Kann man mit dem E-Auto an die Ostsee oder an den Balaton in den Urlaub fahren?

Der Bericht von Tester 3 am 30. April 2016 und ein Gedankenaustausch mit unserem Administrator hat mich zu der Frage gebracht, kann man am Ende des Sommers 2016 mit einem Elektroauto (außer von Tesla) von Berlin bzw. aus dem Land Brandenburg über die Autobahnen A11 und A20 nach Rügen fahren? Wie kann man bei diesem Thema weiter kommen? Beginnen möchte ich mit einer ungeschönten Bestandsaufnahme.

Es hat sich etwas getan. Zwei Schnellladesäulen findet man in Stralsund (Stadtwerke) in der Nähe des Rügendamms und an der Autobahnraststätte Demminer Land (Tank und Rast) an der A20. Sollte man nach Usedom wollen, gibt es noch zwei Schnellladesäulen in Greifswald (Stadtwerke). Auf der Insel Usedom entwickelt sich bezüglich der Elektromobilität einiges.

Leider sieht dies in Berlin speziell im Nordosten nicht so gut aus. Vom Berliner Stadtzentrum aus befinden sich die letzten Schnellladesäulen Richtung Prenzlau (A11) am S-Bahn-Ring. Auch auf dem Berliner Autobahnring (A10) findet sich keine Ladesäule. Deshalb habe ich am 06.09.2016 bei #fragHatakka dem Vattenfall-Chef auf Twitter die Frage nach einer zusätzlichen Schnellladesäule im Stadtgebiet in der Nähe des Autobahndreieckes Barnim (A10/A11) gestellt. Wie üblich wird man dann von einem Mitarbeiter des EMobility-Team kontaktiert, der mich leider einen Tag später nur wieder auf be-emobil.de verwies.

Das Problem sind die ca. 200 km von Berlin auf der A11 und A20 bis zur Autobahnraststätte Demminer Land. Leider findet sich bisher kein Anbieter, der am Autobahnkreuz Uckermark bzw. in unmittelbarer Nähe an der B166 eine Schnellladestation errichtet. Ersatzweise mit einigen Nachteilen würden sich auch die Autobahnrastplätze Klockow (-Ost/-West) auf der A20 anbieten, die ca. 18 km vom Autobahnkreuz entfernt liegen.

Diese Ladestation am Autobahnkreuz wäre für die meisten Elektrofahrzeuge auch vom südlichen Berliner Stadtrand erreichbar. Die folgenden ca. 124 km vom Autobahnkreuz bis zur Autobahnraststätte Demminer Land sollten für die große Mehrheit aller Elektrofahrer auf der Autobahn bei akzeptabler Geschwindigkeit machbar sein. Außerdem wäre auch von einer Ladestation am Autobahnkreuz Uckermark Hin- und Rückfahrt nach Stettin (Szczecin) ohne weiteres Laden problemlos möglich.

Tank und Rast hat in unmittelbarer Nähe leider keine Raststätte. Eine Schnellladestation in Prenzlau bei einem Autohändler wäre m. E. auf Grund des Umweges durch das Stadtzentrum von Prenzlau und die tägliche Staugefahr in Prenzlau keine brauchbare Lösung.

Rückfragen bei namhaften Anbietern waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Kennt jemand die genauen Standorte, wo im Rahmen EU-Programmes 2014-EU-TM-0196-S Ladesäulen errichtet werden sollen? Das Autobahnkreuz Uckermark liegt ja an mehreren Transitstrecken.

Auch die Strecke von Berlin nach Rostock (über die A24 und A19) zu den Ostseebädern und zu den Fähren nach Schweden und Dänemark ist nicht besser. Hier gibt es noch eine Schnellladestation in der Nähe von Berlin in Neuruppin. Dafür fehlt bei dieser Strecke die zweite Station auf dem Wege zur Ostsee, da jeder für sich allein wurstelt.

Vor einigen Monaten hatte sich noch ein größerer Anbieter in Deutschland zu der Aussage hinreißen lassen, man plant innerhalb der nächsten 12 Monate einen Schnelllader an der Abfahrt Linstow an der A19 zu bauen. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass sich leider der Eigentümer des Geländes nicht für diese Idee erwärmen konnte. In den Benelux-Staaten hat der gleiche Eigentümer mit Ladestationen kein Problem. Soweit zu der Frage, ist Deutschland aus der Sicht der anderen Europäer Leit- oder Leidmarkt bei der Elektromobilität.

Vielleicht findet sich ja ein Autohaus in der Nähe, das ein oder mehrere Schnellladesäulen auf seinem Gelände errichten lässt. Sicherlich ist dies nicht die ideale Lösung, aber vielleicht die Einzige. Der Zugang zu der/n Ladesäule(n) würde sich voraussichtlich auf die Öffnungszeiten des Autohauses beschränken. Am Abend noch in letzter Minute von Berlin zur Nachtfähre fahren, ist damit ausgeschlossen, da vermutlich wochentags 18:00 Uhr der Ladevorgang beendet sein muss. Die Fähren am Morgen und am Sonntag wären ohne Übernachtung unerreichbar.

Eine Schnellladestation am Autobahnkreuz Rostock würde auf der A20 die Lücke nach Stralsund bzw. zur Autobahnraststätte Demminer Land schließen und die Anreise in die Ostseebäder östlich und westlich von Rostock verbessern. Für diese Idee konnte sich auch noch kein Anbieter erwärmen.

Nach Süden über die A13 ist die Situation auch nicht besser. Natürlich kann ich von Dresden über Prag, Brno, Bratislava und Györ nach Siofók am Balaton oder Budapest fahren (Hinweis: Aus Gründen der Verkehrssicherheit ist eine Übernachtung empfehlenswert). Für Berliner stellt sich nur die Frage, wie komme ich über die A13 von Berlin nach Dresden ohne zu laden? Vermutlich wird sich die Situation auf dieser Strecke erst mit der Ausstattung aller Autobahnraststätten von Tank und Rast mit Schnellladestationen entscheidend verändern. Von zusätzlichen Ladesäulen an den Aral Autobahnraststätten Berstetal und Rüblingsheide (Gegenrichtung) am Autobahndreieck Spreewald kann man nur Träumen.

Hier könnte der Text enden. Der Beitrag des ADAC „Taugen E-Autos für die Urlaubsreise?“ brachte mich zu der Frage, was sind die Anforderungen an das Ladenetz, damit man mit E-Autos Urlaubsreisen machen kann? Muss ein E-Auto in allen Aspekten besser sein wie ein Dieselauto, damit es urlaubstauglich ist?

Selbstverständlich gehe ich von ausschließlich elektrisch betriebenen Autos (BEV), die derzeitig verfügbar sind bzw. in den letzten Jahren verkauft wurden, aus und bei diesem speziellen Thema auch ohne Brennstoffzelle sind. Das Tankstellennetz für Wasserstoff wäre ein eigenes Thema, wo ich keine Erfahrung habe.

Schon seit mehreren Jahren bewältigen E-Auto Pioniere große Strecken, in dem sie auch an Steckdosen, die nicht zum Laden von E-Autos vorgesehen sind, laden. Deren Leistung verdient auch weiterhin größte Hochachtung. Für die Mehrzahl der Elektrofahrer kann dies (in Zukunft) nicht der Maßstab sein. Wenn jeder Kunde an der privaten Steckdose (CEE) des Bäckers laden will, dann wird man auch nicht mehr so freigiebig sein, so dass nur öffentliche Ladesäulen in Betracht gezogen werden sollten. Außerdem wird sich nicht jeder für einen Abenteuerurlaub erwärmen können.

Mit jedem E-Auto kann man eine längere Strecke zurück legen, wenn nur genügend Stopps für Übernachtungen und Laden vorgesehen werden, dies kann nicht das Kriterium sein. Es geht um eine größere Strecke, die an einem Tage durch einen durchschnittlichen Fahrer (mit Familie) bewältigt werden kann. Die Ladepausen sollten keine Stunde dauern.

Zur Reichweitenverlängerung benötigt man bei einer Tagestour Schnellladesäulen. Normalladesäulen (vgl. Definition beim BDEW: https://www.bdew.de/internet.nsf/id/20160902-pi-aufbau-der-stromtankstellen-kommt-voran-de ) insbesondere mit einer Ladegeschwindigkeit von weniger als 20 kW helfen da nicht weiter. Diese gehören in Wohngebiete und auf Parkplätze von Hotels. Über die Zukunftsfähigkeit von 20 kW/22 kW Normalladesäulen an Autobahnen und Transitstrecken kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Gleichfalls haben Ladesäulen, die bestimmte Systeme (CCS, CHAdeMO und AC Typ 2) ausschließen, nichts auf Autobahnen und an Transitstrecken zu suchen (auch der Tesla S und X kann mit einem Adapter von Tesla an einem Chademo-Anschluss laden). Hier kann ich mich nur selbst zitieren, „leider sind wir Elektrofahrer uns nicht immer einig. Die Elektromobilität wird sich nur in Vielfalt und nicht in Einfalt entwickeln.“

Niemand möchte auf der Autobahn ständig durch Lastkraftwagen überholt werden. Die Höchstgeschwindigkeit in anderen Ländern wie Schweden mit 110 km/h könnte eine wichtige Orientierung sein. Mit dieser Geschwindigkeit sind Demonstrationsfahrten, wie die vom Autohaus Wegener von einer Berliner Niederlassung nach Greifswald ohne Ladestopp mit den auf dem Markt befindlichen E-Autos (außer Tesla) nicht mehr machbar.

Entspricht ein Abstand von max. 120 km zwischen zwei Ladestopps auf der Autobahn den Erfahrungen der meisten Elektrofahrer? Dies kann nur eine Mindestforderung für Urlaubsfahrten sein. Zukünftig muss das Netz der Ladestationen dichter werden!

Die Frage nach den 120 km Abstand hat entscheidende Konsequenzen. Ist dieser Abstand schon zu groß, wäre die Alternative bei der Strecke von Berlin nach Rügen, auf Tank und Rast zu bauen, die hoffentlich bald Ladesäulen an den BAR Buckowsee (-Ost/-West) an der BAB A11 errichten. Zwischen den Autobahnraststätten Buckowsee und der Autobahnraststätte Demminer Land (A20) von Tank und Rast würde dann immer noch eine Schnellladestation in jeder Richtung fehlen.

Sind die oben genannten Annahmen akzeptabel?

Bei einem Vergleich der Schnellladestationen in den Niederlanden und in Deutschland fällt auf, wie wenig die Elektromobilität in Deutschland wertgeschätzt wird. Die deutschen Ladestationen gleichen den Tankstellen aus alten Filmen – eine Säule, kaum beleuchtet, sofern ein Halteverbotsschild angebracht wurde, wird das Halteverbot nicht durchgesetzt, kein Dach und je nach Lust und Laune geöffnet. Sollte es mehrere Sorten geben, sind die nicht immer alle im Angebot. Neuerdings ist es ja Mode, CHAdeMO-Ladekabel (aber auch andere Ladekabel) von Ladesäulen zu entfernen.

Es ist schon beschämend, wenn Transitreisende von Belgien nach Dänemark nicht den kürzesten Weg über das deutsche Autobahnnetz nehmen, sondern auf einem Umweg die Niederlande durchqueren, um dann über Niedersachsen und Schleswig-Holstein Dänemark zu erreichen.

Der BDEW veröffentlicht halbjährlich eine grafische Übersicht zu dem Ausbau der Ladepunkte in Deutschland ( https://www.bdew.de/internet.nsf/id/BEDA725360A19745C1258022002E7E8E/$file/160902_Ausbaustand%20Ladeinfrastruktur.pdf ). Das Berliner Problem wird auf Seite 2, rechte Grafik, besonders deutlich, insbesondere wenn man beachtet, dass an den touristischen Zielen, wie Ostseeküste und Mittelgebirge immer eine größere Ausstattung an Ladestationen erforderlich ist. Im Osten Deutschlands ist nur in Berlin die Elektromobilität angekommen (über Berliner Probleme sollte m. E. an anderer Stelle diskutiert werden).

Das Thema würde sich nicht in dieser Weise stellen, wenn die Bahn zur Unterstützung der Elektromobilität bedarfsgerecht und bezahlbar Autoreisezüge bzw. Mitnahmemöglichkeiten für E-Autos anbieten würde. Warum kann man Autos (auch mit Verbrennungsmotor) im Zug unter dem Ärmelkanal transportieren aber in Deutschland werden die Autoreisezüge eingestellt? Die Bahn treibt weiterhin die Leute auf die Straße zu den Autos mit Verbrennungsmotor. Innovative Ideen gibt es nicht. Einzige Ausnahme scheint die ÖBB mit Ihrem Angebot von Düsseldorf und Hamburg nach Wien zu sein, was den Berliner und Brandenburger Elektrofahrern nicht hilft.

M. E. ist bei einer qualifizierten Routenplanung ein Urlaub mit dem E-Auto möglich, wobei man insbesondere im Ausland gut beraten ist, entsprechende Adapter auszuleihen bzw. zu besorgen.

Von Berlin aus sind die Reiseziele über die A2 und A9 nur eingeschränkt erreichbar.

Ein mobiler Batteriespeicher kann ja am Ende nicht die einzige Lösung sein (vgl. http://bvb-innovate.com/mobilebattery/#iLightbox[9ce98609689bb5c52f1]/0 ).

Das BMUB feierte gestern das #FestivalderZukunft auf dem EUREF-Campus in Berlin. Was mich doch etwas betroffen gemacht hat, eine Vertretung der Fahrradfahrer der ADFC ist eingeladen, aber eine Vertretung der Elektrofahrer sucht man vergebens, da nicht eingeladen. In Baden-Württemberg wäre dies anders. Dort ist auf vielen Veranstaltungen der Electrify BW e.V. präsent.

Von einer bundesweiten Vereinigung sind m. E. die Elektrofahrer noch weit entfernt. Die Automobil Clubs haben sich ja mehr oder weniger alle von der Elektromobilität und der Vertretung der Interessen der Elektrofahrer verabschiedet.

Wer hat Ideen, wie das Thema zukünftig angegangen werden soll?

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7 Kommentare

  1. Heute erreichte mich eine E-Mail von Tank und Rast, aus der ich nachfolgendes Zitat entnommen habe:

    „Tank & Rast beabsichtigt generell, bis Ende 2017 ein flächendeckendes Netz entlang der Autobahnen mit moderner Schnellladeinfrastruktur auszustatten. Hierzu gehören auch unsere Rastanlagen Recknitz-Niederung Ost und West (A19).

    Einen generellen Überblick zu unseren Rastanlagen mit E-Ladesäule erhalten Sie auf unserer Homepage unter http://www.tank.rast.de/emobility. Dort finden Sie eine aktuelle Liste sowie eine Karte, auf der bestehende und geplante Ladesäulen auf Autobahnraststätten von Tank & Rast verzeichnet sind. Wenn eine neue Ladesäule geplant ist oder in Betrieb genommen wird, werden die Liste und die Karte von uns aktualisiert. Zudem beantworten wir die wichtigsten Fragen in einem FAQ.“

    Sicherlich sind damit nicht alle Wünsche erfüllt, aber es wäre ein wichtiger Schritt.

  2. Die Lösung liegt in Ladesäulen für Typ 2. Die Säulen von “The New Motion) kosten pro Ladepunkt (nur Säule) 1000 Euro incl. Abrechnungsservice.
    Vom westlichen Ruhrgebiet kam ich mit der dreiköpfigen Familie so entspannt an die holländische Nordsee.
    Die Zoe von Renault ist ohne Aufpreis schnellladefähig und saugt sich in einer Stunde voll. Belgische Fritten essen, ein paar Pokemon fangen und die Ladezeit ist rum…

    • Vielen Dank für die Antwort.

      Ziel der Diskussion ist es, Lösungen für alle Elektrofahrer in Berlin und Brandenburg zu diskutieren, die ihre derzeitigen E-Autos als Erstwagen benutzen. Weder der reiche Drittwagenbesitzer noch derjenige, der sich aller 2 Jahre ein neues Auto leisten kann, stand im Focus. Die haben keine Probleme.

      Mir ist schon bewusst, dass NRW wesentlich besser als Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen-Anhalt mit Ladesäulen ausgestattet ist. Es geht auch nicht um eine gleichwertige Ausstattung mit Ladestationen. Die wird noch längere Zeit auf sich warten lassen. Es geht um eine Mindestausstattung, die möglichst viele der Elektrofahrer aus der Region Berlin-Brandenburg als ihre ansehen und die ihnen helfen würde, mit ihrem E-Auto einen Urlaub zum Beispiel an der Ostsee zu verleben. Nur mit einem gemeinsamen Standpunkt ist eine sinnvolle Diskussion mit Dritten möglich, die sich in der Region für Ladestationen an den Autobahnen engagieren bzw. zukünftig engagieren möchten.

      Mit dem EU-Projekt Fast-E (vgl. http://www.fast-e.eu) wird dank anderer EU-Staaten unter anderem die Verbindung von NRW zur Ostsee und nach Dänemark weiter verbessert (Ausgangspunkt der Verbindung ist Belgien). In Berlin und Brandenburg können wir leider davon nur träumen.

      Um hier keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen, auch die A24 von Berlin nach Hamburg hat noch große Lücken, die für viele Elektrofahrer ein unüberwindbares Hindernis darstellen.

      Zur Werbung für einen Hersteller oder zu Preisangaben möchte ich mich hier nicht äußern. Die IGEMBB versteht sich m. E. nicht als Werbeplattform. Dies können wir weiter unter Twitter diskutieren.

  3. Vielen Dank für die Diskussionsbeiträge.

    Zur A11/A20:
    Auf der Strecke von Berlin zur Autobahnraststätte Demminer Land ist sicherlich am Wahrscheinlichsten, dass Tank und Rast auch seine Raststätten Buckowsee-Ost und -West mit Schnellladestationen ausstattet. Dies wäre auf jeden Fall ein großer Fortschritt!

    Bei einer angenommenen Reichweite von ca. 80 km pro Ladung würde sich ausschließlich die Rastplätze Klockow-Ost und -West zum Schließen der verbleibenden Lücke eignen, da es m. E. auf der A20 immer noch sehr wenige Rastplätze gibt. Anbieter bleibt zur Zeit offen?

    Zur A24/A19:
    In Neuruppin gibt es in der Erich-Dieckhoff-Straße eine Schnellladestation.

    Bei ca. 80 km wäre die Abfahrt Linstow schon zu weit. Die Ladesäule müsste in der Nähe der Abfahrten Waren (Müritz) oder Malchow liegen.

    Eine zweite Schnellladestation wäre in der Nähe des Autobahnkreuzes Rostock erforderlich, um außer Rostock auch die Ostseebäder in der Nähe zu erreichen. Nebenbei – auch in Ost-West-Richtung wäre an dieser Stelle eine Ladestation erforderlich. Wer ab Rostock mit der Fähre nach Dänemark bzw. Schweden fährt, würde vielleicht auch gern mit vollem Accu auf die Fähre fahren.

    Soweit zum Wunschzettel Ladestationen für eine Fahrt an die Ostsee.

  4. Liebe Gemeinde,

    vor einigen Jahren durchstöberte ich für ein Forschungsprojekt viele der frühen Jahrgänge der damals führenden deutschsprachigen Automobilzeitschrift „Der Motorwagen“ (erschienen ab 1898 in Berlin, 1929 fusioniert mit der noch heute erscheinenden „Automobiltechnischen Zeitung“, kurz ATZ).

    Beliebt waren in den Jahren vor 1914 insbesondere auch Reiseberichte, die vielfach zu wesentlichen Teilen aus Abenteuern bei der Beschaffung von Kraft-, Schmier- und Betriebsstoffen bestanden. Wie sich das doch mit der heutigen Steckdosensuche gleicht …. (und ich spreche wahrlich aus Erfahrung, mit meinem Saxo lade ich mit 3kW, es heule mir also bitte keiner was vom Warten vor …)

    Literarische Verwertung fand dieser Umstand auch im Briefroman „Eine empfindsame Reise im Automobil“ von Otto Julius Bierbaum, ein Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Poet des späten Kaiserreichs. (zum Buch siehe hier: http://drive-blog.de/2015/06/22/eine-empfinsame-reise-im-automobil-bierbaum/15370/ zu O.J. Bierbaum hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Julius_Bierbaum )

    Der Roman behandelt weniger die Autoreise an sich als vielmehr die sich aus der permanenten Beschaffung von Kraftstoffen und Reparaturen ergebenden Begegnungen und den dabei angestellten Beobachtungen. Sein Motto lautete: „Lerne reisen, ohne zu rasen“.

    Geschichte wiederholt sich zwar nicht grundsätzlich, aber vieles kommt mir heute beim Elektrofahren doch sehr bekannt vor:

    – die permanente Ansprache durch interessierte Mitbürger („Wat, keen Motor, nur elektrisch ? Weit kommste da nich, wa ?)

    – die Anspannung, ob denn am berechneten Zwischenziel auch die Lade/Tankmöglichkeit noch vorhanden und sogar betriebsbereit ist

    – der Zeitbedarf beim Reisen

    – der sich beim Versuch der Reichweitenstreckung durch sparsame Fahrweise einstellende Zen-Gleichmut bei 60 km/h (damals 30 km/h …)

    – die Vorbereitung auf lange (Lade)-Pausen durch Mitnahme von umfangreichen Zeitungsausgaben, Kaffekannen, etc.

    Was sagt uns das alles ? Werden wir in wenigen Jahren einfach mal von Berlin nach Garmisch-Partenkirchen (oder gar an die Ostsee) fahren, ohne vorher einen halben Tag mit akribischer Planung zu verbringen ? Ganz gewiss, davon bin ich überzeugt. Aber bis dahin leiden wir still und ertragen es mit Gleichmut.

  5. Ich kann aus jahrelanger praktischer Erfahrung hier das geschriebene nur voll inhaltlich unterstützen.
    Allerdings fahre ich seit Jahren bereits elektrisch an die Ostsee. Anfänglich wurde in einer Kombination von Schukosteckdosen (auch CEEblau 16A) und öffentlicher Ladeinfrastruktur geladen. Gefahren wurde mit einem C-Zero.
    Heute ist es möglich mit nur öffentlicher Ladeinfrastruktur an die Ostsee zu gelangen.
    Gefahren wird mit einer ZOE über eine gemischte Benutzung von Landstraße und Autobahn über folgende Stecke: Berlin, Neustrelitz, Demminer Land , Stralsund bis zu Zielen auf dem Dars oder auf Rügen. An den Zielorten auf dem Darß Prerow, Zingst gibt es keine öffentliche Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge.
    Eine sinnvolle Strecke komplett über die Autobahn gibt es noch immer nicht. Es fehlen mindestens Schnelllader im Bereich Prenzlau an der A11.
    Auf der Autobahn über Wittstock nach Rostock kenne ich keine Schnelllader. Deshalb benutze ich diese Strecke nicht.
    Man muss schon ein wenig „Verrückt“ sein, mit den heutigen E-Autos ( außer Tesla) und der vorhandenen Ladeinfrastruktur solche Strecken zurückzulegen.
    Mit der ZOE brauche ich noch immer 6 bis 7 Stunden nach Stralsund. Das hält nur aus, wer den Weg zum Ziel macht, viel Zeit hat und oder ein Elektroautonarr ist,
    Bei mir trieffen meistens alle drei Punkte zu.
    Habe ich bei seltenen Reisen keine Zeit, fahre ich mit einem gemieteten Verbrenner. Dann dauert die Reise Berlin Stralsund zwischen 3 und 4 Stunden, das ist die Hälfte!!!
    Ich bin geneigt künftig wieder mehr Verbrenner zu nutzen, wenn es um lange Strecken in kurzer Zeit geht, es sei denn……………………..
    So der so, kaufen werde ich mir definitiv keinen Verbrenner mehr.
    Sie bei mir verloren, die traditionelle Autoindustrie!!!

    Tester3

  6. Ich kann dem hier Geschriebenen nur 100%ig beipflichten, muss aber sagen, dass der Abstand von 120 km zu groß ist. Im Winter ist der Verbrauch höher, da sollten der Abstand max. 80 km betragen und dann müssen an allen Stationen mind. 2, wenn nicht vier Anschlüsse (jeweils für CHAdeMO, CCS und Typ2) vorhanden sein. Denn wenn man schon eine Stunde laden will (muss), dann kriegt man eine Kriese, wenn man noch 45 Minuten darauf warten muss, endlich auch mal „tanken“ zu können. Jede Familie wird das rebellisch und das wird niemand akzeptieren. Wer akzeptiert es schon, an der Tankstelle länger als 5 Minuten warten zu müssen? Wenn die Elektromobilität in der breiten Masse Akzeptanz finden soll, darf es Null Kommo Null Beeinträchtigung gegenüber der Verbrennermobilität geben. Nichts. Im Gegenteil. Die Realität sieht derzeit völlig anders aus: Zu wenige Ladestellen, Durcheinander bei der Zahlung, unfaire und intransparente Abrechnungsmodelle, Diskriminierung von bestimmten Ladesystemen (CHAdeMO – der Autor hat es angesprochen…im Übrigen habe ich keine Antwort darauf bekommen, wo die abmontierten CHAdeMO-Kabel hängen). Solange man mit Stromtankstellen kein Geld verdienen kann, wird sich niemand finden, dort zu investieren, also muss es der Staat tun!

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