Märchen und Mythen

Update vom 10.7.2019:
Inzwischen hat der Autor des Beitrages geantwortet und stellt die Äußerungen als Meinungen der Besucher dar. Hat er aber so im Beitrag nicht eindeutig getan. Die Fragen wurden eben nicht als Meinungen der Besucher gekennzeichnet. Auch müsse ich akzeptieren, dass es eben andere Meinungen zur Elektromobilität und zu Elektroautos gäbe.

Na klar akzeptiere ich diese. Damit setzen wir uns von der IGEMBB ja seit 10 Jahren auseinander. Aber: Meinungen wiederzugeben, ohne diese einem Faktencheck gegenüberzustellen, das ist keine gute journalistische Arbeit. Das ist zu einfach und zu billig.

Daher hier der Faktencheck im Kurzform:

  1. Nein, im Elektroauto muss man im Winter im Stau nicht frieren, die Heizung läuft noch viele Stunden weiter. Klar ist aber auch, dass das nur geht, solange noch Strom im Akku ist und dieser sollte auch nicht völlig entleert werden, da man ja irgendwann weiter fahren kann oder will. Aber: Auch im Tank eines Verbrenners ist nicht unendlich viel Energie – irgendwann ist auch der leer und dann wird es eben kalt. Im Stand und bei laufender Heizung oder Klima verbraucht ein Verbrenner 0,5 bis 1,5 Liter pro Stunde, d.h. auch hier ist irgendwann kalt und längst nicht alle haben eine effiziente Standheizung.
  2. Wenn man sich mit Akkus beschäftig muss man Lebensdauer und Nutzungsdauer unterscheiden lernen. Lebensdauer ist die Zeit, in der eine Akkuzelle oder eine ganze Batterie tatsächlich technisch genutzt werden kann. Das sind in der Regel 20-30 Jahre. Die Nutzungsdauer ist dagegen die Zeit, in der man die Batterie in einem Fahrzeug nutzen will. In der Regel sind das 8-12 Jahre, nämlich solange, bis die nutzbare Kapazität auf etwas 70-80% gefallen ist. Dann ist die Batterie aber nicht defekt oder am Ende der Lebensdauer angekommen. Ggf. will nun der Nutzer, dass die Batterie ausgetauscht wird. Solche Möglichkeiten bieten z.B. bereits BMW, Renault und NISSAN. Auch Tesla hat schon Batterien getauscht, allerdings selten gegen ganz neue, sondern gegen solche, in denen einzelne Blocks getauscht wurden. Das machen auch Nutzer von älteren Toyota Prius-Modellen, die so nach 200-300.000 km (!) einzelne Zelldefekte haben. In der Regel ist diese 70-80%-Schwelle nach 150-200.000km erreicht (VW zB gibt 160.000km Garantie). Bei runden 14.000km pro Jahr kann ein und dieselbe Batterie also ein Autoleben genutzt werden. Und merke: Erreicht ein Akku diese Schwelle, kann der Nutzer entscheiden, damit weiter zu fahren, oder den Akku zu verkaufen, da dieser wertvolle Ressourcen beinhaltet, die eben nicht verbrannt wurden, sondern noch 1:1 im Akku enthalten sind, insb. gilt dies für Kupfer, Lithium und Kobalt – diese unterliegen keiner Alterung und keinem Verbrauch.
  3. Und wer es gut findet, dass Autos nach Afrika oder sonstwohin verschifft werden, kann mal hier nachlesen, weiter recherchieren und sich dazu eine Meinung bilden.

Das sind Fakten – gerne hätten wir diese im Beitrag gelesen.

 

Die Lausitzer Rundschau berichtete am 8.7. unter der Überschrift „Dampfkraft trifft auf Elektromobilität“ über die 10. EnergieSpar-Messe in Domsdorf. In dem Beitrag werden Fragen zur Elektromobilität aufgeworfen, die nicht oder unsachlich beantwortet wurden. Wir haben uns daher wie folgt an die Redaktion der LR gewandt. Hier der Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,
im o.g. Beitrag führen Sie folgende Fragen auf: (Zitat)
„Doch was passiert, wenn das zu beheizende Fahrzeug bei eisigen Temperaturen im Stau stecken bleibt und es anderen Betreibern genau so ergeht?
Und was passiert, wenn das E-Fahrzeug als Gebrauchter verkauft werden soll?“
Leider bleiben die korreten Antworten aus.
Zu 1.
Elektrofahrzeuge können, wie herkömmliche Fahrzeuge auch, im Stand und damit auch im Stau, über mehrere Stunden weiter betrieben werden inkl. Heizung oder Kühlung. Durch die verbaute, effiziente Heiz- und Kühltechnik via Wärmepumpe sogar über viele, viele Stunden. So beträgt der Energieverbrauch für die Heizung im Durchschnitt 1 kW pro Stunde. Bei einem halbleerem Akku eines heute durchschnittlichen Elektroautos kann also über mehr als 24h der Heizbetrieb problemlos aufrecht erhalten werden. Noch länger die Klimatisierung bei Hitze. Hier beträgt die Leistungsaufnahme meist unter 0,5 kw pro Stunde. Natürlich ist irgendwann der Akku leer, aber auch Verbrennerfahrzeuge stehen nach wenigen Sunden mit leerem Tank da und können nicht weiterbetrieben werden. Das Problem ist kein echtes, warum stellen Sie es als Problem dar? Kennen Sie die Verbräuche nicht? Warum recherchieren Sie nicht, sondern schüren Vorurteile oder gar Ängste und stellen nicht die Vorteile dar? So kann zB ein Auto mit Verbrennungsmotor die Kimatisierung bei großer Hitze nicht beliebig lange aufrechterhalten, da er selbst im Stau überhitzt. Das E-Auto kann problemlos im Stand sehr lange heizen und kühlen
Zu 2:
Es ist schon, zwischen den Zeilen zynisch zu behaupten, der Vorteil eines Verbrennungsautos sei es, dass es nach der Nutzung in Europa noch sehr lange in Afrika genutzt werden kann. Wie krass ist diese Aussage? Ist doch toll, dass unser Müll in Afrika noch so lange genutzt werden kann.
Wie ist es wirklich? Wenn ein Fahrakku nach 10-15 Jahren in einem Fahrzeug nicht mehr genutzt werden soll, dann ist der Akku nicht defekt, sondern die nutzbare Kapazität ist auf 70-80% gesunken. Theoretisch kann das E-Auto damit noch viele Jahre weiter fahren. Will der Nutzer dies nicht, wird der Akku getauscht und der alte Akku wird aufgearbeitet und/oder instandgesetzt und weiter verwendet oder dem Second-Life zugeführt (zumeist als stationärer Speicher) oder recycelt und damit die eingesetzten Rohstoffe zu 70-95% wiederverwendet. Versuchen Sie mal bei einem Verbrenner, 70-95% des eingesetzten Kraftstoffes wiederzuverwenden. Ich habe dazu eine umfangreiche Linksammlung erstellt, die ich Ihnen gerne zur Verfügung stelle. Die rein spekulative Aussage, dass ein E-Auto nach 10 Jahren nicht mehr genutzt werden kann, entbehrt jeder Grundlage, schürt erneut Ängste und Vorurteile gegen die Elektromobilität.
Insgesamt verbleibt ein unnötig schaaler Beigeschmack beim Lesen des Beitrages. Eine fundiertere Recherche hätte dem Beitrag gut getan.
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Ein Kommentar zu „Märchen und Mythen

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  1. Ich bin der Meinung das es nach einiger Zeit Dienstleister ihre Dienste anbieten um Akkus aufzufrischen mit neuen Zellen.

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