Öffentliche Ladeinfrastruktur in Berlin

Sehr geehrter Herr Blümel,

zunächst möchte ich Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr wünschen.

Ich komme zurück auf unseren Gedankenaustausch im letzten Jahr zurück und beziehe mich auch auf Ihren Dialog mit Herrn xx bzgl. der aktuellen Ladepreise.

Anbei übersende ich Ihnen zwei Fotos von der be mobil-Ladesäule in Berlin vor der Zehlendorfer Welle, die ich gestern Abend im Abstand von 45 Minuten aufgenommen habe. Ein Bild, das ich dort praktisch jeden Tag sehe: Mind. einer der beiden Ladeplätze ist durch Falschparker, meiste Verbrennerfahrzeuge, blockiert. Ladende Elektrofahrzeuge habe ich dort bisher nur ein einziges Mal gesehen. Daher kann ich aus meinen Beobachtungen – ich bin sehr häufig dort – die Ausführungen von Herrn xx bestätigen.

Als Mieter oder Eigentümer ohne eigene Lademöglichkeit, die mir 24/7 zur Verfügung steht, käme ich nicht auf die Idee, mir ein Elektrofahrzeug anzuschaffen, da das mehr oder weniger täglich notwendige Nach- bzw. Aufladen nicht sichergestellt und die Nutzung des Fahrzeuges, insb. Im Winter, massiv eingeschränkt wäre. Mehrfach schon habe ich das Ordnungsamt Zehlendorf auf diesen Umstand hingewiesen, doch dort hat man anscheinend kein Interesse oder schlicht keine Ressourcen, um dort laufend Falschfahrer aufzuschreiben bzw. zur Anzeige zu bringen. Ich habe inzwischen aufgegeben, ich halte das auch nicht für meine Aufgabe.

Ich schreibe Ihnen dies um nochmals darauf hinzuweisen, dass es mehrere Gründe gibt, warum wir als Elektrofahrzeugnutzer die öffentliche Ladeinfrastruktur in Berlin mehr und mehr meiden:

1. Mangelhafte Verfügbarkeit

Wie oben dargestellt ist es für „Strom-Suchende“ immer wieder frustrierend an blockierten Ladestationen vorbeizufahren. Bis vor wenigen Wochen habe ich die öffentliche Ladeinfrastruktur noch intensiv genutzt, inzwischen tue ich mir dies nicht mehr an. Wenn ich bestimmte Touren, insb. Im Winter, mit meinem E-Auto nicht schaffe, ohne nachzuladen, greife ich nun vermehrt auf meinen Zweitwagen zurück und erzeuge eben wieder Abgase – den Stress und Ärger habe ich satt. Ohne eine konsequente Freihaltung der öffentlichen Ladestellen werden Interessenten ohne eigene Lademöglichkeit sicher nur in Einzelfällen ein E-Auto kaufen. Sicherlich einer der Gründe, warum so wenige Menschen ein Elektrofahrzeug kaufen.

2. Intransparente Preisstruktur

Wie schon ausführlich zuvor dargestellt, gibt es großen Unmut über die Preisgestaltung. Unseren Standpunkt dazu haben wir ausführlich dargelegt. Eine Abrechnung nach Zeit wird von der Mehrheit der Nutzer nicht akzeptiert. Die Gründe dafür kennen Sie. Ladende Elektroautos muss man nicht durch einen Zeittarif von der Ladestelle vertreiben – vertrieben werden müssen einzig die Falschparker.

Kurz: Die Nutzerinnen und Nutzer vermissen den echten Willen, im Sinne der Natur und Menschen, die Elektromobilität in Berlin voranzubringen. Es kann nicht das Ziel sein, die Nutzerinnen und Nutzer durch „kostendeckende“ Preise in der aktuellen Situation mit nur wenigen Fahrzeugen von der Nutzung der öffentlichen Ladeinfrastruktur abzuhalten. Dies ist weder für das Projekt noch für die Nutzer in irgend einer Weise zielführend. Ziel sollte es doch eigentlich sein, die Akzeptanz der Elektromobilität und damit nach und nach auch die Anzahl der Fahrzeuge zu steigern. Dies wird aber nur gelingen, in dem auch die Ladeinfrastruktur zuverlässig und zu nachvollziehbaren Preisen nutzbar ist.

Wie ich schon ausgeführt habe, sind wir natürlich nicht an kostenlosem Strom interessiert. Und wir leisten auch gerne Zuarbeit zur Optimierung. Im Gegenzug erwarten wir aber auch von Seiten der Stadt Berlin ein „Gehört-Werden“.

Daher laden wir Sie sehr herzlich zu unserem Januar-Stammtisch, am Donnerstag, den 21.1.2016, an 18 Uhr in der Grunewaldturm ein. Wir halten unsere eStammtische regelmäßig ein Mal pro Monat ab und würden uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen. Vor Ort sind stets engagierte Nutzerinnen und Nutzer wie auch Vertreter von Herstellern. An einem Austausch wäre wir sehr interessiert.

Mit freundlichen Grüßen

Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

J. Affeldt

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1 Kommentar

  1. Pingback: electrive.net » Urban Infrastructure – BERLIN: Eine analoge Insel im digitalen Mekka.

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