Sternfahrt zum Hambacher Forst am 29. September 2018

Seit Monaten ist es in den Medien: Der Streit zwischen Umweltschützern und den Energie-Riesen um eine saubere Stromerzeugung.

Offen zu Tage kommt diese Auseinandersetzung aktuell bei der versuchten Rettung des Hambacher Forstes. Dort blockieren Umweltaktivisten, unterstützt durch eine breite Öffentlichkeit mit vielen Aktionen und Demonstrationen, den Rest eines 12.000 Jahre alten Waldes, den der Energie-Konzern RWE liebend gern weg roden will, um an einen schmalen Braunkohle-Flöz in vielen Metern Tiefe zu gelangen. Diese soll dann in den nahe gelegenen Kraftwerken für die Stromerzeugung verfeuert werden. Abgesehen von der Klimaschädlichkeit dieses Vorhabens, ist es halt eine verdammt schlechte Idee, einen Wald abzuholzen, der älter ist, als alle Nationen Europas… Hier gab es bereits diesen Wald, als alle Europäer noch mit Steinäxten ums Lagerfeuer getanzt sind und in Höhlen gewohnt haben. Nun ja, evolutionstechnisch scheint das Management von RWE noch auf diesem Stand zu sein, anders kann ich es mir nicht erklären, dass das Verbrennen fossiler Energieträger bei Ihnen immer noch so hoch im Kurs steht…

Eine der unterstützenden Veranstaltungen wurde von der Bäckerei Schüren in Hilden ins Leben gerufen. Selbst sind sie eifrige Verfechter der E-Mobilität und der erneuerbaren Energien, so war es nur eine Frage der Zeit, bis sie über die sozialen Medien zu einer e-mobilen Sternfahrt zur Mahnwache am Hambacher Forst aufgerufen haben.

Die E-Mobilisten müssen sich ja immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, dass sie ja eigentlich „nur“ lokal emissionsfrei fahren und ihre Abgase einfach nur an einer anderen Stelle erzeugt werden. Abgesehen davon, dass das allein eigentlich schon ein riesiger Vorteil für die saubere Luft in den Städten ist, ist die Belastung durch die E-Fahrzeuge selbst mit dem deutschen Strommix immer noch deutlich geringer ist, als bei vergleichbaren Verbrennern. Trotzdem ist es wichtig, dass wir auch einmal deutlich zum Ausdruck bringen, was wir wirklich wollen: Saubere Energie in unseren Akkus!

Und so war es auch selbstverständlich, dass auch wir diesem Aufruf folgten und einige Mitglieder unserer Interessengemeinschaft sich auf den Weg zum Hambi machten.

Treffpunkt für die Meisten war bei herrlichstem Sonnenschein der Ladepark Kreuz Hilden, dieser wird von der Bäckerei Schüren betrieben. Während die Fahrer und Beifahrer gemütlich frühstückten, durften die Fahrzeuge sich für die staubige Fahrt zum Tagebau auch noch einmal mit Sonnenstrom aufladen.

Nach einem leckeren Frühstück für die Fahrer und einem gefüllten Akku ging es dann los, Treffpunkt und offizieller Startpunkt für die Sternfahrt war der von RWE errichtete Aussichtspunkt „Forum Terra Nova“, dieser liegt direkt an der Abbruchkante des Tagebaus.

RWE hat hier alles dafür getan, dass die Menschen sich wie in einem Naherholungsgebiet fühlen. Ein Restaurant, ein Kinderspielplatz, ein langer Steg zum „Ufer“ und ein paar Sonnenliegen mit Schirmchen.

Das „Ufer“ entpuppte sich für uns dann ziemlich schnell als das Ufer des Grauens. Allen Teilnehmern, die sich der Kante näherten, war das Entsetzen anzusehen, als sie das erste Mal die Ausmaße dieses riesigen, menschgemachten Kraters in der Erdoberfläche sahen.

Die Gesichter spiegelten die Fassungslosigkeit gegenüber diesen Dimensionen wieder. Vereinzelt sind bei diesem Anblick auch Tränen geflossen. Kein Bild und kein Video kann das so rüberbringen…

Man konnte gerade noch so das andere Ende des Kraters erkennen, allerdings war die Sicht dorthin trotz herrlichstem Sonnenschein sehr schlecht, da ein ziemlich starker Dunstschleier die Sicht einschränkte. Zusammen mit dem permanenten Kohlestaub-Geschmack im Mund (das erinnerte mich sofort an meine Kindertage, wenn mein Vater im Winter die Kachelöfen heizte bzw. im Herbst die Kohlen in den Keller schippte) ergab das ein sehr starkes Gefühl der Niedergeschlagenheit.

Unsere Abfahrt zur Mahnwache und zu einer Wiese, nahe am Wald und dem Rand des Tagebaus sorgte dann doch für etwas Unruhe und Aufsehen. Ungefähr 85 Elektrofahrzeuge schlängelten sich von den beiden Parkplätzen herunter und verließen durch den Kreisverkehr das grauenvoll-künstliche Idyll von RWE.

Die Fahrt selbst war dann nicht weniger emotional. Wir fuhren durch bereits geräumte Dörfer, die in Kürze ebenfalls den Baggern zum Opfer fallen sollen. Vereinzelt saßen noch Menschen vor ihren Häusern, eine ältere Frau zupft auch noch das Unkraut auf dem Gehweg. Wohl wissend, dass sie nur zwei Tage später ihr Haus verlassen muss und noch bevor das Unkraut nachwachsen kann, bereits die Abrissarbeiten an ihrem Heim beginnen werden. Es war eine sehr bedrückende Stimmung…

Einzig die lange Kolonne an E-Fahrzeugen und die freundlichen Blicke der letzten Bewohner entlang der Strecke sorgten dann auch dafür, dass die gesamte Veranstaltung nicht in einem kompletten Trauerspiel endete.

Die letzten Meter ging es dann über unbefestigte Wege zu einer Wiese, wo wir uns dann versammelten. Nachdem auch die letzten der Kolonne eingetroffen waren, gab es eine kurze Ansprache der Veranstalter, die auch sehr emotional und deutlich klar machten, was wir als E-Mobilisten wirklich wollen: Saubere Energie ohne Kohleverstromung!

Unsere Zeit auf der Wiese war begrenzt, die Polizei gestattete uns nur 10 … 15 Minuten, da wir schon sehr weit hinter der eigentlichen Absperrung waren. Zurück durften wir dann auch nur in 10er Gruppen fahren, zu groß war wohl die Verkehrsbeeinträchtigung, die wir mit unserer Kolonne erzeugt haben.

Wir haben uns dann noch zu ein paar Abschlussfotos und Gesprächen am Forum Terra Nova getroffen, nach und nach fuhren dann alle Teilnehmer wieder nach Hause.

Nachtrag 07.10.2018:

Nachdem ja noch in der gesamten letzten Woche jeden Tag einmal mehr durch die Aussagen des RWE-Managements jegliche Hoffnungen für den Hambacher Forst zu schwinden drohten, kam ja dann am Freitag die erlösende Nachricht:

Hambi bleibt! – Zumindest vorerst…

Was der Energie-Riese nicht einsehen und was die (von RWE instrumentalisierte) Politik nicht umsetzen wollte, hat dann ein Gericht entschieden. Der Wald wird nicht gerodet, solange das Verfahren läuft.

Das gibt den Politikern, den Managern von RWE und allen anderen Beteiligten die Zeit zum Durchatmen und die Chance zu neuen Gesprächen.

Wenn es gut läuft, kann RWE den Image-Verlust in Grenzen halten, Politiker bekommen die Chance, doch noch im Sinne des Volkes zu entscheiden und vielleicht ist das „Symbol Hambi“ auch endlich der lang erwartete Startschuss für eine neue Energiepolitik.

Dass mittlerweile nicht nur extreme Aktivisten sondern auch eine breite Masse der Bevölkerung die Richtung unserer Regierung nicht mehr befürwortet und sich klarere Bahnen wünscht, zeigt der friedliche Protest bei der gestrigen Großdemonstration am Hambacher Forst.

Die Veranstalter gaben eine Zahl von 50.000 Teilnehmern an, die umliegenden Autobahnen waren verstopft, die Züge der Deutschen Bahn ebenfalls. Ob es jetzt 10.000 Teilnehmer mehr oder weniger waren, spielt eigentlich keine Rolle: Es war eine der größten Umwelt-Demonstrationen in diesem Jahrtausend. Und es zeigt, dass sich mittlerweile alle Gesellschaftsschichten dafür interessieren, was mit unserer Umwelt passiert. Dass sie eben nicht geopfert wird zum Wohle der Profite einiger Konzerne, sondern schützenswert ist, damit auch zukünftige Generationen noch eine Lebensgrundlage haben.

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