EON-Drive – ein Trauerspiel ohne Ende?

Wir haben mehrfach darüber berichtet, endlos viele Mails geschrieben und ebenso endlos viele Mails von EON-Drive als Antworten bekommen: Jetzt, ja wirklich, jetzt wird endlich alles besser. Stimmt das?

Es geht im Speziellen geht es um die beiden für uns Elektromobilisten in Berlin und Brandenburg sehr wichtigen Schnelllade-Standorte in Berlin (T&R-Rastplatz Grunewand an der AVUS) und an der A24 Prignitz-West und -Ost.

Hatten beide Standorte in den vergangenen Monaten teils erheblich Probleme mit der Freischaltung zum Laden – die aktuell scheinbar behoben worden – so stellt der verwunderte ePilot eine seltsame Vermehrung an Ladestationen fest, die es gar nicht gibt. Ein Blick dazu auf die Seite http://www.eon-drive.de/laden:

Zunächst der Rastplatz Grunewald:

Grunewald_1 (Screenshot: http://www.eon-drive.de/laden)

Gemäß der EON-Webseite gibt es also dort 6 Ladeanschlüsse. Wie wir wissen, stimmt das nicht, denn es sind nur drei (je einmal AC, CCS und CHAdeMO).

Zoomen wir den Ausschnitt auf der Karte der EON-Webseite näher heran…

Grunewald_2

…werden dort ganze drei Ladestationen angezeigt: einmal in Grün, einmal in Rot und dann noch der Tag von Google-Maps in Blau-Grau. Als Ortskundige erkennen wir auch: Einzig der Google-Tag ist korrekt positioniert, die Standort-Symbole von EON sind beide falsch (der eine befindet sich auf der BAB-Ausfahrt, der andere im Bereich der dortigen Tankstelle).

Klicken wir das tote Symbol an:

Grunewald_3 Ein Klick auf das rote Symbol öffnet die Übersicht der vorhandenen Ladeanschlüsse. Wir erkennen dort die tatsächlich am 3in1-Lader vorhandenen DC-Anschlüsse, einmal CCS, einmal CHAdeMO. Korrekt. Wo aber ist der ebenfalls vorhandene AC-Anschluss?  Versteckt er sich hinter dem grünen Symbol?

Grunewald_4

Leider nein, doch dafür gibt es hier angeblich 2 weitere CHAdeMO-Anschlüsse. T&R am Grunewald ist also zu einem Paradies für CHAdeMO-User geworden. Es stehen ganze 4 CHAdeMO-Anschlüsse und nur ein CCS-Anschluss laut EON-Webseite zur Verfügung, was leider nicht der Realität entspricht.

Fazit: Positionen falsch, Anzahl der Anschlüsse falsch, Arten der vorhandenen Anschlüsse unvollständig. In der Schule gäbe es dafür ein „Mangelhaft“.

Soll mit Hilfe der EON-Webseite eine Fahrt auf der A24 Richtung Hamburg oder z.B. an die Ostsee geplant werden, stößt man am BAB-Dreieck Wittstock/Dosse scheinbar auf ein weiteres Ladeparadies. Ganze 12 Ladeanschlüsse sind dort angeblich vorhanden:

Prignitz_1

Auch bei stärkeren Zoom ändert sich nichts daran…

Prignitz_2

Man muss schon sehr nahe heranzoomen, um mehr zu erkennen:

Prignitz_3

Aha, nach diesem Bild gibt es also links und rechts der Autobahn Lademöglichkeiten. Aber erst, wenn man sehr (!) nahe heranzoomt wird das Problem sichtbar:

Prignitz_4

(Ausschnitt zeigt Prignitz-Ost)

Scheinbar gibt es dort drei Ladestationen. Wir erkennen in Blau-Grau den Google-Tag und weiter oben zwei Symbole (in Grau und Grün). Diese sind aber so ungeschickt positioniert worden, dass sie sich überlagern und erst bei maximalem Zoom einzeln sichtbar werden. Wir klicken auf das grüne Symbol und danach auf das graue Symbol:

Prignitz_5Prignitz_6

Gemäß dieser Angaben gibt es hier also zwei AC-Anschlüsse (Typ2) und keinen DC-Anschluss. Ortkundige wissen aber, es gibt dort einen 3in1-Lader, wie üblich mit einmal AC und zweimal DC (CCS und CHAdeMO).

Die falsch angezeigte Anzahl der Ladeanschlüsse folgt aus der unsinnigen Addition des Google-Tags und der EON-Säulen. So geht das aber nicht.

Es gibt noch weitere Beispiele, aber diese beiden zeigen mehr als deutlich: EON kann es nicht oder EON will es nicht (können) – zumindest drängt sich dieser Eindruck auf. Der (ggf. noch unerfahrene) Elektroautonutzer wird damit unnötig verwirrt.

Wie lange müssen wir uns das noch gefallen lassen? 

Mein ganz persönliches Fazit: Planung, Aufbau und Betreuung der Ladeinfrastruktur in Deutschland liegen (zum Teil) in den falschen Händen. Nur wenige Betreiber sind mit Herzblut dabei, die anderen scheinen es zu machen, weil sie es müssen oder sollen. Aber sie können es nicht oder wollen es nicht (können), sie prüfen Ihre eigenen Informationen nicht, testen zu wenig, haben zu wenig Erfahrung. Der Betrieb von Ladestationen ist für viele neu, kostet Geld und bringt (aktuell) nichts ein. Man macht es, weil man möglichst billig Pflöcke in den Boden rammen will (oder muss?), damit man, falls es doch was wird mit der Elektromobilität im Autoland Deutschland, nicht ganz dumm aus der Wäsche guckt. Und dann ist ja da noch Tesla. Denen will man das Spiel nicht ganz überlassen. Aber das aktuelle Engagement reicht bei Weitem nicht aus. Zu wenig, zu schlecht und viel zu teuer.

Beim Hören des Podcasts „malik.fm“ (aktuelle Folge) genau das Gleiche an anderen Stellen in Deutschland, und (leider) wieder an E.ON-Ladesäulen.

Als ePilot muss man in Deutschland immer noch, wir haben Ende 2018, Einiges wegstecken können und sehr engagiert sein. Von „einfach Fahren und einfach Laden“ sind wir noch weit entfernt, insbesondere im Vergleich mit anderen Ländern. Dass man unter diesen Umständen auch noch Geld von den Ladekunden haben will und wir Kunden Preise zu bezahlen haben, die die heimischen Stromkosten teilweise deutlich übersteigen, und Tarife akzeptieren müssen, die alles andere als fair sind, setzt dem ganzen noch die Krone auf.

Deshalb unterstütze ich den Vorschlag, die Ladeinfrastruktur in die Hände der Netzbetreiber zu legen. Diese bauen die LS auf, betreiben und warten diese. Auf diese „neutralen Stromanschlüsse“ kann dann jeder Provider drauf, der will. Jeder kann seinen Tarif anbieten. Der Beste wird das Rennen gewinnen. Das wäre zudem endlich echter Wettbewerb.

Und noch einmal: Liebe Betreiber von Ladeinfrastruktur, liebe Gemeinden, Kommunen und Städte: Wenn Ihr Ladeinfrastruktur aufbauen wollt, dann greift auf die Erfahrung von Menschen zurück, die schon lange elektrisch unterwegs sind. Dazu sind wir da.

(J. Affeldt)

 

 

 

3 Kommentare zu „EON-Drive – ein Trauerspiel ohne Ende?

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  1. Wtf?

    Da haben sich Web-Programmierer und Eintrager aber nicht abgestimmt. Denn für mich heißt „1:“ = 1. Anschluss; bei 1 Ladesäule heißt das dann 1 Markierung mit 1: CCS, 2: AC, 3: CHAdeMO mit Angabe der maximale Leistung.

    Die Summe meint alle verfügbaren Anschlüsse, aber angezeigt werden die Zahlen Ordinalzahlen (1.,2.,3…). Die Zahlen selber durfte dann der Praktikant eintragen, der noch nie vor Ort war.

    Aber mal im Ernst:
    Welcher Elektromobilist verlässt sich auf die Betreiber-Datenbanken, wenn er Ladesäulen sucht oder etwas über diese wissen will? In Going Electric sind die Angaben jedenfalls korrekt.

  2. Und wieso sollten es die Netzbetreiber, denen das zwangsweise aufgedrückt werden müsste, besser machen als E.ON? Zumal E.ON über die Tochter E.DIS ja selbst Netzbetreiber ist. Allego war lange Zeit Tochter des Netzbetreibers Alliander. Haben die dadurch besser gearbeitet? Vattenfall ist in Berlin über eine Tochtergesellschaft Netzbetreiber, stellt sich aber ziemlich tollpatschig in Sachen Elektromobilität an. EWS Schönau ist in Schönau Netzbetreiber und macht gar nichts in Sachen Elektromobilität, da PKW böse ist. Stadtwerke Greifswald waren mal als Netzbetreiber gut dabei in Sachen Elektromobilität – bis der daran interessierte Mitarbeiter in Rente ging.

    Ich sehe also wenig Positivbeispiele in Deutschland für elektromobilitätsfreundliche und engagierte Netzbetreiber.

    1. Nun, ich denke einfach, dass dadurch die Gefahr, dass selbstgerechte Monopole entstehen – genau das passiert ja jetzt – deutlich gemindert wird. Kommen mehrere Anbieter auf eine Säule entsteht zudem mehr Druck, dass diese auch funktioniert. Zudem werden solche Sachen wir das „Berliner Modell“ vermieden, denn nur Konkurrenz stärkt das Geschäft.

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