Sauber, günstig, sinnvoll: gesteuertes Laden von Elektrofahrzeugen

Was haben eine Wärmepumpe, eine Elektroheizung und ein Elektroauto gemeinsam? Richtig: Sie verbrauchen Strom. Was trennt sie? Die Wärmepumpen und die Elektroheizungen dürfen von reduzierten Stromtarifen profitieren, die Elektrofahrzeuge nicht. Halt! So war es bisher, denn Paragraph 14a des EnWG besagt nun klar und deutlich:

„Betreiber von Elektrizitätsverteilernetzen haben denjenigen Lieferanten und Letztverbrauchern im Bereich der Niederspannung, mit denen sie Netznutzungsverträge abgeschlossen haben, ein reduziertes Netzentgelt zu berechnen, wenn mit ihnen im Gegenzug die netzdienliche Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen, die über einen separaten Zählpunkt verfügen, vereinbart wird. Als steuerbare Verbrauchseinrichtung im Sinne von Satz 1 gelten auch Elektromobile.“

Damit ist der Weg frei, reduzierte Stromtarife („Autostrom“) auch für Elektrofahrzeuge anzubieten und zu nutzen. Voraussetzung ist das Vorhandensein eines separaten Stromzählers mit Tarifsteuergerät, der den Strombezug zu den Sperrzeiten, die durch die lokalen Netzbetreiber festgelegt werden, zu unterbrechen. Haushalte, die bereits via Wärmepumpe oder Elektroheizungen heizen, haben solch einen Stromzähler bereits und können die Wallbox für das Elektrofahrzeug daran anschließen. Fürs Laden kann das der gleiche Tarif genutzt werden (kWh-Preis: 16-19 Ct, Grundgebühr für den Zähler: 3-10 Euro; je nach Anbieter und Tarif). Angemerkt sei, dass bereits seit längerer Zeit die frei Wahl des Stromanbieters für „Heizstrom“ möglich ist. Der Zwang beim lokalen Grundversorger den Heizstrom zu beziehen existiert nicht mehr.

Auf die ganze Geschichte bin ich selber durch das Autostrom-Angebot des Anbieters „natürlich-grün-Strom“ gekommen und habe daraufhin beschlossen, einen solchen separaten Zähler installieren zu lassen, da bei uns ohnehin der Umsteig von Erdgas auf Wärmepumpe beschlossene Sache ist. Der Zähler hätte also sowieso eingebaut werden müssen.

Schnell war ein kompetenter Elektriker gefunden. Gebauso schnell wurde dann aber der Antrag beim zuständigen Netzbetreiber (e.dis, Brandenburg) abgelehnt. Erst ein energisches Schreiben an den Netzbetreiber mit Verweis auf den o.g. Paragraphen führte zum Einlenken der e.dis. Der Weg war damit frei.

Danach ging alles sehr schnell. Der Zählerkasten samt Verteilung war an einem Tag installiert, die vorhandene Wallbox daran angeschlossen (vorher am Haushaltsstrom) und nach wenigen Tagen wurde der neue Zähler eingebaut. Und bereits in der ersten Nacht erfolgt die erste Ladung zum günstigen Stromtarif. Die Renault ZOE wurde auf Ladung ab 2 Uhr nachts programmiert – am Morgen war sie vollständig geladen. Bereits die erste Ladung ersparte mehr als einen Euro Stromkosten.

Sinn und Zweck ist aber nicht nur das kostengünstige Laden (bei uns nun € 1,89 pro 100 km). Das gesteuerte Laden bringt natürlich auch Vorteile für das Stromnetz. Denn warum muss ein eAuto dann laden, wenn mittags oder abends alle Haushalte ihr Essen kochen und die Netz stark belastet werden? Eine ZOE zieht beim Laden bis zu 22 kW. Das entspricht dem Grundverbrauch von rund 100 Haushalten bzw.  dem „Kochverbrauch“ von locker 4-5 Haushalten. Wenn das mehr und mehr Elektrofahrzeuge so machen, kommt das lokale Netz sehr schnell an seine Grenzen. Ausbau- und Umrüstkosten sind die Folge, die auf die Netzkunden umgelegt werden. Dies ergibt überhaupt keinen Sinn, zumal es in so gut wie allen Fällen kein Problem ist, tagsüber und abends für 1,5 Stunden auf die Möglichkeit zu verzichten, das Auto zu laden (Sprerrzeiten des Zählers). Im Notfall kann via Schuko an einer normalen Außendose jederzeit geladen werden.

Weiter gedacht: Warum können nicht viel mehr Haushaltsgeräte, vor allem Kühl- und Gefriergeräte, tagsüber und am Abend mal eine kurze Pause machen, um die Netze zu entlasten? Gerade diese Geräte sind dauerhaft in Betrieb, jeder Haushalt hat sie und verbrauchen tun sie dazu auch nennenswerte Strommengen.

Noch weiter gedacht heißt das: Stromverbrauch muss in Zukunft viel mehr als heute gesteuert stattfinden können, z.B. nach Belastung der Netze und/oder nach Erzeugung aus Wind, Sonne, Biomasse, Wasserkraft oder Füllstand von Stromspeichern. Die Energiewende wird ohne intelligente Nutzung nicht gelingen. Ich habe vor längerer Zeit gelesen: 60% erneuerbare Energie sind problemlos in die aktuellen Netze integrierbar, wenn die StromNUTZUNG viel stärker als bisher gesteuert wird. Und diese Aussage stammte von einem der großen Netzbetreiber. Erst danach wird es ohne Speicher und/oder gesteuerte Industrieproduktion bzw. gezielte Power-to-Gas-Produktion nicht mehr gehen.

Zurück zu unserem Stromzäherprojekt. Wie bereits gesagt, kann man jeden angebotenen „Heizstrom“-Stromtarif zum Laden des E-Autos nutzen; es gibt (noch) keinen Zwang zu einem speziellen Autostromtarif…obwohl ich mir vorstellen kann, dass unsere Bundesregierung ab Erreichen einer bestimmten Anzahl an Elektrofahrzeugen, über die Einführung eines solchen (besteuerten) „Autostromtarifes“ nachdenken wird (als Ersatz für verminderte Mineralölsteuereinnahmen). Vlt wird auch die gesamte PKW-Besteuerung geändert, d.h. Steuern pro Fahrzeug und nicht mehr nach getankten Litern oder geladenen Kilowattstunden. Bislang kenne ich auch nur einen Stromanbieter, der explizieht einen Autostromtarif anbietet. Aber dies kann und wird sich sicher ändern, wenn mehr und mehr E-Autonutzer danach fragen bzw. diesen einfordern.

Wie auch immer: Der Anfang ist gemacht. Bitte nachmachen.

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