Ladeinfrastruktur Berlin; Hr. / Fr. Horn, Ihr Schreiben vom 20.04.2017, Zeichen IV A 11

Sehr geehrte Frau Senatorin,

sehr geehrte Frau bzw. sehr geehrter Herr Horn,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 20.4.2017, welches bei uns mehr Fragen offen lässt, als Antworten gibt.

Wir bemängeln, wie auch aktive weitere Verbände (u.a. BSM, BEM) sowie die Nutzerinnen und Nutzer von Elektrofahrzeugen, seit Monaten (!) das aktuelle Tarifmodell an den be emobil-Ladesäulen in Berlin. Mittlerweile ist der Ärger darüber so groß, dass ein Boykott der Ladesäulen ausgerufen wurde. Wir bemängeln auch, dass in Berlin anscheinend keine Kultur der freien Entfaltung des Marktes „Ladeinfrastruktur“ gewünscht wird und Anbieter, die alternative Modelle anbieten möchten, aus dem Markt gedrängt werden. Dies vor dem Hintergrund fadenscheiniger und nicht nachvollziehbarer Argumente. Elektromobilität kann sich nur im Wettbewerb um die besten Ideen, Dienstleistungen und Techniken entwickeln.

Die Argumente hierzu sind hinlänglich bekannt und immer wieder mitgeteilt. Mit den aktuellen Tarifen wird die Entwicklung der Elektromobilität ausschließlich verhindert, nicht gefördert, bzw. werden bestimmte Nutzungen bevorteilt, viele Nutzungsarten und Fahrzeuge aber massiv benachteiligt. Wir haben mehrfach ausführlich dargelegt, warum. Dies alles auch vor dem Hintergrund immer neuer Enthüllungen u.a. zu Abgasen aus Diesel-PKW und einer anhaltenden hohen Belastung der Atemluft durch PKW-Abgase.

Wir möchten nun konkret wissen, ob es zu einer Änderung der Tarifstruktur kommen wird und welche Maßnahmen der Berliner Senat in Zusammenhang mit den Bezirken plant, den ständigen Blockierungen der Ladeinfrastruktur durch Verbrenner-Fahrzeuge entgegen zu treten. Auch hierzu hatten wir bereits Vorschläge unterbreitet, die aber nicht zu einer unfairen Behandlung von ladenden Elektrofahrzeugen führen (Zeittarif).

Wir schlagen vor, dass die be emobil-Ladesäulen wie folgt konfiguriert werden könnten:

  1. Ladung mit 22 kW, wenn nur ein Ladeport genutzt wird. Dies ermöglicht schnellere Ladung bei den Fahrzeugen, die das können, solange die Ladesäule nicht ausgelastet ist. Bzw. intelligente Aufteilung der maximalen Ladeleistung auf die angeschlossenen Fahrzeuge.
  2. Ladung mit einem nach kWh abgerechneten Standardtarif im ad hoc-Lademodus (webbasierte Freischaltung per QR-Code, Zahlung z.B. via PayPal) ohne RFID oder Lade-App.
  3. Bei Nutzung von RFID-Karten kann der Ladetarif verschiedener Anbieter genutzt werden (Roaming); gleiches für die Ladung via App. So könnte Ladetarife z.B. vom Stromlieferanten genutzt werden.
  4. Wird das Fahrzeug nach Ladeschluss nicht entfernt, setzt nach 5 Minuten eine Parkabrechnung nach Zeit ein, die deutlich zum Entfernen des Fahrzeuges motiviert.
  5. Farbliche Umgestaltung der Ladesäulen, damit diese besser auffindbar und insg. auffälliger sind.
  6. Farbliche Gestaltung der Stellfläche, z.B. in Blau mit weißem Ladesymbol.
  7. Ergänzung der Beschilderung: Nicht-ladende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt.
  8. Ergänzung einer zentralen Rufnummer, z.B. Ordnungsamt, um Falschparker oder nicht-ladende Fahrzeuge zu melden. Über das Display kann angezeigt werden, ob ein Ladevorgang beendet wurde.

Auf diese Weise stellen die be emobil-Ladesäulen intelligente Stromanschlüsse dar und es wird Wettbewerb gefördert.

Mit freundlichen Grüßen

Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

 

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Pures Kopfschütteln!

Seit Tagen ist die einzige 3in1-Schnellladestation im Südwesten Berlins (A115, Rastplatz Grunewald West) zum wiederholten Male außer Funktion. Wen juckt´s – könnte man fragen, angesichts des Schneckentempos, in der sich die Elektromobilität in Deutschland entwickelt. Doch weit gefehlt, denn diese Ladestation erfreut sich laufend steigender Beliebtheit und nicht selten gibt ein E-Pilot dem nächsten den Stecker in die Hand, so stark ist die Nutzung angestiegen. Sogar Wartezeiten sind nicht mehr auszuschließen. Kein Wunder, liegt diese Ladestation doch hervorragend auf der Strecke nach Berlin und Potsdam, Leipzig, München bzw. Richtung Norden nach Rostock, Hamburg oder Schwerin.

Seit Tagen klingelt mein Telefon und werde ich gefragt, welche Ladestation als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung steht. Seit Tagen treffe ich Ladegäste nun also bei uns in Kleinmachnow oder auch bei mir zuhause, denn vom Grunewald nach Kleinmachnow ist es ja nur ein Katzensprung. By the way: Ich argumentiere seit Jahren (!) für einen Schnelllader in Kleinmachnow…der Bedarf kommt nicht nur aus dem Standort selber, sondern von extern Nutzern.

Dies zeigt:

  1. Wie wichtig eine gut ausgebaute und verlässliche Ladeinfrastruktur selbst in Deutschland ist. Sie ist sogar DER Schlüssel zur Elektromobilität.
  2. Der Bau einer (!) Ladestation an einem Ort reicht längst nicht mehr aus. Alleine aus Redundanzgründen müssen (!) zwei, wenn nicht drei Ladestellen pro Ort vorhanden sein, um dem Bedarf gerecht zu werden. Wenigstens im Umkreis von max. 5 km Motto: Eine ist keine.
  3. Es ist nicht hinnehmbar, dass sich der Service von Tank&Rast sich am Telefon immer noch desinteressiert an der aktuellen Situation zeigt. Ladestationen müssen innerhalb von wenigen Stunden (3, max. 5h) wieder funktionstüchtig gemacht werden. Sie sind Teil der Mobilitätsinfrastruktur in unserem Land. Wer käme auf die Idee, defekte Tankstellen einfach mal für ein paar Tage zu schließen und den Kunden zu raten, doch woanders zu tanken?

Wir freuen uns also über die vielen Ladegäste bei uns in Kleinmachnow, von denen sicher einige auch die Ladezeit genutzt haben, um vor Ort am Rathausmarkt einzukaufen. Aber insgesamt ist es nicht hinnehmbar, dass zentrale Teile der Ladeinfrastruktur, und dazu zähle ich die 3in1-Schnelllader, tagelang außer Betrieb sind.

Geht´s schlimmer?

Heute hat die Bundesnetzagentur die erste Version ihrer Ladekarte Deutschland vorgestellt (siehe hier). Die Karte zeigt lange nicht alle wirklich verfügbaren Ladepunkte in Deutschland, sondern nur jene, die den Anforderungen der Ladesäulenverordnung entsprechen und nach dem 17.3.2016 in Betrieb gegangen sind. Nimmt man also genau diese Ladepunkte als Standard, dann muss man leider feststellen, dass z.B. entlang der A19 von Berlin nach Rostock keine einzige Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge besteht. Nicht eine. Dies ist nicht mehr, wie Minister Gerber im Beitrag der MAZ vom 19.4.2017 angegeben hat, auf die ungleichmäßige Bevölkerungsverteilung in Brandenburg zurückzuführen, sondern schlicht auf eine komplette Vernachlässigung der Thematik „Ladeinfrastruktur“.

Natürlich soll und kann nicht das Land Brandenburg Ladestationen errichten, aber es kann, gemeinsam mit den Landkreisen, Kommunen und Partnern aus der Wirtschaft dafür sorgen, dass endlich die benötigte Infrastruktur entsteht. So, wie jetzt, ist das einfach nur peinlich und nicht mehr zu akzeptieren.

Ladeinfrastruktur in Brandenburg

Sehr geehrter Herr Minister Gerber,

wie Sie heute der Märkischen Allgemeinen Zeitung entnehmen können, belegt unser Bundesland Brandenburg derzeit den vorletzten Platz bei der Anzahl der frei zugänglichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge, ganze 58 Stück stehen zur Verfügung. Dieser Stand nicht nur katastrophal, sondern auch desaströs für die Entwicklung und Verbreitung nachhaltiger Mobilität, denn das Vorhandensein einer breit ausgebauten Ladeinfrastruktur ist die wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz der Strom-getriebenen Mobilität.

Dieser aktuelle Stand ist völlig unverständlich, ist Brandenburg doch Energieland (und wurde sogar mehrfach ausgezeichnet für den Ausbau der neuen Energien), ist Brandenburg Reiseland und ist Brandenburg Heimat tausender an Pendlern – kurz: hat Brandenburg die allerbesten Voraussetzungen für eine breite Entfaltung der Elektromobilität.

Umgesetzt werden muss dies sowohl von Seiten des Landes, als auch von Seiten der Kommunen. Hier erfahren wir in unseren Initiativgesprächen jedoch immer noch allzu oft Desinteresse bis Ablehnung, zumeist basierend auf Unkenntnis oder „Presse-Wissen“. Doch genau hier liegt der Hebel.

Die private Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg, ein Zusammenschluss von mehr als 100 Nutzerinnen und Nutzern von Elektrofahrzeugen, engagiert sich seit Jahren für die Entwicklung der Elektromobilität. Wir haben u.a. die „eTouren Brandenburg“ in den Jahren 2012 und 2014 organsiert, die ersten öffentlich zugänglichen Ladestationen initiiert, u.a. in Kleinmachnow, Trebbin, Bad Belzig, Beelitz usw., und auch die ersten lokalen Ansprechpartner für Elektromobilität in Leben gerufen (Trebbin und Kleinmachnow).

Wir können den aktuellen Sachstand in Sachen Ladeinfrastruktur nicht mehr akzeptieren. Noch heute ist es nur mit bester Planung möglich, z.B. elektrisch an die Ostsee zu reisen oder im Spreewald eine nahe gelegene Ladestelle zu finden. Umstände, die nicht mehr zu vermitteln sind. Insb. wenn man auf andere Bundesländer oder gar unsere Nachbarn wie die Niederlande, Dänemark oder Norwegen blickt, wo man von einer Ladestation zu nächsten stolpert.

Es wäre uns ein großes Anliegen, gemeinsam mit Ihnen endlich die nötig Bewegung innerhalb Brandenburgs anzustoßen. Hierzu ist sowohl ein klares Bekenntnis als auch Aufklärungsarbeit nötig, insb. bei den Bürgermeistern im Land, u.a. über Aufwand, Bedeutung und Kosten der Installation und des Betriebes von Ladestationen.

Wir würden uns freuen, mit Ihnen gemeinsam darüber zu sprechen. Ggf. ist ein Gesprächstermin in naher Zukunft möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg

c/o Julian Affeldt

Meiereifeld 7e

14532 Kleinmachnow

Telefon: 033203-23840

Mobil: 0176-84204827

Urlaub in Wiek auf Rügen – ein Fazit aus emobiler Sicht

Wir wollten diesmal endlich das erste Mal mit unserer ZOE in den langersehnten Urlaub fahren. Auch wenn es zu viert mit Hund sicher sehr eng geworden wäre, aber irgendwie hätte es sicher geklappt. Doch in letzter Minute haben wir uns dann doch für den Prius entschieden. Warum?

Nun, eine Rückfrage an die Touristeninformation auf Rügen ergab kein besseres Bild von der aktuellen Ladeinfrastruktur auf Rügen, als es die Online – Verzeichnisse schon erahnen ließen: Auf Rügen gibt es so gut wie keine Ladestelle für Elektroautos. Als erfahrener E-Pilot weiß ich aber, dass man darauf angewiesen ist, auch abseits des Ferienhauses mal laden zu können. Und so bietet Rügen zwar in jedem noch so kleinen Hafen Strom für Boote, aber nix Strom für E-Autos, die gern mal an mehr als einer Schukodose laden wollen (oder müssen). Hier besteht massivster Nachholebedarf in einer der beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands. In jedem Ort mind. 2 Ladestellen. Parkplätze gibt es mehr als genug. Weiß man hier von den Fördergeldern? Wo sind die engagierten Bürgermeister, die zugreifen und die Zukunft gestalten?

Konkret hätte es für uns bedeutet, zum Laden bis nach Bergen fahren zu müssen. Angesichts der chaotischen Verkehrsverhältnisse aufgrund der gesperrten Hauptstrecke und der eingeschränkten Zugangsmöglichkeit auf die Ladestation ein Ding der Unmöglichkeit. Die Ladeinfrastruktur muss doch dort sein, wo die Menschen Urlaub machen.

Eine abstruse Situation. Denn Rügen strotzt ja nur so vor Wind und Sonne. Da könnte man den lokal erzeugten Strom doch gleich dafür nutzen, weniger Benzin und Diesel zu verkaufen und die emissionsfreie Mobilität zu fördern. Keinen Tag und keine Nacht hatten wir hier Flaute und die Sonne lachte vom blauen Himmel.

Doch es geht noch schlimmer. Nur eine Handvoll Häuser hier in Wiek tragen Solarstromanlagen, was für Trauerspiel. Dabei steigt der Energiebedarg ja gerade im Sommer durch tausende an Touristen stark an. Alles ungenutzte Ölquellen. Wenn dann so mancher „Fachmensch“ die Frage stellt, woher bloß der ganze Strom für die neue Mobilität kommen soll, kann ich nur noch lachen…obwohl es eher zum Heulen ist.

Schlußendlich lese ich dann noch von einer lokalen Bürgerinitiative, die neue Windräder verhindern will. Dabei brauchen wir diese Anlagen so dringend, wenn wir die Energiewende wirklich schaffen wollen. Dringend. Oder soll auch in 10 Jahren jedes Haus hier noch mit Gas heizen und jedes Auto Öl verbrennen? St. Florian geht nicht.

Ich kann die Befürchtungen schon nachvollziehen, aber jeder muss seinen Beitrag leisten. Ja, muss. Aber es kann doch auch zum Vorteil für die Menschen hier sein, z.B. in dem die Einwohner beteiligt werden und die Einnahmen hier vor Ort investiert werden. Warum kein „Energie-autarkes Wiek“, warum kein CO2-freies Rügen? Wo sind die Energiegenossenschaften?

Von der Vollendung der Energiewende sind wir noch sehr weit entfernt, vlt. ist es in den Köpfen noch gar nicht angekommen.

Fazit: Es ist schön hier und wir wollen die Schönheit ja erhalten. Wir kommen aber erst wieder, wenn Rügen verstanden hat.