Einmal Ostsee und zurück

An die Ostsee, genauer gesagt nach Rerik, sollte es in diesen Herbstferien gehen und das vollelektrisch, mal schauen, wie das geht. Unter diesem Motto machten wir uns zu zweit samt Hund und jeder Menge Gepäck in einem NISSAN Leaf 2 auf den Weg. Den Leaf hatten wir uns von nextmove aus Berlin ausgeliehen. Es war das erste Mal, dass ich in einem Leaf 2 unterwegs war, dementsprechend gespannt waren wir darauf, wie sich der Wagen so schlagen würde.

Von Anfang an standen wir aber vor einem Problem: In Rerik gibt es derzeit noch keine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge, doch dazu gleich mehr.

Unsere Strecke sollte uns über die A24 Richtung A14 an Schwerin und Wismar vorbei nach Rerik führen, insgesamt 285km von unserem Startpunkt im Süden Berlins entfernt – eigentlich keine große Sache. Für die Fahrt mit dem Leaf bedeutet das eine Zwischenladung bei einer angenommenen Reichweite von ca. 200 bis 220 km (inkl. Heizung).

Gestartet mit voll geladenem Akku ging es dann auf die erste Etappe (125 km) bis zur Schnellladestation Prignitz-Ost. Diese Strecke war problemlos und eher durch Baustellen gezeichnet, als durch freie Fahrt. So kam es zu einem ersten Durchschnittsverbrauch von 14,5 kWh/100km. Kein Ding für den Leaf und mit 51% SOC erreichten wir die Ladestelle.

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Schnellladen an der Autobahn – Prignitz-Ost

An dieser luden wir dann 20 Minuten bis 81%. Gemäß der bisherigen Strecke sollte das dann locker bis Rerik reichen, doch weit gefehlt, denn ich hatte das Streckenprofil nicht ausreichend betrachtet und so stieg der Verbrauch, nicht zuletzt dem Gegenwind geschuldet, deutlich an. Kurz vor Wismar war klar, dass wir 10% mehr hätten einladen müssen, um Rerik zu erreichen. Also entschieden wir uns kurzentschlossen, an der Schnellladestation in Wismar noch einmal zu laden und die Zeit für einen Stadt- und Hafenbummel zu nutzen. Gesagt, getan. Die Schnellladestation in Wismar (Dr. Leber-Straße) ist sehr zu empfehlen: gut ausgeschildert und unmittelbar an der Altstadt gelegen. Bis Ende des Jahres lädt man dort kostenlos!

Vollgeladen ging es dann weiter Richtung Rerik.

Ein paar wenige Worte zu Rerik, denn mit Rerik verbinde ich nun eine Art Hassliebe. So schön Rerik, wunderschön gelegen zwischen Salzhaff und Ostsee ist, so unfähig (oder unwillig) hat sich die Kurverwaltung angestellt. Es war nicht möglich, uns wenigstens irgendwo einen Zugang zu Strom zu ermöglichen. Ich hatte schon vor der Reise dort angefragt und zahlreiche Möglichkeiten aufgezählt, wo und wie der Leaf geladen werden kann. Doch keine Chance. Auch die Anfragen beim Vermieter der Ferienwohnung, bei der Feuerwehr und im Hafen, bei Elektrikern und Fahrradläden blieben ohne Erfolg oder sogar – noch schlimmer – ohne Antwort. Geht man so mit Gästen um?

Blieb einzig eine private Lademöglichkeit an einer anderen Ferienwohnung (sogar mit Wallbox und Typ2-Stecker), doch dort starteten nun just in dem Moment, an dem wir dort ankamen, Bauarbeiten, so dass wir die Ladestation nicht erreichen konnten. Dem dortigen Anbieter gebührt aber mein großer Dank, den er hat sich alle Mühe gegeben, uns das Laden bei sich zu ermöglichen; an den schleppenden Bauarbeiten konnte er aber auch nichts ändern. Inzwischen sind die Arbeiten sicher abgeschlossen und somit bildet diese private Ladestation die einzige Möglichkeit, in Rerik ein Elektroauto mit Strom versorgen – ein Trauerspiel. Hat doch Rerik mehr als genug Platz und Möglichkeiten (u.a. drei Großparkplätze). Hoffentlich hat man in der Kurverwaltung nun ein Einsehen und kümmert sich darum.

Uns bleib also nichts anderes übrig, als immer dort zu laden, wo wir die Tage verbrachten: Wismar und Rostock haben Schnellladestationen und weitere Ladestationen und Kühlungsborn waren unsere Ladestellen. Insb. das Hotel Westfalia in Kühlungsborn, direkt am Meer gelegen, will ich hier hervorheben. Der Eigentümer hat uns sehr freundlich empfangen und wir konnte auch als Nicht-Gäste dort zweimal laden – vielen Dank.

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Typ2-Wallbox (22 kW) am Hotel Wetfalia (35 Cent pro kWh; Strom aus dem BHKW)

Kurios auch unser Ladestopp auf der Insel Poel, dort luden wir an einer eBike-Ladestation an einem netto-Markt. Auch auf Poel scheint die elektromobile Zukunft noch nicht angebrochen zu sein. Auch hier gibt es an mehreren Stellen Großparkplätze für die Inselbesucher, doch keine Lademöglichkeiten. Ein Unding.

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Wenigstens Schuko: Wir laden an der eBike-Ladestation auf Poel (Kirchdorf)

Fazit: Wenn man nicht vor Ort laden kann, z.B. an Schuko über Nacht, sollte man sich definitiv einen anderen Ferienort aussuchen. Wir waren nicht eingeschränkt, aber im Hinblick auf die Rücktour, die mit halbwegs vollem Akku losgehen sollte, um mehrfaches Schnellladen am Leaf zu vermeiden (Stichwort: Rapidgate), waren wir ein klein wenig eingeschränkt. Schlechte Infrastruktur und die Eigenheiten des Leafs kamen hier zusammen.

Die Rückfahrt begann dann bei 86% und als Ziel hatten wir die Schnellladestation am Autohof in bzw. bei Neustadt-Glewe eingeplant. Die Strecke dorthin umfasste 100 km, Gegenwind und viele, langgezogene Anstiege, die den Stromverbrauchh ansteigen ließen: 20 kWh flossen durch den Akku für diese Strecke. Im Nachhinein eigentlich nicht viel, das sind umgerechnet gerade mal 2 Liter Benzin und das für diese Strecke, all unser Gepäck, uns beide und unsere Tochter (die per FlixBus – leider nicht elektrisch) nachgekommen war und Hund und natürlich Heizung.

In Neustadt-Glewe war die Ladestation durch einen eGolf besetzt, der sich aber kurz nach unserem Eintreffen auch auf den Weg Richtung Berlin machte. Auch diese Ladestation von Allego konnten wir problemlos mit der RFID-Karte von Maingau freischalten. Der Ladestopp dauerte dann 50 Minuten (33 bis 95%), den wir bei Route24 für ein zweites Frühstück zzgl. Hunderunde nutzen. Der Rest der Tour verlief dann problemlos. Zuhause angekommen hatten wir noch 20% SOC, wir hätten also auch noch etwas schneller fahren oder etwas weniger laden müssen, aber eine Reserve sollte man auch immer im Blick haben.

Noch ein Wort: Wir hätten auch noch gerne am Rasthof Prignitz-West geladen, aber diese Schnellladestation, betrieben von E.ON, sollte man besser vergessen. Sie ist schlicht nicht zu gebrauchen.

Fazit: Immer wieder gerne, auch wenn etwas Planung nötig ist. Aber die 908km emissionsfrei unterwegs gewesen zu sein, hat großen Spaß gemacht und macht Lust auf Meer… Der Leaf ist ein tolles Auto und fährt sich klasse. Es wäre sehr zu wünschen, dass NISSAN nicht so bei der Ladetechnik gepatzt hätte (Rapidgate und nur 7,4 kW Ladeleistung an Typ2 mit 22 kW; an 11 kW lädt er nur mit 3,7 kW aufgrund des einphasigen Ladegerätes).

Ein Kommentar zu „Einmal Ostsee und zurück

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  1. Die Ladestation an unserer Ferienwohnung ist nun in Betrieb und kann von jedem genutzt werden. Unsere Gäste laden kostenlos, jeder andere kann die Ladestation Vellamo mit Plugsurfing freischalten.
    Auch die Kurverwaltung ist informiert und sollte nun jeden, der in Rerik laden will an uns verweisen.
    Ich hoffe, der nächste Trip nach Rerik verläuft dann problemlos. Rerik ist immer eine Reise wert.
    Ferienwohnung Vellamo, Leuchtturmstr. 3a, 18230 Rerik, https://www.vellamo.de/sleep-charge

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