Förderung in Kraft und immer noch Zaudern und Zagen

Seit wenigen Tagen kann für die Anschaffung eines reinen Elektroautos eine Förderung in Höhe von bis zu 4000,- und für PlugIn-Hybride eine Förderung von bis zu 3000,- in Anspruch genommen werden (hingucken und nachfragen lohnt, denn der eine oder andere Händler/Hersteller legt sogar noch was drauf!), und wieder liest man von Zweifeln, ob das E-Auto denn nun wirklich so umweltfreundlich sei, wie dargestellt.

Argument Nummer 1: Woher soll der ganze Strom kommen?
Eine Million E-Autos erhöhen den Stromverbrauch in Deutschland um rund 0,3%; bei 6 Millionen wäre es eine Steigerung des Stromverbrauchs von knapp 2%. Das ist weniger, als konjunkturelle Schwankungen ausmachen. Neue Kraftwerke, womöglich noch mit Kohle betrieben, braucht es also nicht. Millionen an Kilowattstunden verschenken wir nämlich derzeit jährlich (und zahlen noch dafür), weil Wind- und Solarkraftwerke abgeregelt werden müssen. Wir haben also ausreichend Kapazitäten, wir müssen sie nur nutzen.

Argument Nummer 2: Elektroautos sind nur mit „Ökostrom“ sauber
Falsch, auch mit dem „Bundesmix-Strom“ (0,58 kg CO2 pro kWh) erzeugen E-Autos (Durchschnittsverbrauch ab Steckdose 15 kWh / 100 km) weniger CO2, als Benziner oder Diesel. Rechnen wir nach:

E-Auto: 15 kWh * 580 g = 87 g/km
Benziner (sparsam): 4,5 Liter * 2330 g = 103,5 g/km
Diesel (sparsam): 3,5 * 2660 g = 93 g/km

Auch extrem sparsame Benziner und/oder Diesel-Fahrzeuge erreichen die Werte des E-Autos nicht.

Argument Nummer 3: E-Autos nehmen den Haushalten den Ökostrom weg
Das E-Auto ist ein Stromverbraucher, wie jedes andere Haushaltsgerät auch. Sein Stromverbrauch geht in den allgemeinen Stromverbrauch in Deutschland ein. Wer einen zertifizierten Ökostromvertrag abschließt, fördert in den meisten Fällen auch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das Argument ist also nicht nur falsch, sondern man muss genau andersherum argumentieren: E-Autos in Zusammenhang mit zertifizierten Ökostromverträgen fördern die Energiewende.

Weiterhin gilt es zu beachten, dass das E-Auto zwar im Haushalt des Stromverbrauch erhöht, an anderen Stellen aber Strom- und Energieverbräuche reduziert (z.B. in den Raffenerien, wo mit großem Energieaufwand aus dem Rohöl erstmal Benzin oder Diesel gewonnen werden muss, bei den Pumpen der Pipelines, weniger Tanklastwagen usw.).

Das E-Auto substituiert ja den Verbrauch an fossilen Rohstoffen und mindert damit deren Förderung, Transport, Lagerung, Verarbeitung und Verkauf. Dies muss vom erhöhten Stromverbrauch natürlich abgezogen werden. Für die Rechnung aus Nr. 2 gilt also, dass man beim E-Auto rund 10-15% abziehen kann, durch die Vorkette den Verbrennern aber 10-15% zurechnen muss. Dann sähe das (bei 10%) so aus:

E-Auto: 78 g/km
Benziner: 114 g/km
Diesel: 102 g/km

Und: Strom wird sauberer, jedes neue Windrad und jedes neu installierte Solarmodul verdrängt Strom aus fossilen Energieträgern. Der Anteil erneuerbarer Energien soll im Sektor Strom immer weiter steigen, trotz Abschaltung der Kernkraftwerke, und jeder kann seinen Beitrag dazu leisten (Ökostromvertrag, Beteiligung an einer Anlage, eigene Anlage). Schon ein einziges Solarmodul kann Stro für umgerechnet 800-1000 km mit einem E-Auto erzeugen. Dagegen wird die Förderung der fossilen Energieträger immer schmutziger (Öl- und Teersande) und risikoreicher (Tiefsee, Fracking).

Argument Nummer 4: Elektroautos sind nicht alltagstauglich
Ach Gott, wie oft noch? Ok, also nochmal. Ja, beim Heizen verbraucht das E-Auto (zumindest die aktuellen Modelle und von denen auch nicht jedes im gleichen Maße) mehr Strom und dadurch sinkt die theoretische Gesamtreichweite (die man sowieso nicht jeden Tag braucht). Woran liegt das? Nun, beim Verbrenner läuft z.B. die Heizung immer auf voller Pulle mit, im Sommer leiten wir die Abwärme des Motors nur nicht in den Innenraum, sondern belasten die Umwelt damit. Im Winter führen wir dann einen kleinen Teil dieser Abwärme in den Innenraum. Klar, das dadurch der Kraftstoffverbrauch nicht ansteigt – er ist ja schon die ganze Zeit so hoch (Wirkungsggrad Verbrenner max. 30-40%, aber nur unter bestimmten Bedingungen!). Beim E-Auto fährt man meist ohne Heizung und dadurch auch ohne zusätzlichen Strombedarf. Mit Heizung kommt nun ein Verbraucher dazu, der Energiebedarf steigt. So einfach ist das. Der Verbrenner ist also ein Verschwender ohne Gleichen, das sparsame E-Auto wird aber zur „lame duck“ degradiert, nur weil es extrem effizient mit Energie umgeht. Schon komisch. Bei der Hausheizung kämpfen wir um jeden %-Punkt Wirkungsggrad, beim Verbrenner-Fahrzeug scheint das keine Rolle zu spielen. Da könnte man ja auch gleich der Glühlampe beste Effizienz zuschreiben… Klar ist, das Thema „Heizen“ muss (und wird) beim E-Auto noch besser werden (u.a. bessere Dämmung, Wärmerückgewinnung aus der Lüftung und heizen mit Wärmepumpe – hat übrigens heute fast jeder Wäschetrockner!). Es als „nicht alltagstauglich“ zu bezeichnen ist fataler Unsinn und gleicht dem Tritt auf die Technologiebremse.

Das Auto mit Verbrennungsmotor hatte rund 100 Jahre keinen Katalysator und auch heute noch fahren Millionen an Fahrzeugen auf den Straßen, die unsere Luft massiv verschmutzen. Niemanden hat das gehindert, am Verbrennungsmotor festzuhalten. Heute steht uns eine Technologie zur Verfügung, die alle Optionen innehat, für mehr Lebensqualität zu sorgen, doch immer noch wird draufgehauen. Wan hört das endlich auf?

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