Wichtiges vom Schnelllader Rastplatz Grunewald

Werte Leser!

Heute hatte ich die Gelegenheit, den Schnelllader am Rastplatz Grunewald bei eisigen -10 Grad an meinem Peugeot iON zu testen. Davon nun ein kurzer Bericht in Stichpunkten:

  • Überraschung: Ein Tesla Model S war dort am Typ2-Post angeschlossen, als ich ankam. Also hieß es nun zu testen, ob eine Parallelladung überhaupt möglich ist. Nach zwei Anläufen (Lader zeigte Fehler an bei der Aktivierung von CHAdeMO) ging es dann doch los.
  • Nach der ersten Minute waren gerade einmal 0,14 kWh geladen (Start-SOC 30%), nur die Hälfte, die bei Temperaturen um Null Grad in der gleichen Zeit in den Akku fließen. Dies entspricht einer Ladeleistung von 8,4 kW.
  • Nach 45 Minuten dann 5,72 kWh und am Ende meiner Ladung – mehr Zeit hatte ich nicht -, d.h. nach 52 Minuten, hatte ich 6,22 kWh geladen. Dies entspricht einer durchschnittlichen Ladeleistung von 7,2 kW. Interessant: Der Tesla hatte nach 2 Stunden knappe 22 kW geladen, sehr wahrscheinlich ein Model mit 11 kW-Lader. Vlt. waren seine Akkus wärmer oder der große Akku nimmt auch bei Kälte einfach schneller die Ladung auf.
  • So, nun meine Lieblingsrechnung… Was hätte die Ladung dort in einem 30- bzw. 50-Cent pro Minute-Zeittarif gekostet? Hier die Antworten:

    Die Ladung von 6,22 kWh hätte mich demnach € 15,60 (30 Cent pro Minute) bzw. € 26,- (50 Cent pro Minute) gekostet.

    Dies entspricht einem kWh-Preis von € 2,50 bzw. € 4,18! Für 26,- bekomme ich derzeit an der Tankstelle rund 26 Liter Diesel bzw. 22 Liter Benzin und kann damit 500 bzw. 300 km weit fahren. Mit den 6 kWh kann mein iON (ohne Heizung!) ca. 50 km weit fahren. Jeder logisch denkende Mensch wird einen Vergleich zwischen Strom-tanken vs. Benzin/Diesel-Tanken sowie einen Vergleich zwischen „zuhause-laden“ und „unterwegs-laden“ anstellen. Das Ergebnis spricht kaum für den Erwerb eines Elektroautos, wenn man damit auch unterwegs laden will oder muss, weil man keine eigene Lademöglichkeit hat.

Und nun? Was bedeutet das?

Einerseits zeigt dies, dass man im Winter generell von Schnellladung auf dem Niveau „Sommer“ nicht reden kann, die Ladung verläuft zumindest an meinem Wagen nur noch knapp doppelt so schnell, wie an der heimischen Wallbox mit max. 3,3 kW Ladeleistung.

Dies zeigt weiterhin erneut, dass ein Zeittarif die Nutzerinnen und Nutzer von Elektroautos unfair behandelt, da diese für die längeren Ladezeiten nichts können. Dies ist rein technisch bedingt und durch den Nutzer nicht beeinflussbar. Niemand wird freiwillig eine Stunde oder länger im kalten Auto sitzen, weil es Freude bereitet. Geht man während der Ladezeit ins Café steigen wir Gesamtkosten noch weiter an. Modernere Autos als der Peugeot iON mögen mit größeren Akkus und/oder einer Akkuheizung von dem Problem weniger betroffen sein. Doch bei fast allen Fahrzeugen werden sich ähnliche Effekte einstellen.

Durch den Zeittarif wird das Laden zu einem enorm kostspieligen Vergnügen. Sind schon die Ladezeiten im Sommer für den Laien kaum abzuschätzen, so gilt dies im Winter umso mehr. Hier explodieren geradezu die Ladezeiten und damit die Kosten einer Ladung, die einem auch nach einer Stunde kaum weiter als 50 km weit bringen wird. Damit können Kosten von bis zu € 50,- pro 100 km entstehen. Augenblicklich ist das das Zehn-Fache der reinen Energiekosten eines Diesel oder Hybrid-Benziners. Und dies vor dem Hintergrund, dass selten wirklich Elektroautos die Ladestationen blockieren, sondern eher Falschparker oder andere Hindernisse (vlg. unseren gestrigen Twitter-Beitrag aus Berlin-Steglitz – hier wurden die beiden Stellplätze an einer Ladestation kurzerhand zu Stellplätzen für Bauschutt umfunktioniert. Laden unmöglich!). Kurz: Hier muss dringend umgesteuert werden. Das geplante Stadt- und Landesweite Ladetarifmodel nach Zeit ist kontraproduktiv und nimmt die noch wenigen Nutzer in Haftung (kostendeckende Preise) anstatt die Nutzung der Elektromobilität zu fördern.

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