Umsatzsteuerliche Abrechnung an „meiner“ Ladestation

Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren hat das Elektroauto einen großen Vorteil, man kann es an der heimischen Steckdose aufladen.

Natürlich hat so gut wie kein Verbrennerfahrer eine Tankstelle zu Hause, die Zeiten, wo das Benzin in der Apotheke gekauft wurde sind schon lange vorbei.

Will man sein Elektroauto zu Hause laden, kann man das an der Steckdose machen, aber es gibt einige gute Gründe, weshalb eine Ladestation besser ist. Ich möchte hier nicht auf diese Vorteile oder Nachteile eingehen.

Dann kommt unweigerlich die Frage auf, ob man "seine" Säule für andere Autofahrer zur Verfügung stellen möchte. Neben dieser Frage haben wir noch die Elektroautofahrer, die einen Dienstwagen fahren, bei welchem der Arbeitgeber oder das Besitzunternehmen die Kosten für die Aufladung übernehmen sollen.

Für diese Abrechnung (Gastlader oder Arbeitgeber) haben sich einige Dienstleister in Stellung gebracht. Spontan fallen mir dabei Unternehmen wie NewMotion, PlugSurfing oder TheMobilityHouse ein, allerdings gibt es weitere Dienstleister.

Ich musste feststellen, dass die Abrechner die steuerliche Situation höchst unterschiedlich einschätzen. Ich möchte hier nur auf die umsatzsteuerliche Situation eingehen.

Welche umsatzsteuerliche Situation liegt vor?

Wenn man eine eigene Ladestation an seinem privaten Stromnetz betreibt und dort den Strom für privaten Fahrten lädt ist das alles im Rahmen der privaten Vermögensverwendung.

Lädt jedoch ein Gast oder der Dienstwagen an dieser privaten Ladestation wird der private Ladestationsbetreiber zum umsatzsteuerlichen Unternehmer.

Der §2 des Umsatzsteuergesetz bestimmt den Unternehmer im Absatz 1 mit folgendem Text:

"Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt. Das Unternehmen umfasst die gesamte gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt oder eine Personenvereinigung nur gegenüber ihren Mitgliedern tätig wird."

Der Knackpunkt hier ist die Nachhaltigkeit (mehrmals) und die Einnahmeerzielungsabsicht.

Beachten Sie, es geht nicht um Gewinn, sondern um Einnahmen.

Wie man unschwer erkennen kann, wird der private Ladestationsbetreiber umsatzsteuerlicher Unternehmer, wenn er anderen gegen Entgelt den privaten Strom verkauft.

Wenn man Unternehmer ist, müssen umsatzsteuerliche Konsequenzen bedacht werden, insbesondere wenn man sich eines Abrechnungsdienstleisters bemüht. Es sind zB Fragen wie Regelbesteuerung oder Kleinunternehmerregelung zu beantworten, Steuerausweis, Vorsteuerabzug und Umsatzsteuervoranmeldungen zu klären, das alles hier zu erläutern führt zu weit und sollte unbedingt mit einem Steuerberater geklärt werden.

Ich möchte jedoch Ihren Blick für fatale Fehler der Abrechnungsdienstleister schärfen.

Es gibt einen Anbieter, der Ihnen für den von Gastnutzern oder für den Dienstwagen bezogenen Strom eine Gutschrift mit ausgewiesener Umsatzsteuer erteilt, OHNE dass Sie vorher gefragt wurden, welche Besteuerungsform bei Ihnen vorliegt. Dieser Steuerausweis führt dann unweigerlich dazu, dass die ausgewiesene Umsatzsteuer auch an das Finanzamt abgeführt werden muss; blöd, wenn man sich als Kleinunternehmer eingestuft hat. Doof für den Rechnungsempfänger (Abrechnungsdienstleister), der hat dann nämlich keinen Vorsteuerabzug. Die Gutschrift wirkt so, als würde man selbst eine Rechnung schreiben.

Ein anderer Dienstleister wiederum meint, das wäre gar ein durchlaufender Posten und Sie wären gar kein Unternehmer. Eine haarsträubende Fehleinschätzung, die irgendwann zu Ihren Lasten führt.

Was kann passieren?

Das Finanzamt führt bei dem Abrechnungsdienstleister oder beim Dienstwageneigentümer eine Betriebsprüfung durch, dort stellt man die "merkwürdigen" Abrechnungen fest und erstellt sogenannte Kontrollmitteilungen, welche an ihr Finanzamt adressiert werden. Hier wird man nun feststellen, dass Sie womöglich diesen Stromverkauf steuerlich nicht angemeldet haben und wird Sie zur Kasse bitten.

Um Ihnen den möglichen "Schaden" zu verdeutlichen mache ich folgende Beispielrechnung auf:

Ihr privater Strom kostet 30ct pro kWh, inkl. MwSt. Diesen Betrag lassen Sie sich vom Gastnutzer / Arbeitgeber erstatten. Werden nun 50 kWh ‚verkauft‘ entstehen dabei 15€ Einnahmen. In diesen 15€ stecken 19% Umsatzsteuer welche das Finanzamt im Fall der Fälle von Ihnen haben möchte. Das bedeutet, dass Sie 2,40€ von den 15€ wieder abgeben müssen, am Ende fehlt Ihnen genau dieser Betrag und es entsteht ein echter Schaden.

Man kann dem ganzen sinnvoll begegnen, aber dieses Vorgehen sollte dringend mit fachkundiger Hilfe vollzogen werden.

Als Fazit muss ich leider sagen, dass die Dienstleister in der noch jungen Elektromobilität offenbar die gleichen Fehler machen, wie es früher die privaten PV-Anlagenbesitzer gemacht haben. Die Situationen sind nämlich relativ gleich.

Pro-Tipp: Lassen Sie sich beraten!

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