Bericht Tester3, 30 Tage im April

Ich möchte mich nicht wiederholen. Viele Inhalte haben die weiteren Teilnehmer und auch ich bereits in meinen Wochenberichten gepostet.

Schreiben will ich nicht, wie viele Kilometer ich genau gefahren bin und wieviel elektrische Energie ich dafür benötigt habe. Die Angaben lägen im Rahmen derjenigen, die einen gleichen Fahrzeugtyp bewegt haben. Da ich überwiegend einen C-Zero gefahren bin, ist das Vergleichbar mit dem Verbrauch z.B eines iON. Darüber hat Julian ausführlich berichtet.

Nur zwei Zahlen: Monatlich habe ich in den vergangenen Jahren 4,5 durchschnittlich 1200km elektrisch zurückgelegt, so auch etwa im Monat April/16.

Wie jedoch verhält es sich denn nun mit dem öffentlichen Laden, dem zentralen Thema unseres Vorhabens?

Da ich in einer Mietwohnung ohne Carport oder Tiefgarage wohne, auch keinen festen Stellplatz besitze,bin ich seit ca. 4,5 Jahren auf öffentliches Laden angewiesen.

Die Entscheidung für ein privates Elektroauto viel nur, weil in etwa einem km Entfernung eine öffentliche Ladesäule zumeist ungenutzt stand, namentlich am S-Bahnhof Kaulsdorf.

So fuhr ich also anfänglich zumeist täglich an diese eine Ladesäule, um unseren C-Zero wieder aufzuladen.

Letztlich empfand ich jedoch den 2 maligen täglichen Fußweg von genau 2,4 km insgesamt als zu lang und bemühte mich um eine näher gelegene Möglichkeit des Ladens. Ich schrieb Vattenfall und RWE an und telefonierte fleißig, um das zu erreichen. Ich erreichte es, das in nur etwa 200m Entfernung zu meiner Mietwohnung RWE an einem Einkaufszentrum eine weitere Ladesäule aufbaute. Sie ist bis heute meine „Hauptladestelle“. Heute bin ich überzeugt, das eine gut nutzbare Ladestation in Wohnnähe, in der eigenen Garage, Carport oder Haus mit fairen Tarifen eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, um regelmäßig elektrisch zu fahren. Dort und am Arbeitsplatz steht zumindest mein Auto am meisten ungenutzt rum. Genau an diesen Orten kann es also bequem geladen werden.

Mein Arbeitsplatz befindet sich in der Potsdamer Straße nicht weit entfernt vom Potsdamer Platz. Meine Freude war groß, als ich vom Aufbau vieler dort heute vorhandener Ladesäulen erfuhr. Eine Ernüchterung war es allerdings auch festzustellen, das sie zu häufig von Verbrennern zugeparkt und von Carsharern falsch benutzt werden. Bis heute ist das so, so dasverlässliches Laden unmöglich ist. Heute versuche ich nicht einmal mehr dort einen Ladeplatz zu ergattern. Ausnahme ist, die dort vorhandenen Schnelladesäule. Ganz selten benutze ich diese, wenn es unumgänglich scheint, auch wegen des unakzeptablen zeitbasieren Tarifmodels, das seit einiger Zeit gilt. Im vergangenen Jahr 2015 war ich deshalb nur einmal dort und in diesem Jahr noch gar nicht.

Peinlich auch, das die für die elektrischen Smartsvorgesehenen Car2Go Säulen seit Monaten ungenutzt sind, genauso wie die von Car2Go Black. Die Smartssind Ersatzlos abgezogen worden und an den Car2Go Black Ladesäulen habe ich bisher nur schwarze B-Klasse Verbrenner stehen sehen. Eine der Säulen von Car2Co lag wochenlang offensichtlich umgefahren am Boden, notdürftig mit einem Rot/Weiß-Band markiert.

Peinlich, Peinlich für ein „Schaufenster für Elektromobilität“

Wenn man schon keine E-Autos von Car2Go mit oder ohne „Black“ betreiben möchte, könnten Sie doch wenigstens der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden?

Inzwischen wächst nach langer Stagnation in Berlin die Ladeinfrastruktur weiter, eigentlich sehr positiv, könnte man meinen. Da machen sich Ladesäulen breit, die von Allegro unter dem Logo „Be-emobil“ betrieben werden. Alle samt arbeiten sie nach einem ungerechten Zeittarif. Ich nutze sie nicht. Sie sind für meinen C-Zero und für meine BMW C-Evolution zu teuer. Allein unser ZOE könnte dort einigermaßen akzeptabel geladen werden. Der ZOE kann mit 22KW AC geladen werden. Die Allegro Säulen geben nur bis 11KW ab. Da nehme ich denn doch lieber RWE-Säulen, die können 22KW in einem verbrauchabhängigen Tarif.

Setzt sich dieser Zeittarif durch, sind alle drei Elektrofahrzeuge in meiner Familie sehr bald Geschichte.

Neben einem überteuerten Anschaffungspreis nun auch noch Preise für den Treibstoff zu zahlen, die teilweise deutlich höher als Preise für fossile Bennstoffe sind, wird der Elektromobilität einen „Bärendienst“ erweisen. Daran ändert im übrigen dann auch die E-Autoförderung nicht viel und 15.000 neue Ladesäulen möglicherweise mit einem zeitbasieren Tarifmodell ebenfalls nicht.

Kann man denn nun zuverlässig öffentlich laden?

Im Stadtzentrum ganz klar NEIN.

Am Stadtrand fehlt die Ladeinfrastruktur weitgehend. Wer das Glück hat wie ich, und dort eine Ladesäule am Wohnort vorfindet, der kann wohl eher Laden. Jedoch war an dieser konkreten Stelle einige Monate „Überzeugungsarbeit“ nötig, bis der letzte dort wohnende Verbrennerfahrer begriff, daß der Ort eine Tankstelle ist und kein Parkplatz.

Städteübergreifend empfinde ich die Ladeinfrastruktur noch immer als sehr stark Verbesserungswürdig.

Will man die Leute aus Sicht der Ladeinfrastruktur in die Elektroautos bringen geht das nur mit einer gut gemischten ausreichenden Menge Ladeinfrastruktur aus „normalen“ AC-Ladesäulen und „Schnellladern“. Diese Ladeinfrastruktur fehlt noch weitgehend. Von Redundanz der Ladeinfrastrukrur vor allem „Überland“ kann gar noch keine Rede sein.

Es braucht außerdem sinnvolle Tarifmodelle. Ungerechte zeitbasierende Tarife sind es jedenfalls nicht. Es muss dringend Verbrauchsbasierend abgerechnet werden.

Der Zugang zu den Lademöglichkeiten, ihre Bedienung ist von Anbieter zu Anbieter höchst unterschiedlich und oft nicht diskriminierungsfrei. Das sind ganz klar Hürden, die es zu überwinden gilt.

PS: ich war am Wochenende vom 5.05 bis 8.5. zu Gast auf Rügen. Gefahren bin ich mit einem ZOE. Das ging nur über Landstraßen, weil Autobahn ohne Ladeinfrastruktur.

Die Fahrzeit inklusive Ladepausen betrug hin 16h und zurück ca. 6 Stunden.

Der einzige öffentliche Schnelllader befindet sich in Greifswald. Weitere Lader auf der Strecke waren Hohenneuendorf (7kw AC, keine Redundanz), Neustrelitz Stadtwerke (22KW , Redundanz in der Stadt), Stadtwerke Stralsund (22KW AC defekt, keine Redundanz). Wir haben die Fahrt nach Rügen in Stralsund abgebrochen, wegen 10,5 Stunden Ladezeit an einer Schukodose an einer privaten Garage. Auf Rügen selbst ist keine öffentliche frei zugängliche Schnellladeinfrastruktur vorhanden.

Von Jörg’s 6s gesendet

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1 Kommentar

  1. Kann man mit einem Elektroauto (außer von Tesla) über die Autobahnen A11 und A20 am Ende des Sommers 2016 nach Rügen fahren?

    Es hat sich etwas getan. 2 Schnellladestationen findet man in Stralsund (Stadtwerke) in der Nähe des Rügendamms und an der Autobahnraststätte Demminer Land von Tank und Rast an der A20 vor. Sollte man nach Usedom wollen, gibt es noch 2 Schnellladestationen in Greifswald (Stadtwerke). Auf der Insel Usedom entwickelt sich bezüglich der Elektromobilität einiges.

    Das Problem sind die ca. 200 km von Berlin auf der A11 und A20 bis zur Autobahnraststätte Demminer Land. Leider findet sich bisher kein Anbieter, der am Autobahnkreuz Uckermark bzw. in unmittelbarer Nähe an der B166 eine Schnellladestation errichtet. Ersatzweise mit einigen Nachteilen würden sich auch die Autobahnrastplätze Klockow (-Ost/-West) auf der A20 anbieten, die ca. 18 km vom Autobahnkreuz entfernt liegen.

    Diese Ladestation am Autobahnkreuz wäre für die meisten Elektrofahrzeuge auch von südlichen Berliner Stadtrand erreichbar. Die ca. 124 km vom Autobahnkreuz bis zur Autobahnraststätte Demminer Land sollten für die große Mehrheit aller Elektrofahrer auf der Autobahn bei akzeptabler Geschwindigkeit machbar sein. Außerdem wäre von hier auch Hin- und Rückfahrt nach Stettin (Szczecin) ohne weiteres Laden problemlos möglich.

    Tank und Rast hat in unmittelbarer Nähe leider keine Raststätte. Ein Schnellladestation in Prenzlau bei einem Autohändler wäre m. E. auf Grund des Umweges durch das Stadtzentrum von Prenzlau keine Ideallösung.

    Wer hat noch eine Idee, oder sind die Annahmen falsch?

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