…und der Strom?

„Uns“ Nutzerinnen und Nutzern von Elektroautos wird ja immer wieder von verschiedenen Seiten vorgeworfen, das Elektroauto sei zwar vor Ort emissionsfrei, es würde aber die Emissionen letztlich nur vom Auto zum Kraftwerk verschieben. Und wenn man dann eben mit Strom aus dem Kohlekraftwerk lade, sei der Diesel eben doch die bessere Wahl.

Ok, ich lasse mich jetzt hier nicht groß darüber aus, weil das den Rahmen sprengen würde und ich eigentlich im Rahmen unserer Aktion „30 Tage im April“ über etwas ganz anderes schreiben wollte. Dennoch sei kurz dazu erwähnt:

Natürlich fährt auch „das Elektroauto“ nicht frei von Emissionen. Schon der Bau eines Autos verursacht Emissionen, solange wir noch keine Clean-Production haben. Aber einige Hersteller sind auf dem Wege dahin, z.B. Toyota und Tesla. So wird Tesla bald seine erste Batteriefabrik eröffnen und dort werden die Lithium-Zellen überwiegend mit Hilfe erneuerbarer Energien (Solar, Wind) gebaut. Die ersten Schritte sind getan. Und für´s Fahren braucht jedes E-Auto Strom und der kommt eben bei fast allen Nutzern aus dem Netz und das wiederrum heißt, wir laden alle unsere E-Autos mit Strom aus dem Kraftwerk, das uns am nächsten ist. Für alle Verbraucher zusammen ergibt sich dann ein Mix, und dieser Mix besteht mal mehr, mal weniger aus Ökostrom. Das ist die physikalische Belieferung einer „Steckdose“. Strom ist immer Strom, doch mal sind eben diese und mal jene Kraftwerke am Netz und speisen ein (das ist natürlich nur bildlich gesprochen).

Der Mix der physikalische Versorgung einer Entnahmestelle entspricht aber nicht der Stromqualität, die ich als Kunde bestelle. Wenn ich Ökostrom bestelle, heißt das aber eben auch nicht, dass auch Ökostrom aus der Dose kommt. Sichergestellt wird nur, dass, je nach Tarifmodel, zeitgleich oder mengengleich Strom einer bestimmten Qualität, z.B. Ökostrom, irgendwo erzeugt und ins Netz eingespeist wird. Nicht mehr und nicht weniger. Rechnerisch wurde also vielleicht mein Verbrauch als Ökostrom ins Netz eingespeist, angekommen bei mir ist davon aber vielleicht alles…oder gar nichts. Und auch wenn ich eine PV-Anlage auf dem Dach oder ein kleines Blockheizkraftwerk im Keller habe, heißt das noch lange nicht, dass ich wirklich diesen Strom nutze, wenn ich mein Auto lade. Dazu müsste u.a. der Strom auf der gleichen Phase eingespeist werden, sonst wandert der eben nicht zum Auto, sondern zum Kühlschrank oder zum Nachbarn.

Fakt ist: Es ist nur mit hohem techischem Aufwand möglich, ein Auto vor der Haustür oder an irgendeiner Stromtankstelle physikalisch zeit- und mengengleich mit Ökostrom zu versorgen. In Einzelfällen mag das der Fall sein, die breite Masse der E-Autos, z.B. die elektrischen CarSharing-E-Fahrzeuge, wird mit „Mix-Strom“ geladen. Schaut man sich die Grafik an, stellt man fest, dass dieser Mix 2015 zu über 30% aus erneuerbaren Energien bestand – Tendenz seit Jahren steigend. Den größten Anteil liefert die Windkraftanlagen am Land, gefolgt von den hunderttausenden an PV-Anagen.

CO2-Emissionen der Strmerzeugung:
Ich habe für das Jahr 2015 eine Angabe von 511 g CO2 pro kWh gefunden, dazu kommen aber noch Vorkettenemissionen und Energieverluste im Netz. Die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern liegt bei ca. 600 g CO pro kWh, die der erneurbaren bei 40 g CO2 pro kWh. Biogas-BHKW und Windkraftanlagen erzeugen pro kWh Strom am wenigsten CO2-Emissionen, PV-Anlagen am meisten (das liegt am hohen Materialeinsatz). Jede Art der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgernerzeugt aber mehr CO2 pro kWh.

CO2-Emissionen eines E-Fahrzeuges:
Für das durchschnittliche Elektroauto mit einem Sommer-Winter-Durchschnitts-Strombedarf von 12 bis 16 kWh pro 100 km (gemessen ab Steckdose, also inkl. der Ladeverluste im Ladegerät, Akku usw.) errechnen sich damit CO2-Emissionen von 6 bis 8 kg pro 100 km. Ein Tesla Model S mit ca. 20 kWh pro 100 km fährt mit ca. 10 kg CO2 pro 100 km. Auf den Kilometer gerechnet sind das Emissionen von 60 bis 80 g (Tesla Model S: 100 g). Das sind Realwerte, keine Laborwerte! Und die muss ein Verbrenner erstmal erreichen. Rechnet man diese Werte auf Benzin/Diesel um, so müsste der Verbrenner mit 3 bis 4 Liter Benzin bzw. 2,6 bis 3,5 Liter Diesel auf 100 km auskommen (jeweils inkl. 15% Vorkette – Benzin und Diesel wachsen ja nicht an der Tankstelle!) – real, auf der Straße, keine NEFZ-Laborwerte! Das schaffen heute nur eine Handvoll Fahrzeuge.

Fazit: Das E-Auto fährt dem Verbrenner in Sachen CO2-Emissionen auch mit Mix-Strom aus dem Netz schon heute und live aufder Straße auf und davon. Und: Jeder kann dazu beitragen, dass der Strom im Netz jeden Tag ein wenig sauberer wird. Bei Benzin und Diesel geht das nicht – das Gegenteil ist eher der Fall (Offshore- und Tiefseebohrungen, Ölsandnutzung und all die Risiken beim Fracking…). Übrigens: Auch in Sachen Feinstaub, NOx und anderen Luftschadstoffen sieht die Bilanz für das E-Auto besser aus. Und die höheren Produktionsemissionen kann das E-Auto sogar amortisieren, der Verbrenner schafft das nie.

Jetzt ist das doch länger geworden, als geplant, vielleicht aber doch ganz interessant für alle, die das immer noch anzweifeln.

So, schreiben wollte ich ja eigentlich über den Strom, den ich diesen Monat an den öffentlichen Stromtankstellen lade. Kurz: Natürlich Mix-Strom, wie überall auch. Ich persönlich kenne leider nur eine einzige Ladestation, an der man garantiert Ökostrom laden kann. Diese liegt an einem kleinen Windpark in der Nähe von Wismar: Da hängt eine Ladebox direkt am Trafo der WKA.

Was sagen nun die Betreiber der Ladestationen?

1. Vattenfall schreibt unter http://www.vattenfall.de/de/emobility/ladekarte-bestellen.htm, dass die öffentlichen Ladestationen mit 100% Ökostrom beliefert werden. Alle „Grünstrom-Tarife“, dazu zählt auch die Ladekarte, bestehen zu knapp 40% aus EEG-Strom, der Rest aus anderen „grünen“ Quellen. Ob die Ladestationen zeitgleich oder mengengleich versogt werden, kann ich nicht finden. Da es meines Wissens noch kein E-Auto-Lastprofil gibt, wird die Belieferung wohl mengengleich auf Jahresbasis erfolgen.

2. RWE: Unter dem Suchbegriff „Ökostrom“ finde ich: „Die RWE eLine Smart-Produkte sind durch eine separate Messung für den Einsatz von 100% Ökostrom ausgelegt, z. B. wie bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur von RWE.“ Was bitte heißt „separate Messung“? Weiterhin finde ich bei RWE den Eintrag, dass der Autostrom zu 100% aus erneuerbaren Quellen stammt und auch ein dazu passendes Zertifiat des TÜV Süd. Jedoch aus dem Jahr 2012… Weiter unten auf der Seite https://www.rwe-mobility.com/web/cms/de/1232368/produkte-services/rwe-epower/rwe-epower-basic/ finde ich eine Grafik zur Zusammensetzung des Autostromtarifes aus 2013. Ökostrom ist ein wichtiges Thema für Elektromobilisten. Ich finde, die Informationen dazu veraltet und dürftig. Hier kann RWE nacharbeiten.

3. Ok, vielleicht bin ich ja zu doof, aber ich finde bei http://www.be-emobil.de keine Aussage zur Stromqualität an diesen Säulen. Kann doch nicht sein, dass man dazu auf den ganzen Partner-Seiten nachschauen muss? Geht gar nicht! Daher gehe ich davon aus, dass das normaler Vattenfall-Mix-Strom ist, von allem etwas dabei. Das hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl. Ich möchte mir dem E-Auto auch zur Energiewende beitragen und Ökostrom fördern. Ob ich das an diesen Ladesäulen tue?

Fazit: Der Strombezug bei Vattenfall und RWE scheint zumindest CO2-neutral zu sein. Über die be-emobil-Säulen konnte ich nichts in Erfahrung bringen, was aber auch an mir liegen kann. Wer Infos findet, bitte diese an mich.

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