Elektromobilität – falsch beraten in Teltow

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich an Sie mit einer Beschwerde. Eine gute Bekannte von mir hat sich vor Kurzem in Ihrem Autohaus in Teltow nach Elektroautos erkundigt und wurde dort komplett falsch beraten. Folgendes wurde ihr erläutert:

  1. Elektroautos fahren nur mit Kohlestrom und leisten keinen Beitrag zum Klimaschutz
    Diese Aussage ist falsch.
    Kein E-Auto fährt nur mit Kohlestrom, schon gar nicht im Landkreis Potsdam-Mittelmark, in dem bereits mehr als 90% des Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Doch selbst mit Kohlestrom (820 g CO2 pro km, Quelle: IPCC 2014) betragen die CO2-Emissionen pro km (Durchschnittsverbrauch 15 kWh/100 km) 123 g pro km und liegen damit unterhalb der aktuellen CO2-Werte aller im April zugelassenen PKW in D (130 g CO2 pro km). Zu den Werten der Verbrenner sind aber noch 15% Vorkettenemissionen aus Förderung, Transport, Lagerung und Verarbeitung in Raffinerien zuzurechnen, daher schneidet das E-Auto sogar mit Kohlestrom besser ab. Nimmt man die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Stromerzeugung (480 g CO2 pro kWh; 2016), dann liegt das E-Auto bei nur noch bei 72 g CO2 pro km. Diesen Wert schafft kein aktueller Benziner oder Diesel und auch Hybride nur mit größter Mühe. Mit einem zertifiziertem Ökostromvertrag fährt das Auto nur noch mit wenigen Gramm pro km und bläst den Menschen weder Stickoxide noch Feinstaub direkt in die Lungen.
  2. Das Batterierecycling sei ungeklärt
    Auch diese Aussage ist falsch, da alle namhaften Hersteller bereits intensiv am Recycling der Fahrzellen arbeiten. Zudem sind Autoakkus noch lange nutzbar, z.B. als stationäre Akkus oder in Inselsystemen, bis diese endgültig dem Recycling zugeführt werden müssen (ca. 25-30 Jahre).
  3. Die Zellherstellung benötigt so viel Energie, das lohnt nicht
    Ebenso ist diese Aussage falsch.
    Richtig ist, dass die Herstellung von einer Speicherkapazität mit 75-150 kg CO2 angesetzt werden kann. Bei einem PKW-Akku mit 22 kWh sind das max. 3,3 Tonnen CO2. Durch die Einsparungen beim Fahren ist dieser Wert nach 25-40.000 km wieder eingeholt. Zudem muss von diesem Wert all das abgezogen werden, was für ein E-Auto nicht hergestellt werden muss und auch nie ersetzt oder repariert werden muss, da auch Verbrennerfahrzeuge nicht am grünen Baum wachsen.
  4. Es gibt für E-Autos zu wenige Ladestationen
    Ja, aber daran sind auch die Hersteller schuld. Bis auf Tesla baut kein PKW-Hersteller, vor allem kein deutscher, Ladestationen. Erst jetzt, angesichts der massiven Konkurrenz aus Asien, schein da langsam was in Bewegung zu kommen. Anstatt meine Bekannte zu beraten, wo man laden kann und was sie in ihrer Garage braucht, wird Unsicherheit verbreitet. Sorgen Sie als Volkswagen besser dafür, dass es mehr Ladestationen gibt!
  5. Sie braucht eine Ladestation von VW
    Falsch, sie hätte den E-up mit jeder Wallbox mit Typ2-Anschluss laden können und braucht natürlich nicht eine Wallbox von VW. Auch hier wieder: Anstatt einer korrekten Beratung, wieder nur Verunsicherung. Anstatt sich ein Zusatzgeschäft zu verschaffen (E-Check, Wallbox, ggf. Solaranlage), wird purer Unsinn erzählt.

Meine Bekannte war massiv verunsichert, da ich ihr sehr zum Umstieg auf ein E-Auto geraten hatte und sie eigentlich einen E-up kaufen wollte. Nun wird sie Ihr Autohaus meiden und sich einen Renault ZOE zulegen.

Gut gemacht!

Gerade in Zeiten von Diesel-Gate und dem vielbeschworenen neuen Denken bei Volkswagen halte ich ihre Beratung für unerträglich. So wird das nichts mit der Elektromobilität bei Volkswagen, gar nichts.

Übrigens: Raten Sie mal, was der Verkäufer meiner Bekannten geraten hat…richtig, sie solle sich einen Diesel kaufen. Man glaubt es nicht.

Mit freundlichen Grüßen

J. Affeldt

Gesendet von Mail für Windows 10

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2 Kommentare

  1. Ich möchte mich gerne auch so „kompetent“ beraten lassen. Zu welchem Autoverkäufer in Teltow muss ich gehen?
    … etwas Ähnliches ist mir schon einmal in Oerlinghausen-Kreis Lippe passiert.
    Ich denke, der Chef kann den Mitarbeiter aus „wichtigem Grund“ sofort entlassen, wenn er denn anderer Meinung ist. 🙂

  2. Vielen Dank für die zusammenfassende Darstellung!

    Was ich besonders traurig finde, in dem Bundesland mit Ökostrom-Überschuss wird das Elektroauto besonders schlecht gefördert. Hier müsste die Ladesäulendichte besonders hoch sein. Dafür ist man im Süden rührig, wo zuwenig Ökostrom erzeugt wird. Die bezahlen bei den Trassenkosten auch nur den Bundesdurchschnitt.

    M. E. würden die Trassenkosten in Brandenburg sinken, wenn man den Ökostrom teilweise lokal und zeitgesteuert stärker abnehmen würde. Die zeitgesteuerte Abnahme würde gerade in Brandenburg viel Sinn machen.

    Beim 5. Punkt musste ich schmunzeln. Gefühlt könnte dies nur ein Hersteller sein.

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