Ein schwarzer Tag für die Elektromobilität in Deutschland

Heute hat Kanzlerin Merkel das ausgesprochen, was längst kein Geheimnis oder Überraschung mehr ist: Das großspurig angekündigte Ziel, 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben, „wird wohl nicht erreichbar sein“. Was für eine Blamage für das Autoland Deutschland, was für ein Versagen der Politik und der Wirtschaft und welch ein Erfolg der Lobbyarbeit hinter den Kulissen. Denn nun wird die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Umstellung auf eine nachaltige Mobilität wieder von vorne losgehen.

(Ein Bild sagt alles: Frau Merkel legt schon mal den Stecker beiseite)

Wieder einmal versagt Deutschlands Politik, wenn es darum geht, Zukunftstechnologien nach vorne zu bringen, Mut zu haben und vor allem zu seinen Zusagen zu stehen. Die Zukunft liegt vorn, nicht in der Vergangenheit.

Beispiel Photovoltaik: Da hatten wir mal Zeiten, in denen bis zu 7,5 GW an PV-Leistung pro Jahr in Deutschland installiert wurden. Dann kam der Deckel – und das elende Gerede um die steigenden Strompreise, an denen ja vor allem die neuen Energien Schuld seien – auf 2,5 GW pro Jahr. Und heute: Kaum 1,5 GW wurde 2016 an PV-Leistung neu installiert. Doch um die Klimaschutzziele zu erreichen wären 4 -5 GW pro Jahr nötig. Wir wollen ja nicht nur Strom für Haushalte, Gewerbe und Industrie, wir wollen ja auch noch die Wende in den Bereichen Verkehr und Wärme schaffen. Dazu reicht das Ausbautempo der neuen Energien lange nicht aus. Und das wird dann das nächste Ziel, was krachend verfehlt wird. Da halten wir lieber an Kohle und Diesel fest. Mal sehen, wann der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomenergie kommt…man würde ja sonst die Klimaschutzziele nicht schaffen. Ich gehe jede Wette ein, dass das kommt. Die Atomkonzerne gehen sicher bereits in Stellung.

Zurück zur Elektromobilität. Nun zieht Frau Merkel mit solchen schlimmen Äußerungen wohlmöglich den Stecker, obwohl die Entscheidung zugunsten der Elektromobilität doch woanders längst gefallen ist. China gibt den Ton an. Die technologische Kompetenz in Sachen Speicher liegt längst in Asien (LG, Samsung, Panasonic) und den USA (Tesla). Deutschland ist auf dem besten weg, sich alle Chancen, von dieser Riesensache etwas abzubekommen, selber zu nehmen. Seit Jahrzehnten nur Blabla, nur Ankündigungen. Audi hat wenig, BMW ein wenig, Daimler nichts, VW baut noch Konversationen statt reiner E-Autos. Technisch gut, aber nichts so richtig Neues. Und selbst sowas wie den Prius kriegen sie nicht hin, stattdessen halbherzige PlugIn-Hybride. Weil sie nicht wollen. Zu gut verdient man am Althergebrachten, zu bequem das Nest, in dem man sitzt. Die Fördermillionen aus Bürgerhand hat man gern genommen, liefern muss man ja nichts. Zuletzt hat sich Opel blamiert: ganze 90 Ampera-e sollen nach Deutschland kommen. Der Rest geht in die USA und…natürlich, nach Norwegen. Wie war das mit Leitmarkt und Leitanbieter? Alles Unsinn und dummes Gerede.

Ich fange jetzt nicht an, mich zum Dieselskandal zu äußern, da platze ich. Nur soviel: Heute erschien in Nature ein weiterer Beitrag zu den gesundheitlichen Auswirkungen der NOx-Emissionen von Dieselfahrzeugen. Eine Katastrophe. Hausgemacht. Und weder Minister Dobrinth noch Frau Merkel zucken. Angeblich sollen die Stickoxide ja nicht mal so gesundheitsschädlich sein. Was für ein Schlag ins Gesicht der Millionen Menschen, die täglich davon betroffen sind.

Verhinderung und Blockade, wo man nur hinsieht. Die Liste wäre endlos. Gefördert aber wurde Elektromobilität in Deutschland nie. Nur irgendwie und vor allem lustlos verwaltet.

Was nun? Aus die Maus?

Natürlich nicht, denn im Grunde wissen alle, dass es mit fossilen Energien nicht weiter geht. Erst heute hatte ich ein freundliches Gespräch mit dem Besitzer eines NISSAN N-EV200 an der Ladestation im Grunewald. Toll, wieder einer mehr. Und: Ein guter Freund hat sich heute zum wiederholten Male aufgemacht Richtung Süddeutschland zur Kur. Unterwegs ist er, wie immer, mit seinem Elektroauto. Aber nicht einem i3, eGolf oder Audi e-tron. Nein, mit einem alten Citroen Saxo mit NiCD-Akkus aus den 90er-Jahren. Fährt, lädt, fährt, lädt. Die neuen sind kaum besser. Wir wissen ja schon lange: Natürlich geht es! Man muss es halt nur wollen. Und das tun wir!!! Zum Glück gibt es vielerorts aktive und engagierte Menschen, die das Feuer am Leben erhalten. Und man muss es auch deutlich sagen: Zum Glück gibt es Tesla, die alle vor sich her treiben.

Der alte Citroen und die aktuelle Renault ZOE – Franzosen unter sich.
Beide brauchen kein teures Gleichstromladesystem, um reisetauglich zu sein.

Schämen sollten sich alle, die uns das eingebrockt haben.

 

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1 Kommentar

  1. Ich halte es vor allem für verfrüht, das Millionenziel zu kassieren. Es sind noch 3,5 Jahre bis Ende 2020.

    In den ersten drei Monaten 2017 wurden 10.065 Elektroautos (BEV + PHEV) verkauft, 71% mehr als im Vorjahreszeitraum. Dieses Wachstum gibt es seit Jahren trotz kaum vorhandener Förderung. Bei nur gleichem Wachstumstempo lägen wir Ende 2020 bei knapp 600.000 Elektroautos. Mit etwas mehr echter Förderung UND Forderung (der Hersteller) sind vielleicht statt 71% Wachstum 100% zu schaffen. Dann wären wir Ende 2020 bei 850.000 Elektroautos und das Millionenziel fast erreicht. Und wenn wir noch ne Schippe drauflegen und statt 71% 110% Wachstum schaffen, sind wir bei einer Million Ende 2020.

    Als Physiker sollte Merkel um die Folgen exponentiellen Wachstums wissen. Warum sollte das exponentielle Wachstum der letzten 5 Jahre bei den Neuzulassungen enden?

    Dass das Millionenziel kassiert wurde, obwohl es auf Basis der Wachstumszahlen der letzten Jahre realistisch erreichbar ist, stellt doch auch wieder nur einen Baustein der Verhinderung dar. Nur wer ein Ziel gar nicht erreichen will, gibt 3,5 Jahre vorher auf.

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