Neuer DC-Lader im Berliner Südwesten: Wie man es machen und wie man es nicht machen sollte

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mehrere Mitglieder der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg konnten bereits den neuen DC-Schnelllader am Rastplatz Grunewald testen. Der neue Schnelllader gehört zum Stationsnetz der Tank&Rast; ca. 400 solcher Ladestationen will Tank&Rast in Deutschland aufbauen. Besonders begrüßenswert dabei ist, dass es sich dabei – soweit derzeit bekannt – um 3in1-Stationen handeln wird; demnach stehen dort AC (Typ2, 43 kW) und DC (CHAdeMO und CCS, je 50 kW) zur Verfügung. Tank&Rast scheint sich also nicht an der Diskriminierung des erfolgreichen CHAdeMO-Ladesystems (über 2500 Ladestellen in Europa) innerhalb des SLAM-Projektes zu orientieren und freut sich auf alle Ladekunden, egal, welches Ladesystem im Fahrzeug verbaut ist. Daumen hoch!

Bei meinem Besuch heute waren beide Stellplätze am Lader frei zugänglich. Wie immer sind die Stellplätze gut sichtbar beschildert; auch gibt es mehrere Hinweisschilder auf die Ladestation, u.a. auf der Autobahnausfahrt. In wie weit sich dort dennoch Falschparker einfinden werden, wird die Zeit zeigen. Leider gibt es auch an dieser Ladestation keinen Hinweis, wie man sich als Strom-Suchender verhalten soll, wenn die Ladeplätze durch Falschparker blockiert werden. Hier schon mal die Telefonnummer vom Ordnungsamt Zehlendorf-Steglitz: (030) 90299-4660. Aufgrund eingeschränkter Öffnunsgzeiten ist dort natürlich nicht 24/7 jemand zu erreichen. Tank&Rast sollte an den Ladestationen einen deutlichen Hinweis dazu anbringen. In wie weit die Ladestation bei Dunkelheit einsehbar und zu bedienen ist, muss sich zeigen. Eine extra Beleuchtung habe ich nicht gesehen. An der vor Ort befindlichen Tankstelle und am Schnellrestaurant kann man die Ladezeit verbringen. Unser Tipp: Die Ladestation mit einem WLAN ausstatten, so dass man Ladepausen produktiv nutzen kann.

Nun, derzeit ist das Laden an dieser Station kostenfrei und wir bitten möglichst viele Elektromobilisten die Ladestation ausgiebig zu testen. Feedback bitte an Tank&Rast.

Nun zu einem damit zusammenhängendem Gedanken. Ich habe heute dort 28 Minuten geladen und in dieser Zeit 4,5 kWh geladen (ab SOC 44% und 0 Grad Außentemperatur). Die Ladeleistung betrug also im Durchschnitt 9,6 kW bei 59 kW Maximalleistung, die aber nur bei leeren Akku und ausreichenden Außentemperaturen kurzfristig erreicht wird. In einem Zeit-basierten Abrechnungsmodell mit 30 Cent pro Minute – so wie an div. Schnellladern in Berlin – hätte mich die Ladung demnach € 8,40 oder umgerechnet stolze € 1,86 pro kWh gekostet. Dies entspricht, nebenbei und zum Vergleich, dem 7,5-fachen des Haushaltstromtarifes (0,25 Euro pro kWh). Hätte ich die gleiche Ladung z.B. am DC-Schnelllader am S-Bhf. Südkreuz getätigt (50 Cent pro Minute), hätte ich sogar € 14,- oder umgerechnet € 3,11 pro kWh gezahlt (ebenfalls nebenbei: das entspricht mehr als dem 12-Fachen des Haushaltstromtarifes). WOW!

Und was habe bzw. hätte ich für € 8,40 oder € 14 bekommen? 4,5 kWh reichen bei dem Wetter vlt. für max. 30 km, je nach Fahrzeug, Fahrweise Art und Einsatz der Heizung sogar für nur noch weniger. Den Preis auf 100 km will ich mir da gar nicht ausrechnen.

Wer, um Himmels Willen, käme bei solchen Preisen auf die Idee, nach einem solchen Tarif dort zu laden??? Für € 14,- Diesel kann man in einem sparsamen Fahrzeug sicher 200 bis 300 km weit fahren…und auch mit einem Hybriden kommt man ähnlich weit. Im Elektroauto nicht mal 50 km! Damit komme ich auch nicht einmal zur nächsten Ladestation an der A9 in Linthe.

Ganz ehrlich: Wer da nicht auch auf den Gedanken kommt, dass ein solcher Zeit-Tarif vollkommen kontraproduktiv ist, der will ganz sicher Vieles, aber nicht die Elektromobilität fördern.

Hier muss einfach ein anderes Preismodell her und dieses muss sich an der tatsächlich geleisteten Arbeit orientieren und nicht an der Nutzungszeit der Ladesäule. Noch gibt es (leider) viel zu wenige Elektroautos auf unseren Straßen, als dass man daran denken müsste, diese durch Zeit-Tarife von langen Standzeiten abzuhalten. Selbst bei einem Preis von 1,- pro kWh hätte ich dort zwar immer noch € 4,50 bezahlt, aber keine 8,- oder sogar 14,-

Kurz: Ein großer Dank an Tank&Rast für die neue Ladestation und vor allem ein großes Lob für einen 3in1-Lader. So funktioniert diskriminierungsfreies Laden. Doch die Erfahrungen zeigen, dass ein Zeit-basiertes Modell niemandem nutzt. Weder den Nutzern (weil die es nicht akzeptieren werden), noch dem Betreiber (weil das Preis-Modell eher abschreckend wirkt) noch der Umwelt (weil ein solches Preismodell kontraproduktiv ist). Gründe genug, darüber intensiv mit den Nutzern ins Gespräch zu kommen und nachzudenken, wie man dies umkehrt. Zum Nutzen für uns alle.

Text & Bilder: Julian Affeldt, Kleinmachnow; Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

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