieden. Wir glauben an diese Technik, die langfristig vielleicht sogar mehr als eine Brückentechnologie ist. Sauberes emissionsloses Fahren mit dem E-Antrieb auf der Kurzstrecke und ein effizienter Verbrenner ohne Reichweitenproblem – das ist eine ebenso faszinierende wie im höchsten Maße alltagstaugliche Automobiltechnik. Und am Ende entscheiden in der Marktwirtschaft natürlich die sich frei entscheidenden Kunden: Schon heute ist das Interesse an unseren Plug-in-Hybrid-Sportwagen groß und steigt stetig, insbesondere natürlich auch in Ländern, in denen die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen setzt, etwa Niederlande oder auch Norwegen und die USA.

    Verständlicherweise fragen Sie als Vertreter einer ‚Interessengemeinschaft Elektromobilität‘ nach dem ersten Elektro-Porsche. Die Antwort auf diese Frage ist zweigeteilt: Denn es gibt bereits einen reinen E-Porsche auf Basis der Boxster-Modellreihe, den sowohl das Fachpublikum als auch die Medien kennengelernt haben. Allerdings ist der Markt für eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Produktion und Vermarktung eines solchen Fahrzeugs noch nicht da, die Zahlen des Wettbewerbs sprechen da eine eindeutige Sprache.

    Ab wann sich unsere Kunden dann auf den ersten rein elektrischen Porsche freuen dürfen? Die Zeit wird kommen, voraussichtlich bis Ende dieses Jahrzehnts, auch wenn wir noch kein genaues Datum nennen können. In jedem Fall werden unsere Kunden in Zukunft mehr denn je von unserem einzigartigen Know-how in der Hybridtechnologie profitieren, das wir nicht zuletzt mit dem Rennwagen 919 Hybrid als „rollendes Labor für die Serienentwicklung“ im Langstreckeneinsatz wie in LeMans ausbauen. Und wenn es die Batterietechnologie eines Tages zulässt, dass wir einen Porsche mit porschetypischen Fahrleistungen mindestens 400 Kilometer weit rein elektrisch und energetisch auch sinnvoll bewegen können, wird es gewiss auch einen ausschließlich elektrisch fahrenden Porsche geben.

    Mit freundlichen Grüßen aus Stuttgart

    Achim Schneider

    Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
    Leiter Unternehmenskommunikation

    • Sehr geehrter Herr Schneider,

      vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Leider finde ich darin keine neuen Argumente. Insbesondere wundere ich mich, dass Porsche bestimmte „Defizite“ (z.B. die Ladeinfrastruktur) bemängelt, selber aber keine sichtbaren Anstrengungen unternimmt, diese zu beseitigen, damit wir alle in möglichst naher Zukunft umweltfreundliche und nachhaltig mobil sein können, was nun mal auf der Basis von Öl oder Gas nicht möglich ist und nicht möglich sein wird. Ich vermissen z.B. dass Porsche seinen Beitrag dazu leistet, dass eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur entsteht. Kein deutscher Hersteller kann hier für sich in Anspruch nehmen etwas zu schaffen, was z.B. Tesla tut (SuperCharger-Netzwerk, Giga-Fabrik für Akkuzellen usw.).

      Nun, ich würde Ihnen gerne ausführlicher antworten, doch leider fehlt mir dazu im Moment die Zeit. Ich mache mich in wenigen Minuten auf den Weg zum Weltrekordversuch auf dem Tempelhofer Feld. Über 600 Elektrofahrzeuge werden dort heute zusammen kommen, angereist aus ganz Europa. Bereits gestern, zur Probe, waren Fahrzeuge aus Österreich, der Schweiz und Schweden vor Ort, z.T. mit Anfahrten von mehreren hundert Kilometern. Hersteller aller Art werden heute in Berlin vertreten sein, u.a. VW, BMW, Nissan, Mitsubishi, Renault, Tesla usw.

      Nur: Kein einziger Porsche.

      Dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen.

      Es grüßt Sie herzlichst aus Berlin
      J. Affeldt und die ganze Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

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