„…Schaden von ihm wenden…“ – ein offener Brief an Frau Merkel

Offener Brief an Frau Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

 

Amtseid:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

 

Bundeskanzlerin Merkel:

„Für den Klimaschutz ist das Dieselauto heute genauso ein gutes Auto wie es das gestern und vorgestern war.“

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
vor einigen Tagen haben Sie öffentlich gesagt, dass Diesel-PKW für den Klimaschutz nach wie vor einen wichtigen Beitrag leisten, dies getan haben und auch in Zukunft tun werden.
Diese Äußerung hat mich sehr getroffen. Als Physikerin müssten Sie wissen, dass die Klimawirksamkeit von Diesel-PKW nicht alleine durch die direkten CO2-Emissionen der Fahrzeuge definiert sind. Die weiteren Emissionen müssen mitbetrachtet werden, speziell die Emissionen an Partikeln und Stickoxiden.
Partikel aus Diesel-PKW tragen zur Trübung der Atmosphäre und der Landoberfläche bei (u.a. an den Polen unseres Planeten), dies trägt zur Erwärmung bei. Ebenso bilden Stickoxide Partikel und Lachgas, das ebenfalls klimawirksam ist. Die Klimawirksamkeit von Diesel-PKW geht also weit über die direkten CO2-Emissionen hinaus.
Wie können Sie vor diesem Hintergrund behaupten, dass Diesel-PKW klimafreundlich sind?
Frau Merkel, Sie haben als Bundeskanzlerin durch Ihren Eid öffentlich geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Doch heute fahren hunderttausende an Diesel-PKW auf unseren Straßen, die die Grenzwerte nicht real einhalten. Damit gefährden diese Fahrzeuge die Gesundheit von Menschen. Jeden Tag kommen 3500 Diesel-PKW neu dazu, die ebenfalls die Grenzwerte nicht einhalten. Dies ist ein Gesetzesbruch unter Duldung Ihrer Regierung. Ich frage Sie: Ist diese nicht eine fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge oder die Duldung einer Straftat?
Warum bleiben Sie tatenlos und unterbinden den täglichen Gesetzesbruch nicht endlich? Warum handelt Ihr Verkehrsminister nicht und greift Kraft seines Amtes durch? Auch er hat diesen Eid abgelegt. Fragen Sie sich: Handelt er danach? In unseren Städten leiden täglich tausende an Mitmenschen unter diesen Belastungen und können sich nicht dagegen wehren. Sie als Vertreterin unserer Regierung müssen diesen Menschen zur Seite stehen und Schaden von Ihnen abwehren. Wenn nötig, auch auf Kosten oder zum Schaden derer, die diesen Schaden anrichten. Gesundheit muss immer wertiger sein, als Profit.
Ich appelliere eindringlich an Sie, Kraft Ihres Amtes und unter Beachtung Ihrer Verpflichtungen, die Sie durch Ihren Eid abgelegt haben, endlich dafür zu sorgen, dass Fahrzeuge, die die gesetzlichen Grenzwerte nicht einhalten, sofort aus dem Verkehr zu ziehen, die Kunden zu entschädigen und die Hersteller dazu zu zwingen, nur noch solche Fahrzeuge zu verkaufen, die den gesetzlichen Vorgaben zu 100% entsprechen.
Sie haben geschworen, das Volk, also uns – auch mich – zu schützen. Sie haben nicht geschworen, die Hersteller zu schützen, die seit Jahren Fahrzeuge verkaufen, die keine gültige ABE besitzen, weil sie die Grenzwerte nicht einhalten.
Ich appelliere an Sie: Kommen Sie Ihren Pflichten nach und handeln Sie. Umgehend.
Mit freundlichen Grüßen
J. Affeldt“
Abgeschickt am 27.03.2017
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Wieder so eine Geisterdebatte

In dieser Woche hat ein Beitrag von Vince Ebert auf www.spektrum.de für mächtig Diskussionsstoff gesorgt; nicht nur bei uns innerhalb der IG Elektromobilität, sondern auch an vielen andere Stellen: Woher soll eigentlich der ganze Strom kommen, wenn wir alle elektrisch fahren würden?

Eine wirklich gute Frage.

Aus ein paar Zahlen aber mal eben abzuleiten, dass das ja überhaupt nicht geht (es sein denn, an baut div. Kraftwerke dazu, was eigentlich keiner will), ist sicher voreilig und entbehrt jeder Grundlage. Ich will hier jetzt auch nicht mit Zahlen dagegen halten, aber ein paar Gedanken ins Spiel bringen.

Ok, dass Elektroautos Strom brauchen ist unbestritten. Und die Menge ist auch nicht zu vernachlässigen. Die Frage ist aber nicht nur, wieviel kWh brauchen all die schönen E-Autos. Die Frage ist auch, wofür brauchen wie denn heute Strom?

Und dabei fällt mir als Erstes ein, dass wir heute noch viel zu viel Strom wirklich verschwenden. Alleine unsere Beleuchtung ist noch lange nicht auf effiziente Leuchtmittel umgestellt. Da gibt´s immer noch Glühbirnen oder Halogenglühlampen, die alles andere als effizient sind. Auch Energiesparlampen verbrauchen noch 50% mehr als gleich helle LED-Leuchtmittel. Was alleine bei einer kompletten Umstellung an kWh eingespart werden kann, ist enorm.

Anderes Beispiel, was noch weniger im Bewusstsein ist, als Lampen: Pumpen. Heizungspumpen, um genau zu sein. In abertausenden an Haushalten werkeln noch alte und ineffiziente Umwälzpumpen vor sich hin, die locker mal eben 100 Watt pro Stunde verbrauchen. Es ginge aber auch mit locker 2/3 weniger, mit Hocheffizient-Pumpen. Auch da werden wieder Millionen an kWh frei. Übrigens kann man das auch gut auf Ventilatoren und Kompressoren übertragen.

Vlt steht ja nebenan noch Omas alter Kühlschrank? Viel zu schade zum entsorgen? Um Gottes Willen! Was da noch an alten Kühl- und Gefriergeräten in Deutschland am Stromnetz hängt, will ich mir gar nicht vorstellen. Dabei verbrauchen moderne Geräte viel, viel weniger Strom. Wer da nicht tauscht, ist nicht mehr zu helfen.

Und so geht es immer weiter…Haushaltsgeräte, IT-Technik oder sinnlose Stromverschwendung (wie viele Häuser werden nachts dauerbeleuchtet? Warum nur machen Leute das? Immer noch ein Thema: Standby-Verbrauch. Und wieviel Strom ließe sich jeden Tag einsparen, würde nur jeder rechtzeitig den Herd abdrehen und mit der Nachwärme weiter kochen, auf das Vorheizen des Ofens verzichten oder stets die nur die ausreichende Menge an Wasser erhitzen?

Wie viele kWh werden gar nicht erst erzeugt, weil immer noch Wind- und Solarparks abgeregelt werden, weil die Netze nicht ausgebaut sind oder Kohlestrom die Netze verstopft? Es ist zum verrückt werden.

Und dann ist da noch etwas: Mit jedem neuen E-Auto sinkt der Bedarf an Benzin und Diesel. D.h. diese Treibstoffe müssen gar nicht mehr hergestellt werden. Pro Liter Benzin oder Diesel werden alleine dadurch große Mengen an Strom in den Pipelines und Raffinerien eingespart. Und auch Tankstellen werden nach und nach überflüssig, die arbeiten auch nicht ohne Strom.

Die Frage lautet also nicht: Gibt es genug Strom für Elektroautos? Es ist mehr eine Frage, wie effizient wir mit Strom umgehen. Da ist noch ganz viel Luft nach oben.

Wie komme ich nach…

Mal an die Ostsee zum Kurzurlaub, nach Hamburg zum Musical oder Freunde in Cottbus besuchen? Mit einem Strom-getriebenen Fahrzeug immer noch unmöglich oder zumindest eine echte Herausforderung. Wer z.B. von Berlin nach Hamburg fahren möchte, kann Schnellladestationen in Neuruppin und Valluhn an Anspruch nehmen. Die eine liegt aber noch recht nahe Berlin, je nachdem von wo man kommt, die andere recht nahe an Hamburg. Dazwischen klafft eine Lücke von rund 180 km, die – vor allem im Winter und bei einigermaßen Autobahntempo – für die meisten Elektrofahrzeuge nicht zu schaffen ist. Die Lademöglichkeit auf halber Strecke fehlt, mindestens. Nicht viel besser sieht es aus, wenn man nach Rostock, Wismar oder Greifswald möchte bzw. von dort weiter nach Rügen. Auch hier klafft nach Neuruppin eine große Lücke, insb. für Fahrzeuge mit CCS- oder CHAdeMO-Schnellladesystem. Wer an Typ2 beschleunigt laden kann, kommt noch halbwegs zurecht. Auch hier findet sich praktisch nichts für schnelle Gleichstromladen. Lichtblicke sind nur die bereits bestehende Ladestation an der A20 (Demminer Land) und die kommende Ladestation Prignitz Ost/West (beide Tank&Rast). Dünn, viel zu dünn. Es hapert ja nicht nur an den Standorten, auch die Anzahl der Ladeports ist viel zu gering. Was nützt die schönste Schnellladestation, wenn ein oder zwei Fahrzeuge noch vor mir laden wollen? Dann sind schnell 60-90 Minuten Rumstehen angesagt. Von „Schnellladen“ kann dann keine Rede mehr sein.

Nun, vielleicht hilft ja das folgende Angebot zur kostenlosen Errichtung und Betrieb von Schnellladestationen, das heute kommuniziert wurde: http://fast-e.eu/standortpartner/

Wer also potentielle Standorte entlang der genannten Routen kennt, möge doch die zuständigen Ansprechpartner darauf hinweisen.

„And the looser is…Brandenburg!“: Ladestationen – Fehlanzeige

Wenn es nicht so traurig wäre…aber hier, in Brandenburg, wird Zukunft verspielt, denn Brandenburg ist und bleibt Schlusslicht in Sachen Ladeinfrastruktur. Kein Wunder, denn niemand kümmert sich darum, zumindest – so macht es den Anschein – niemand in der Brandenburger Landesregierung. Schauen wir uns die Zahlen an (Quelle: BDEW, Stand 30.6.2016):

  1. Verteilung der Ladestationen auf die Fläche: In Brandenburg finden wir nur 2 Ladestationen je 1000 km2; nur Mecklenburg-Vorpommern liegt mit immerhin 3 Ladestationen je 1000 km2 davor. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen sind es 39. Eine Ladestation in Brandenburg zu finden gleicht also der Suche nach der Nähnadel im Heuhaufen. Anmerkung: Ob es sich bei den Ladestationen wirklich um Stationen mit Typ2-Anschluss handelt, bleibt offen. Eine Anfrage beim BDEW läuft.)
  2. Je 1 Mio. Einwohner stehen in Brandenburg ganze 21 Ladepunkte zur Verfügung. Mit ähnlich desaströsen Werten können nur Schleswig-Holstein (22) und das Saarland (27) aufwarten. In allen anderen Bundesländern gibt er mehr Ladepunkte; Spitzenreiter der Flächenländer ist Baden-Württemberg (110). Selbst in Mecklenburg-Vorpommern finden sich 49 Ladepunkte je 1 Mio. Einwohner.
  3. Und auch bei der Gesamtzahl der Ladestationen sieht es nicht viel besser aus: Ganze 51 Ladepunkte zählt der BDEW. Immerhin: Im Saarland zählt man nur 27. Auch hier aber die Einschränkung: Es ist nicht sicher, ob der BDEW hier ggf. auch solche Ladepunkte gezählt hat, die nicht den EU-konformen Typ2-Anschluss bieten. Laden an Schukodosen oder CEE-Anschlüssen entspricht nicht der Norm; solche Lademöglichkeiten sollten nicht gezählt werden.

Fazit: Beschämend. Desaströs. Es ist zum Heulen! Für das selbsternannte Energieland ist dies praktisch eine Null-Nummer und zeigt, wie wenig ernst man im Land der Braunkohle die Elektromobilität nimmt. Das Argument, in Brandenburg gäbe es eben nur so wenige Elektrofahrzeuge, da lohne sich der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur nicht, kann nicht zählen, denn Brandenburg ist u.a. eines der beliebtesten Reiseländer in Deutschland. Und auch Touristen und Durchreisende wollen und brauchen Strom. Schon der Blick auf die Lademöglichkeiten zwischen Berlin und der Ostsee sind niederschmetternd; noch schlimmer, wenn man auf der Strecke nach Hamburg laden muss. Anders denken muss her, aber schnell.

Und nun? Bleibt Brandenburg weiter Schlusslicht in Sachen Elektromobilität bzw. der dafür notwendigen Ladeinfrastruktur? Das Förderprogramm ist angelaufen, nun heißt es zugreifen. Ob man den Wink mit dem Zaunpfahl in Brandenburg versteht?

Stromtanken in Berlin ist und bleibt Wucher

Vor Kurzem hatten wir zwei Mitarbeiter der AutoBild bei uns in Berlin zu Besuch. Anlass war u.a. unsere nach wie vor massive Kritik an den Preisen, der Tarifstruktur und der nicht vorhandenen Preis- und Kostentransparenz beim Laden an den be emobil-Ladesäulen in der „Hauptstadt der Elektromobilität“. Wie berichtet, benötigt man für ein Verständnis der Preisstruktur fast schon ein Hochschulstudium der Betriebswirtschaft und der Elektrotechnik. Während man beim Benzin- oder Diesel-Tanken einfach nur Literpreis * Menge rechnen muss (und dazu die getankte Menge und die aktuellen Kosten stets aktuell an der Zapfsäule auch angezeigt bekommt – vlt. hat man ja nur 20,- in der Tasche), erfährt man beim Laden an den be emobil-Ladesäulen erst Tage oder Wochen später den tatsächlichen Preis fürs Strom-Tanken, wenn die Rechnung ins Haus kommt. Eine Vorab-Berechnung des Ladepreises ist nicht möglich, zu viele Parameter beeinflussen die Geschwindigkeit des Ladens; weder App noch Säule informieren den ladenden E-Auto-Fahrer beim Laden über die aufgelaufenen Kosten. Transparenz sieht anders aus.

Und das sieht auch die AutoBild so und hat verglichen: Was kostet es, in Berlin für 100 km mit einem handelsüblichen eGolf Strom zu laden (ca. 16 kWh)? Die Antwort? Kommt darauf an, u.a. an welcher Ladestation man lädt. Und so hat die AutoBild mit uns gemeinsam den Test gemacht und nachgerechnet. Je nach Station kostet der Strom für 100 km mal €19,80, mal €11,55 oder – zuhause – keine 5 Euro. Wer also öffentlich lädt oder laden muss, z.B. Touristen oder Mieter, zahlt ordentlich drauf und spürbar mehr, als die benötigte Menge an Benzin für einen vergleichbare Golf mit Otto-Motor kosten würde.

Und erneut hat die Berliner Verwaltung sogleich eine neue Erklärung für den Zeittarif parat. Diesmal heißt es, dass nur durch den Zeittarif das Zuparken der Ladesäulen verhindert werden kann. Doch was ist damit gemeint? Das Zuparken durch nicht-ladende Verbrenner (was täglich beobachtet werden kann)? Oder das Zuparken bzw. Blockieren durch nicht (mehr) ladende andere E-Autos? Gibt es dafür nicht intelligentere Lösungen, z.B. das Umschalten auf einen Parktarif, sobald die Ladung durch das Fahrzeug beendet wurde? Dieser kann dann gerne saftig ausfallen, um den Nutzer zum baldigen Umparken zu bewegen. Gerne, damit haben wir kein Problem. Aber das Grundproblem wird damit nicht behoben: Laden in Berlin ist wohl was für „Besserverdienende“, die sich das leisten können, die Tarifstruktur in viel zu kompliziert und das Ganze völlig intransparent. Wer sich aber einen gebrauchten E-Wagen zulegt und öffentlich laden muss wird nach wie vor betraft. SO fördert man Elektromobilität ganz sicher nicht. Immer hin: Der 15- Minuten-Takt soll nun bald abgeschafft werden. Ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung und die heißt: Abrechnung nach tatsächlich geladenen Kilowattstunden. Basta.

Nach wie vor läuft unsere Petition gegen das Berliner Abrechnungsmodell: https://www.change.org/p/bürgermeister-michael-müller-für-ein-faires-tarifmodell-an-berliner-ladesäulen

Der vollständige Bericht der AutoBild wird am 03. März veröffentlicht, den Vorbericht finden Sie hier: http://www.automobilwoche.de/article/20170302/AGENTURMELDUNGEN/303029966/1279/wucher-an-der-ladesaeule-strom-teurer-als-benzin

Autor: Julian Affeldt