Kleiner Rückblick

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu und wie immer ist das ein Anlass mal auf 2016 zurückzublicken. 2016 sind so viele gute und schlimme Sachen passiert, die uns erfreut und beschämt haben, eigentlich kann es nur besser werden.

Sehr viel Aufmerksamkeit hat der Skandal rund um den Diesel-Abgasbetrug erzeugt, gut so. Tausende, nein hunderttausende an Fahrzeugen fahren „legal“ auf unseren Straßen, die unser aller Atemluft viel, viel mehr belasten, als erlaubt. Ebensoviele Kunden wurden ganz offentsichtlich betrogen. Ihnen wurden „saubere“ Fahrzeuge versprochen, doch diese halten die Grenzwerte nicht ein. Nun könnte man anmerken, dass diese Fahrzeuge die Grenzwerte im offiziellen Test sehr wohl einhalten und der oder die Hersteller damit weder lügen noch betrügen, schließlich fordert der Gesetzgeber auch nichts Anderes, als das Einhalten der Grenzwerte gemäß NEFZ-Testzyklus. Doch hier beginnt ja schon der Skandal, denn dass dieser Testzyklus mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat, ist allen Beteiligten so bewusst, wie die Tatsache, dass Weihnachten nun mal nicht auf Ostern fällt. Doch getan hat sich…nichts. Und auch die teils massive Überschreitung der Grenzwerte im Alltag ist schon seit mind. 10 Jahren bekannt, denn schon so lange weist z.B. die Deutsche Umwelthilfe darauf hin und es gibt alte Mitschnitte von (ich glaube) „Report“, in denen darauf hingewiesen wurde. Auch bekannt ist seit vielen Jahren, dass die Hersteller die legalen und vlt. nicht-so-ganz-legalen Schlupflöcher beim NEFZ-Test bis an die Grenze ausgenutzt haben, von speziellen Leichtrollreifen, über abgeklebte Türgriffe bis zu abgeklemmten Lichtmaschinen. Und natürlich: Testtemperaturen über 28 Grad im Testraum. Heute wissen wir auch warum: Denn die Temperatur-geregelten Abschaltvorrichtungen der Abgasreinigungssysteme wären womöglich sonst aktiviert worden und hätten für überhöhte Abgaswerte gesorgt. Ich habe ein Vielzahl an PKW-Herstellern angeschrieben und um Aufklärung gebeten, wie oder warum ein moderner Diesel-Motor durch eine aktive Abgasreinigung Schaden nehmen kann, wenn es (je nach Hersteller) unter 17 bzw. unter 10 Grad kühl ist. Antworten habe ich keine bekommen. Keine einzige. So kann es nicht weiter gehen, dann das heißt nichts anderes, als dass den Herstellern, die das liefern, und der Politik, die dies genehmigt, der Schutz einer Motors wichtiger, als der Schutz der Gesundheit der Menschen ist. Fahrlässige Körperverletzung ist das eigentlich nicht mehr.

Ich denke da u.a. an Opel. Opel versprach mit großen Worten einen Diesel, der so sauber wie ein Benziner sein sollte. Doch auch noch als man Opel nachwies, dass deren Abgasreinigung bei dem betroffenen Fahrzeug oberhalb bestimmter Drehzahlen, oberhalb bestimmter Geschwindigkeiten, oberhalb einer bestimmten Höhe über N.N. und unterhalb von 17 Grad Außenztemperatur NICHT aktiv ist, widersprach Opel noch den Anschuldigungen, illegale Abschalteinrichtungen zu verwenden.

Skadalös ist in meinen Augen aber auch die „Aufklärungsarbeit“ der Bundesregierung und des KBAs. Testergebnisse werden noch immer zurückgehalten, hier wird ganz offensichtlich die dt. Automobilindustrie geschützt, denn in den USA wurden bereits Strafzahlungen in Höhe von mind. 15 Mrd. Euro ausgesprochen. Davon sind wir wohl in Deutschland, dem Automobilland, Lichtjahre entfernt. Nicht mal die Umrüstung bzw. Nachrüstung der Fahrzeuge läuft wie versprochen. Und alle Schadensersatzansprüche der betroffenen, nein, betrogenen Kunden werden regelmäßig von den beklagten Herstellern vor Gericht gebracht. Im Namen der „Arbeitsplätze“ darf wohl alles rechtens sein.

Inzwischen wissen wir sehr viel. Kaum ein Diesel-PKW, auch inkl. der Euro-6-Fahrzeuge, hält die Grenzwerte im Betrieb ein; Überschreitungen um den Faktor 2 und mehr sind keine Seltenheit. Und sobald es draußen kühler wird, wird gleich gar nicht mehr gereinigt. Neulich erzählte mir ein Bekannter, wie wenig Adblue sein Fahrzeug doch verbrauche, doch leider gilt beim Adblue das Gegenteil, denn nur mit ausreichendem Adblue-Verbrauch ist eine ausreichende Reinigung der Abgase überhaupt erst möglich (mind. 5% des Dieselverbrauches müssen es schon sein). Und welche Umweltbelastungen die Adblue-Produktion mit sich bringt, darüber schweigen die Lieferanten. Scheint niemanden zu interessieren. Noch besser finde ich aber, dass es inzwischen kleine Geräte gibt, die man einfach im Fahrzeug aktivieren kann und die das Adblue-System gleich komplett lahmlegen. Wir haben keine Kontrolle mehr, alles läuft aus dem Ruder. Doch wir reiben uns verwundert die Augen, warum trotz all der sauberen Fahrzeuge die Luft in den Städten nicht besser wird.

Kurz vor Jahresende sprechen wir nun endlich von Fahrverboten für bestimmte Fahrzeuge, Endlich. Doch schon greift Minister Gabriel ein und treibt die nächste Sau durch Dorf. Nun sollen elektrische Busse das Problem lösen, doch kein deutscher Hersteller kann so etwas liefern. Man müsste zu ausländischen Produkten greifen.

Und damit sind wir beim nächsten Thema. Denn auch 2016 haben sich die dt. Hersteller schön brav in Zurückhaltung bewiesen, wenn es um neuen Modelle im Bereich der Elektroautos geht. Ja, der i3 und der eGolf wurden gepimpt und erhielten bzw. erhalten etwas mehr an Reichweite. Doch mit Fahrzeugen wie dem neuen Leaf, der neuen Zoe oder gar dem Tesla können diese Produkte nicht mithalten. Es geht auch nicht immer nur um dicke Akkus. So gilt es u.a. sich intensiv um die Herausforderung zu kümmern, die Reichweiten der E-Fahrzeuge auch im Winter möglichst stabil zu halten. Doch kein dt. Fahrzeug verfügt z.B. über eine Wärmepumpe oder gar über ein Wärmerückgewinnungssystem, wie es heute in fast jedem Wäschetrockner vorhanden ist. Einfachste Technik. Auch das Thema „schnelles Laden“ geht irgendwie an den dt. Herstellern vorbei. Bzw. hier wird gleich in ganz seltsamen Dimensionen gedacht und Porsche will nun wieder ein eigenes Schnellladesystem einführen. Dabei kann kein dt. Fahrzeug schneller als mit 11 kW laden, „Schnarchladen“ ist hier immer noch die Devise. Einfachste Technik, im ZOE z.B. seit Jahren vorhanden und ganz sicher ein Grund dafür, warum der sich so gut verkauft. Denn auch jenseits von 40 kWh-Akkukapazität, werden 11 kW-Lader wieder zu „Schnarchladern“.  Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als wolle man insb. bei den deutschen Herstellern nicht einsehen, dass der Verbrennungsmotor keine Zukunft hat. „Kernkompetenz“…na, diese Kernkompetenz hat uns allerhand Ungemacht eingebracht. Die Kernkompetenzen der Zukunft (Akkutechnik, Steuerungselektronik, Benutzerinterface usw.) haben längst andere Hersteller und Lieferanten an sich gerissen. Und Deutschland schläft immer noch.

So, genug geschrieben. Doch eine Frage will ich noch stellen: Warum tun wir uns das alles an? Warum kaufen wir immer noch Diesel-PKW? Warum akzepieren wir Benziner, die 10mal mehr Feinstaub emittieren dürfen, als ein Diesel? Warum akzeptieren wir endlose Wartezeiten bei der Auslieferung eines eUPs oder eGolfs? Warum akzeptieren wir Wucherpreise beim Laden im öffentlichen Bereich? Warum geben wir uns mit Ladestationen zufrieden, die unbeleuchtet sind und abseits stehen? Warum, warum, warum…

 

 

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