Ladestandorte, Preise, Verzeichnisse…und Zweifel

Heute früh ein paar Gedanken:

Ladestandorte:
Wer sich heute (noch) ein Verbrennerfahrzeug zulegt oder nutzt, muss sich über das Tanken keine Gedanken machen. Tankstellen gibt es überall. Doch auch für Elektrofahrzeuge gibt es inzwischen eine große Anzahl an Ladestellen. Eine interessante Statistik habe ich bei goingelectric.de gefunden: http://www.goingelectric.de/stromtankstellen/statistik/

Und da bin ich gleich beim Thema: Wie findet man eigentlich eine Stromtankstelle? Die Antwort ist so einfach wie kompliziert. Seit Jahren schon gibt es eine Vielzahl an Online-Verzeichnissen, hier nur eine kleine Auswahl:

  1. http://www.goingelectric.de
  2. http://www.lemnet.org
  3. http://www.plugsurfing.de

Aber auch die Betreiber führen eigene Verzeichnisse:

  1. http://www.vattenfall.de/de/emobility/ladestationen-berlin.htm
  2. https://www.rwe-mobility.com/web/cms/de/1195202/emobility/rwe-ladesaeulenfinder/?et_cid=65&et_lid=84
  3. https://my.thenewmotion.com/
  4. http://www.be-emobil.de/

Damit nicht genug. Auch einige PKW-Hersteller bieten Verzeichnisse in den Navigationssystemen und bestimmte Ladepunkte lassen sich nur über speziellen Seiten finden (drehstromnetz.de, Park&Charge, chademo.com, Tank und Rast usw.). Und neben den Online-Verzeichnissen gibt es dann noch von einigen Anbietern Apps, die es wiederrum nicht für alle am Markt befindlichen Systeme (Windows10Desktop&Mobile, iOS, Android, Blackberry) gibt.

Kurz: Auch wenn es eine große Schnittmenge gibt, so herscht doch ein großes Durcheinander, was manchen Interessenten mehr abschrecken als beruhigen mag. Ich selber nutze z.B. ein Windows10-Smartphone und müsste mir jetzt mind. ein weiteres Smartphone mit iOS oder Android zulegen, um wirklich alle Finde- und Lade-Apps nutzen zu können. Und das nervt!

Preise:
Weder an der gestern beschriebenen Vattenfall-Ladestation noch an der nahe gelegenen be-mobil-Ladesäule gibt es Preisinformationen direkt an der Ladesäule. Bei Vattenfall finde ich den Preis für´s Laden recht schnell auf der Webseite (30 Cent pro kWh), bei RWE muss ich ein wenig mehr suchen, finde aber dann unter Produkte den Ladetarif (30 Cent pro kWh zzgl. 4,95 Monatsgebühr), bei TheNewMotion muss ich auf die einzelnen Ladestationen in der Karte klicken und sehe dann den Preis (es gibt verschiedene Preise und Preismodelle, mal nach Zeit, mal nach kWh, mal mit, mal ohne Startgebühr…oh je, welch Durcheinander) und bei be-emobil erfahre ich gar keine Preise – hier werde ich auf die Kosten des „Mobilitätsanbieters“ verwiesen (wer oder was auch immer das sein mag). Hier erfahre ich aber auch, dass be-mobil gar kein Betreiber, sondern ein Projekt ist, das sich mit der Aufstellung von öffentlich nutzbaren Ladestandorten in Berlin beschäftigt und dass mehrere Partner an dem Projekt beteiligt sind. Diese grauen Ladesäulen werden also von der Firma Allego betrieben und TheNewMotion stellt als erster Anbieter eine Ladekarte dafür zur Verfügung und macht die Abrechnung. Die Preise für die Nutzung sind nicht einheitlich. Für mich auf den ersten Blick ein totales Durcheinander. Nachdem ich mich ein wenig durchgearbeitet habe erfahre ich erst jetzt, dass ich bei Nutzung der TNM-Ladekarte nochmals 35 Cent pro angefangenem Ladevorgang bezahlen muss.

Für mich bedeutet das also bei Nutzung einer der vielen be-emobil-Ladesäulen:

1. Allgemeine Ladegebühr TNM: 35 Cent pro Ladevorgang
2. Startgebühr an einer be-emobil-Ladesäule: 77 Cent pro Ladevorgang
3. Zeittakt: 5 Cent pro Minute

Macht in Summe nach einer Stunde: 0,35 + 0,77 + (0,05 * 60) = Euro 4,12. In der Zeit kann mein iON 3,3 kWh laden, macht also 1,25 pro kWh. Das reicht für 20 bis 25 Kilometer. Upps. Da hier nach Zeit abgerechnet wird, ist es für mich und meinen iON also ganz schön teuer, hier zu laden. Hätte ich einen Renualt Zoe, der viel schneller laden kann, sähe das anders aus. Der lädt mit 11 kW und könnte in einer Stunde also viel mehr Strom tanken, als meiner. Hier würde die kWh dann im besten Fall nur noch 37 Cent kosten, was ich als angemessen erachte. Aber nur ganz wenige Fahrzeuge können so schnell laden. Die meisten laden langsam, so wie meiner, z.B. der alte Nissan Leaf, der VW eUP, der eGolf. Die anderen können etwas schneller laden. 11 kW oder mehr können nur ZOE, Tesla und der inzwischen nicht mehr erhältliche smart ed mit Schnelllader. Auch die PlugIn-Hybriden sind „Langsamlader“, auch für die wird es also, je nach genutzer Ladestation, teuer. Ich finde das alles ganz schön frustrierend. Es wäre an der Zeit, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern dass das alles für die heutigen und vor allem die zukünftigen Kunden und Nutzer einfach, einheitlich und transparent wird. Es kann nicht sein, dass man als Elektromobilist verschiedene Ladekarten braucht und für ein die selbe Sache, nämlich Strom, z.T. extrem unterschiedliche Preise zu bezahlen hat. Mir wäre es am liebsten, es gäbe eine Karte zum Freischalten der Ladestation (bitte nicht zwingend über eine App oder telefonisch, weil auch mal Mobilfunknetze ausfallen, das Handy alle ist oder vergessen wurde oder oder oder…), die man ganz einfach vom privaten Stromanbieter bekommen kann (oder von jedem anderen Stromanbieter) und der Strompreis dem Haushaltsstrompreis plus einer Servicegebühr für das Nutzen der Ladestation entspräche. Laden muss immer gehen, immer. Derzeit ist das Laden aber abhängig von:

  • Habe ich die richtige Ladekarte?
  • Habe ich die richtige App/das richtige Smartphone?
  • Habe ich überhaupt ein Handys oder Smartphone (manche Menschen haben auch keine Lust auf so´n Ding) ?
  • Ist die Ladestation technisch nutzbar ?
  • Ist die Ladestation erreichbar (oder durch Falschparker blockiert) ?
  • Hat mein Auto den passenden Anschluss?
  • Habe ich ggf. mein Ladekabel vergessen?

usw.

Wer einen Verbrenner fährt braucht nur ein paar Münzen im Portmonee (ach, ich finde die neue deutsche Rechtschreibung immer noch grausam) und fertig.

Ok, der Tag beginnt, auf geht´s…more to come.

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1 Kommentar

  1. Zum Thema Preise von The New Motion (nachfolgend TNM) für AC zwei Anmerkungen als Kunde

    1. Entgegen der Darstellung sind die Preise für die Wechselstromladesäule von TNM klar strukturiert. Ob sie mir gefallen, ist eine ganz andere Frage.

    An TNM-Ladesäulen kostet die kWh 0,30 Euro.

    An RWE-Ladesäulen kostet die kWh 0,56 Euro oder wer es anders dargestellt haben möchte, es muss pro kWh ein Aufschlag von 0,26 Euro gezahlt werden. Andere Anbieter bieten eine solche Dienstleistung in Berlin nicht an. Gerade von Vattenfall hätte man hier mehr erwarten dürfen. In vielen Fällen lohnt sich ein zusätzlicher Vertrag mit RWE.

    Bei den Allego-Ladesäulen gibt es ein Zeitmodell. Pro Ladevorgang sind 0,77 Euro und zusätzlich ein Minutenpreis von 0,05 Euro zu zahlen. Woher die im Beitrag genannten 0,35 Euro kommen, konnte ich nicht nachvollziehen. Beim einphasigen Laden kommt schon ein beachtliches Sümmchen zusammen.

    2. Das Abrechnungsmodell von Allego-Ladesäulen ist in dieser Form indiskutabel. Mit ihm sollen Mieter vor Ort laden können. Da fahre ich doch lieber mit der BVG für 2 * Kurzstrecke bzw. 2 * AB zur nächsten TNM-, Vattenfall- oder RWE-Ladesäule. Dies wäre wesentlich kostengünstiger.

    Viele Grüße Prius_57

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