Probieren geht über Studieren – und trotzdem noch nichts gekauft


Einleitung

Seit September 2016 fahre ich ein Elektromotorrad. Geschätzte 95% der Kilometer lege ich auf dem Weg zur Arbeit zurück. Das sind täglich 2 x ca. 45 km. Dazu kommen gelegentliche kurze Ausflüge. Dabei wird immer zu Hause über Nacht an der Steckdose geladen. Dann spielt die lange Ladezeit keine Rolle. Soweit so problemlos.

In der Zwischenzeit manifestierte sich aber auch der Gedanke an die Anschaffung eines E-Autos immer mehr. Neben den naheliegenden Problemen wie „hoher Preis“ und „eigentlich ist noch kein neues dran“, treibt mich schon im Vorfeld etwas anderes um. Schließlich muss das Auto dann nicht nur für den Weg zur Arbeit taugen sondern die Mobilitätsbedürfnisse einer Familie abdecken. Und die sind etwas weitreichender.

Daher sammle ich Erfahrungen mit E-Autos und in der Benutzung von öffentlichen Ladepunkten. In diesem ersten Teil soll es zunächst um die Autos selbst gehen.

Als Familienauto fahren wir seit 2014 einen Honda Jazz Hybrid. Dieses für uns nahezu perfekt passende Auto ist meine Vergleichsgrundlage, daran müssen sich alle messen. Mehr zum Fahrzeug schreibe ich ganz am Ende, damit wir hier zum eigentlichen Thema kommen können. Jetzt nur soviel: Diese Ausgangsbasis bedeutet auch, dass ich mit so mancher neuer Technik in den getesteten Autos erstmals in Berührung komme und sich die Bewertung dieser neuen Technik insgesamt mit der Bewertung der Fahrzeugspezifika vermischt. Und dann auch noch alles sehr subjektiv.

Die getesteten Elektroautos

Ich hatte bereits zwei Mal einen BMW i3 bei DriveNow gefahren. Ohne dabei die Ruhe zu haben, auf irgendwas am Auto zu achten. Es ging eher um die Abwechslung und das Ankommen. Eigentlich ist das „E“ kaum aufgefallen, außer wenn man vom Gas geht und das Auto sofort stark rekuperiert. Im Allgemeinen fuhr es sich wie ein BMW.

Als nächstes stand die Probefahrt in einem RENAULT Zoe auf dem Programm. Da so eine Probefahrt beim Händler nur eine halbe Stunde geht, konnte ich auch da kaum aufs Auto achten. Und dann wollte auch noch die ganze Familie mit. Ich fuhr, meine Frau auf dem Beifahrersitz. Sie hat mir das Herumspielen am Auto während der Fahrt strengstens untersagt. 😦 Wenigstens konnte ich sie überreden, dass sie etwas mit den vielen zu erkundenden Dingen spielt. Nach einer Viertel Stunde wurde ihr daraufhin schlecht – seekrank. Sie hat es nicht bis auf den Hof des Händlers zurück geschafft, ist das letzte Stück lieber zu Fuß gegangen.

Der e-Up

Inzwischen war mir klar, dass ich ein E-Auto alleine und auf meiner „Hausstrecke“ ausprobieren muss. Das klappte Mitte 2017 mit einem VW e-Up. Den bekam ich vom Händler über Nacht mit nach Hause und konnte einmal den Weg zur Arbeit und zurück fahren und dann zu Hause laden. Meine Erlebnisse hatte ich bereits im Forum geteilt. Beeindruckt hat mich vor allem, wie das kleine Wägelchen auf der Straße liegt. Zu den ermittelten Verbrauchsangaben siehe Tabelle unten. Die gemessenen 84 km sind auch nicht so verkehrt, Google sagte 85 km. Aber ob die 18 kWh auch im Winter bei Schnee und später vielleicht schon degradiertem Akku reichen? Das scheint mir zu unsicher. Schade, dass der Up nicht die gleichen neuen Akkuzellen wie der Golf bekommen hat.

Verbrauchstabelle
Die weiteren Autos werden nun noch näher unter die Lupe genommen.

Der Hyundai IONIQ

Im Winter Ende 2017 kommt als nächstes ein HYUNDAI IONIQ gleich für eine ganze Woche zur Miete. Neben vier bis fünf Mal Arbeitsweg wage ich mich an einen Wochenendausflug über 2 x 250 km heran. Ich werde also unterwegs auch ordentlich laden müssen. Die hervorragende CCS-Lademöglichkeit des IONIQ sollte dabei positives bewirken. Alle CCS-Ladeversuche landen aber im zweiten Teil.
Ich hab den IONIQ auch lange genug gehabt um dreimal den Verbrauch auf dem Weg zur Arbeit zu testen. Leider hab ich nicht bei jeder Fahrt jeden Wert aufgeschrieben. Aber für mich faszinierend ist: Der IONIQ verfährt (nach Angaben des Fahrzeugs) bei kalten Temperaturen die gleiche Energiemenge wie der Up bei warmen Bedingungen. Und das obwohl er viel größer ist. Und an der Steckdose ist der IONIQ sogar viel besser als der UP! Siehe Verbrauchstabelle oben.
Die Heizung auf 18°C startet mit bis zu 4 kW, sind auf Dauer dann 1,5…2 kW. Das Vorheizen von 10°C auf 18°C hab ich mit 0,66kWh an der Steckdose gemessen. Komische Sache am Rande: Bei Heizung/Klima aus, zeigt er trotzdem gelegentlich 250…500 Watt an.

Ersteindruck

IONIQ mit Tiger
Das Auto gleitet sehr angenehm dahin. Hab leider nur einen in der Grundausstattung Trend erwischt. Ich vermisse eine Lenkradheizung und eine Sitzheizung.

Assistenzsysteme

Spurhalteassistent und Abstandsassistent hat er aber drin. In Kombination mit dem Tempomaten ist letzteres auf der Autobahn sehr angenehm. In engeren Kurven lies er sich aber schon mal von Fahrzeugen auf der Nebenspur irritieren.

Der Spurhalteassistent fasziniert zwar zunächst, aber nach dem ersten Tag hab ich ihn ausgemacht. Ich wurde immer mal wieder angepiept, ich solle das Lenkrad anfassen, obwohl meine Hände dran waren. Ob’s an meinen Handschuhen lag oder daran, dass ich die Hände eigentlich immer nur entspannt aufliegen habe, wurde mir nicht klar. Für richtig gefährlich halte ich jedoch, dass ich nicht gewarnt werde, wenn der Assistent die Arbeit einstellt.

Musik

Klanglich bemerke ich keinen Unterschied zum eigenen Auto, also alles gut. Es lassen sich jedoch keine CD’s mehr abspielen. MP3’s dagegen gehen gut, mit Bildern und auch vernünftigem Springen innerhalb von Titeln.

Knöpfe

Es gibt unglaublich viele Knöpfe. Diese sind mit blauer Leuchtschrift beschriftet und für meine nicht mehr ganz jungen Augen im Dunkeln schwer zu erkennen. Am Touchscreen gibt es eine Reihe echter Knöpfe für den Schnellzugriff auf ein paar Ansichten bzw. die obersten Bedienebenen.

Einstellmöglichkeiten

Viele, viele. Den Abstand beim Abstandsassistenten, ob man einen Tempomaten oder einen Limiter haben möchte, das künstliche Fahrgeräusch kann man wegschalten. Leider merkt er sich gerade letzteres nicht. Meistens finde ich dieses Summ-Geheul nervig.

Laden

Auf Langstrecke klappt das per CCS super. Bei 0°C auf dem Autobahnparkplatz hat er immer noch mit 40 kW geladen. Und die auch bis 94% durchgezogen. Dann schaltet er ab. Und am wichtigsten dabei: Die Prognose der Ladedauer hat genau gestimmt.

Für zu Hause (oder wo man sonst noch so herumsteht und an AC lädt), kann man zeitgesteuert Laden. Also man sagt dem Auto wann er fertig sein soll und dazu noch ob man den Innenraum vorklimatisiert oder vorgeheizt haben möchte. Es lassen sich sogar die Zeiten für einen eventuell vorhandenen Nebentarif einstellen. Was ich vermisst habe, ist das Einstellen einer oberen und unteren Ladegrenze.

Kofferrraum

Der Kofferraum sieht auf den ersten Blick riesig aus. Aber er ist sehr flach. Unter dem nicht verstellbaren Zwischenboden ist es sehr beengt und uneben. Dort ist in etwa Platz für ein Ladekabel. Ich habe gemessen 101 cm x 88/70 cm x 38 cm. Das sind die mittlere Breite mal die Länge (am Kofferraumboden/an der Oberkante der Sitze) mal die Höhe. Macht gerade mal 300 Liter.

Sitzplätze

Mit dem Fahrersitz in der letzten Rastung komme ich wunderbar zu Recht. Auch auf Langstrecke alles schmerzfrei.

Auch mit dieser EinstellungDahinter kann ich dahinter noch gut sitzen und sogar die Füße verschränken.

Tempomat

Den gibt es bereits am 30 km/h. Das Losfahren von der Ampel macht er auf Knopfdruck.

Rekuperation

Die Stärke der Rekuperation lässt sich jederzeit in vier Stufen von Null bis beeindruckend mit Schaltwippen am Lenkrad einstellen. „One-Pedal-Driving“ wird dabei nicht extra aktiviert. In den schwächeren Reku-Modi wird diese bei Druck auf die Bremse erhöht.

Kriechen

Das Auto kriecht ohne Druck aufs Pedal wie ein Verbrenner mit klassischer Automatik. Das ist per „Auto hold“ deaktivierbar, so dass das Auto ohne Pedalberührung einfach steht. Was nicht gelingt, ist zentimeterweises Vortasten in engen Parklücken. Dort hopst es immer gleich zu weit.

Anzeigen

Es gibt sehr viele. Und viel zu konfigurieren. Ich vermisse lediglich die Batterietemperatur.

Kindersitze vorne

Verdammt, man bekommt fast die flache Hand nicht zwischen den Kindersitz und die Mittelkonsole um den Gurt einzustecken. Für das Kind ist das gar nicht, für den Fahrer kaum bedienbar.

Heizung/Klima

Bei eingestellten 16°C brauche ich eine Schneehose drüber um nicht zu frieren. Bei 18°C reicht die Thermohose. Handschuhe und Mütze sowieso. (Ja, ich fahre immer so, auch im Verbrenner.)

Der e-Golf

Direkt im Anschluss probierte ich noch für eine langes Wochenende den e-Golf.

Eine ordentliche Verbrauchsmessung auf meiner persönlichen Normrunde – dem Arbeitsweg – hab ich leider versemmelt. Gefühlt hat der Golf auf der Autobahn aber 20% mehr verbraucht. Dadurch war die Reichweite auch nicht besser als beim IONIQ. Richtig blöd war dabei aber die immer übertrieben positive Reichweitenschätzung. Spätestens nach einer halben Stunde Konstantfahrt auf der Autobahn sollte ein Auto doch mal mitbekommen haben, was es verbraucht und wie weit es bei dieser Fahrweise noch kommt. Nicht so der VW. Dort geht bis zum Schluss die Restreichweite schneller zurück als die Restfahrstrecke. Das verunsichert sehr! Und müsste auch nicht sein. Es kommt wohl daher, dass man bei VW immer die unrealistische Normreichweite mit in die Reichweitenprognose reinrechnet statt nur reale Fahrzeugwerte zu verwenden.

Ersteindruck

Das Auto wirkte auf mich kompakter, direkter und irgendwie passender. Dieser Wohlfühl-Effekt kommt sicherlich nicht von ungefähr, bin in meinem Leben bereits viel VW gefahren.

Assitenzsysteme

Tempomat und Abstandsassistent waren an Board, ein Spurhalteassistent nicht. Der Abstandsassistent ging gut, lässt sich aber ab und zu von dicken LKW oder Bussen auf der Nebenspur irritieren.

Musik

Klanglich hat es mir nicht ganz so gefallen wie im eigenen Auto. Irgendwie brummig in den Tiefen. Dafür lassen sich noch CD’s abspielen. MP3’s lassen sich auch gut abspielen, mit Bildern und auch vernünftigem Springen innerhalb von Titeln.

Knöpfe

Es gibt unglaublich viele Knöpfe. Diese sind weiß beleuchtet und besser zu erkennen als im IONIQ. Es wird tendenziell noch mehr über Touch bedient. Nicht einmal mehr die Lautstärke kann man über einen Drehknopf einstellen. Auch am Lenkrad ist die Anzahl der Knöpfe so hoch, dass sie teilweise zu klein werden.

Einstellmöglichkeiten

Viele, viele. Den Abstand beim Abstandsassistenten, ob man einen Tempomaten oder einen Limiter haben möchte, viele nicht E-Auto spezifische Dinge. Schade, dass man den Tempomaten zwangsweise mit Abstandsassistent nutzen muss.

Laden

Auf Langstrecke geht es per CCS nicht ganz so flott wie beim IONIQ. Beim Warten im Auto hätte ich auch gerne die wachsende Reichweite gesehen. Die zeigt er aber erst an, wenn man das Auto ausschaltet.

Für zu Hause (oder wo man sonst noch so herumsteht und an AC lädt), kann man zeitgesteuert Laden. Also man sagt dem Auto wann es fertig sein soll und dazu noch ob man den Innenraum vorklimatisiert oder vorgeheizt haben möchte. (Letzteres macht er übrigens auch aus der Batterie.) Es lassen sich sogar die Zeiten für einen eventuell vorhandenen Nebentarif einstellen. Außerdem kann man eine obere und untere Ladegrenze einstellen.

Kofferraum

Der Kofferraum hat einen verstellbaren Zwischenboden. Das untere Abteil ist auch eben und etwa 9cm hoch. Dort kann man z.B. eine ganze Ladekabelsammlung unterbringen. Ich habe gemessen 101 cm x 73/55 cm x 41/50 cm. Das sind die mittlere Breite mal die Länge (am Kofferraumboden/an der Oberkante der Sitze) mal die Höhe (mit und ohne Zwischenboden). Macht 265 bzw. 320 Liter.

Sitzplätze

Ich schiebe den Fahrersitz nur in die vorletzten Rastung. Sonst ist das Lenkrad zu weit weg.

Mit dieser Einstellung ist die Kniefreiheit dahinter wunderbar. Doch die Füße verschränken gelingt dann nicht mehr.

Tempomat

Den gibt es bereits am 20 km/h. Das Losfahren von der Ampel macht er auf Knopfdruck.

Rekuperation

Die Stärke der Rekuperation lässt sich jederzeit in vier Stufen von Null bis beeindruckend mit dem Schaltknüppel einstellen. „One-Pedal-Driving“ wird dabei nicht extra aktiviert. In den schwächeren Reku-Modi wird diese bei Druck auf die Bremse erhöht.

Anzeigen

Anzeigen im e-Golf
Das ist alles sehr vielfältig. Vielleicht schon zu vielfältig, fast noch experimentell. Ich vermisse den Ladestand (SoC) als Zahl, eine Leistungsangabe und die Batterietemperatur. Zur frustrierenden Angabe der Restreichweite habe ich mich ja oben schon ausgelassen

Heizung/Klima

Mir scheint, die 18°C im Golf sind etwas mehr als im IONIQ.

Der Nissan Leaf

Der dritte im Bunde für einen längeren Test war dann im Mai 2018 der Nissan Leaf (2. Generation). Ich durfte für Next Move eine Überführung von Leipzig nach Berlin machen und hatte das Auto einen Tag extra um meine Testrunde – zu Hause – Kita – Arbeit – zu Hause – zu drehen. Leider ist er über Nacht an der Schuko-Dose nicht wieder voll geworden. Das dürfte die Verbrauchsschätzung etwas erschweren. Als ich früh kam, zeigte er 95% und schaltete gerade auf 96% um. Dann habe ich die Ladung abgebrochen. Letzteres bedurfte übrigens einer Orgie an Versuchen auf Knöpfen der Fernbedienung und des Autos um den Stecker zu entriegeln. Irgendwann ging es dann. Ohne dass ich sagen könnte, woran es gelegen hat oder was der richtige Knopf gewesen wäre.

Wieder zu Hause zeigte der Akku 55%, hat also 41% abgebaut. Laden von 41%:1158,20kWh am Zähler über 84%:1170,37 auf 100%:1177,50kWh. Macht nach Dreisatz bis 96% 17,2kWh bzw. 17,6kWh. Nehmen wir den Mittelwert für die Verbrauchstabelle oben.

Ersteindruck

Irgendwie ist ein Elektroauto nun schon fast nichts besonderes mehr. Aber das war ja vermutlich auch Ziel von Nissan, wenn ich mir das weniger spezielle Äußere der 2. Generation und die Werbung zum Fahrzeug so anschaue.

Trotz fehlender Lenkrad-Längseinstellung passt das Auto recht gut. (Ich bin 1,86m groß, oben kurz, lange Beine.)

Aber es piept beim Rückwärtsfahren wie ein LKW. Ich will von meinem Auto nicht angepiept werden, wenn ich es ganz normal benutze!

Assitenzsysteme

Der Abstandsassistent funktioniert sehr geschmeidig. Aber ich musste einsehen, dass das im Gedränge auf der Stadtautobahn trotzdem nichts ist, grundsätzlich, nicht nur beim Leaf. Wenn man z.B. mal mit einem dicht voraus fahrenden Auto die Spur tauscht, legt das Auto eine Bremsung hin, die kein Mensch so machen würde und man Angst haben muss, dass einem jemand hinten drauf fährt.

Ein Spurhalteassistent war ebenfalls an Board. Der macht seine Sache gut, erinnert den Fahrer erst unauffällig rein optisch daran die Hände ans Lenkrad zu tun, bevor er das auch akustisch tut. Und wenn der Assistent die Spur verliert, wird man ebenfalls akustisch gewarnt.

Musik

Klanglich hat es mir nicht ganz so gefallen wie im eigenen Auto. Irgendwie brummig in den Tiefen. Es lassen sich keine CD’s mehr abspielen. MP3’s lassen sich aber gut abspielen, mit Bildern und auch vernünftigem Springen innerhalb von Titeln.

Knöpfe

Es gibt unglaublich viele Knöpfe. Diese sind amber beleuchtet und gut zu erkennen.

Einstellmöglichkeiten

Viele, viele. Den Abstand beim Abstandsassistenten, ob man einen Tempomaten oder einen Limiter haben möchte, das künstliche Fahrgeräusch kann man wegschalten. Leider merkt sich auch der Leaf gerade letzteres nicht. Scheint wohl Vorschrift zu sein. Schade auch, dass man den Tempomaten zwangsweise mit Abstandsassistenten nutzen muss. Ohne Abstandsassistent gibt es nur den Limiter. Immerhin.
Beim e-Pedal kann man ihm sagen, ob er sich die Auswahl merken soll oder nicht.

Laden

Den Leaf habe ich unterwegs gar nicht geladen. Die Batterie war für meine Strecken diesmal groß genug. Dass das Schnellladen per Chademo auf Langstrecke beim Leaf problematisch sein kann, wurde in der Community unter den Stichwort „Rapid Gate“ mehr als ausreichend erörtert.

Für zu Hause (oder wo man sonst noch so herumsteht und an AC lädt), kann man zeitgesteuert Laden. Also man sagt dem Auto wann er fertig sein soll und dazu noch ob man den Innenraum vorklimatisiert oder vorgeheizt haben möchte. (Letzteres macht er übrigens auf Wunsch auch aus der Batterie.) Was ich vermisst habe, ist das Einstellen einer oberen und unteren Ladegrenze.

Kofferraum

Der Kofferraum sieht recht groß aus. Es gibt keinen verstellbaren Zwischenboden. Aber man kann links und rechts seitlich hinter den Radkästen je ein aufgerolltes Ladekabel unterbringen. Da kommen extra zwei passenden Netztaschen mit.
Ich habe gemessen 100 cm x 80/60 cm x 60 cm. Das sind die mittlere Breite mal die Länge (am Kofferraumboden/an der Oberkante der Sitze) mal die Höhe. Macht 420 Liter. Toll!

Sitzplätze

Dass das Lenkrad keine Längsverstellung hat, lässt zunächst schlimmes befürchten. Aber mit dem Sitz ganz hinten und ganz oben und Lenkrad auch ganz oben, passt es für mich langbeinigen Sitzzwerg dann aber verblüffend gut.

Auch mit dieser Einstellung kann ich dahinter noch gut sitzen und sogar die Füße verschränken.

Rekuperation

Man hat die Wahl zwischen mittelschwacher Rekuperation und starker Rekuperation. Ersteres entspricht eher einer klassischen Automatik. Letzteres nennt NISSAN „e-Pedal“. Dann bremst er auch bis zum Stillstand.

Kriechen

Ist das e-Pedal aus, kriecht das Auto ohne Druck aufs Pedal wie ein Verbrenner mit klassischer Automatik. Ist es an, dann steht das Auto ohne Pedalberührung einfach. In beiden Fällen kann man prima rangieren, auch zentimeterweise in engen Parklücken, in ersterem Fall auf der Bremse, in letzterem Fall auf dem Gaspedal.

Anzeigen

Es gibt sehr viele Anzeigen. Viele für ein EV interessante Angaben werden aber grafisch auf einer nur grob bezifferten Skala gemacht. So z.B. die Leistungsaufnahme von Motor, Klima und Rest. Die Batterietemperatur wird sogar nur auf einer Skala ohne Werte dargestellt.

Heizung/Klima

Im Sommer musste ich die Klimaanlage auf 20°C runter drehen um es auszuhalten.

Resümee

An den Autos liegt es eher nicht, dass die Elektromobilität hierzulande so langsam vorankommt. Am hinderlichsten emfinde ich den Zustand der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Doch dazu mehr im zweiten Teil.

Ein Auto, was soviel über einen Touchscreen bedient werden will, muss zumindest für mich eine Lenkrad-Heizung mitbringen. Nur dann macht es Spaß ohne Handschuhe zu fahren.

Es manifestiert sich die grundsätzliche Erkenntnis: Auch das tollste Elektroauto mit den coolsten Assistenzsystemen ändert nichts grundsätzlich an der Langweiligkeit der täglichen 2 x 45 km.

Deswegen werde ich wohl erst ein Elektroauto kaufen, wenn es Zeit ist, das alte abzugeben. Vielleicht gibt es ja bis dahin auch das perfekte Modell. Einen Hyundai unter dem IONIQ, einen VW zwischen Up und Golf oder gar eine Neuauflage des elektrischen HONDA JAZZ? In Kalifornien hatte Honda ja sogar schon mal eine Kleinserie auf die Straße gebracht. Auch die Reservierung des Sion von Sono Motors hab ich eher aus Sympathie gemacht. Das Auto ist mir eigentlich viel zu groß.

 
Viele Grüße,
Der mit dem Tiger
 


Das Vergleichsauto: Unser Honda Jazz Hybrid

Wie oben angekündigt hier noch was dazu.

Einige für uns wichtige Vorzüge:

  • Ungeschlagene Raumausnutzung – auf 3,9 m Länge hat man Platz wie in der Golf-Klasse. Z.B. einen Kofferraum mit 280 bis 320 Liter, je nach Stellung der Rücksitzlehnen (102 cm x 70/50 cm x 52 cm). Oder um im von Bjørn Nyland verwendeten Maß zu sprechen, es sind 5 Bananenkartons.
  • Guter Antritt, fast wie klassische Automatik, nur ohne allzu sehr aufheulenden Motor.
  • Musikanlage mit gutem Klang, verspricht nichts, was sie nicht hält, kann von CD und USB-Stick spielen. Bei MP3 gibt es jedoch das Ärgernis, dass das „Vorspulen“ kaum beschleunigt. Um in einem Podcast zu Minute 60 zu gelangen, muss man dann minutenlang die entsprechende Taste festhalten.
  • Gar kein schlechtes Interieur. Die Türen sind mit so was wie Stoff verkleidet. Sicherlich ist das innovativ beschichteter Kunststoff, aber es fühlt sich wohnlicher an als direkt Plastik.
  • Es gibt einen Tempomat. Leider arbeitet er erst ab ca. 41 km/h.
  • Der Hybrid ist ein sogenannter Mild-Hybrid. Der E-Motor sitzt direkt auf der Kurbelwelle und schiebt mit oder bremst mit. Die Motoren drehen aber immer zusammen und gleich schnell. Beim rein elektrischen Fahren ist der Verbrenner lediglich über die Ventile stillgelegt, wird aber mit gedreht. Daher ist dieser Zustand auch nur der Ausnahmefall für ein paar Hundert Meter. Das Getriebe ist ein stufenlose Automatik mit Schubkette. Zwischen Getriebe und Motoren gibt es eine automatische Anfahrkupplung. Alles ist so umgesetzt, dass die Bedienung dem einer klassischen Wandler-Automatik gleich kommt. Funktioniert soweit perfekt. Nur beim langsamsten Rangieren in Parklücken bin ich unzufrieden. Spätestens, wenn einem die Start-Stopp-Automatik dazwischen funkt, wird es zum Gehoppse.
  • Das Auto ist günstig im Unterhalt.
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