„And the looser is…Brandenburg!“: Ladestationen – Fehlanzeige

Wenn es nicht so traurig wäre…aber hier, in Brandenburg, wird Zukunft verspielt, denn Brandenburg ist und bleibt Schlusslicht in Sachen Ladeinfrastruktur. Kein Wunder, denn niemand kümmert sich darum, zumindest – so macht es den Anschein – niemand in der Brandenburger Landesregierung. Schauen wir uns die Zahlen an (Quelle: BDEW, Stand 30.6.2016):

  1. Verteilung der Ladestationen auf die Fläche: In Brandenburg finden wir nur 2 Ladestationen je 1000 km2; nur Mecklenburg-Vorpommern liegt mit immerhin 3 Ladestationen je 1000 km2 davor. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen sind es 39. Eine Ladestation in Brandenburg zu finden gleicht also der Suche nach der Nähnadel im Heuhaufen. Anmerkung: Ob es sich bei den Ladestationen wirklich um Stationen mit Typ2-Anschluss handelt, bleibt offen. Eine Anfrage beim BDEW läuft.)
  2. Je 1 Mio. Einwohner stehen in Brandenburg ganze 21 Ladepunkte zur Verfügung. Mit ähnlich desaströsen Werten können nur Schleswig-Holstein (22) und das Saarland (27) aufwarten. In allen anderen Bundesländern gibt er mehr Ladepunkte; Spitzenreiter der Flächenländer ist Baden-Württemberg (110). Selbst in Mecklenburg-Vorpommern finden sich 49 Ladepunkte je 1 Mio. Einwohner.
  3. Und auch bei der Gesamtzahl der Ladestationen sieht es nicht viel besser aus: Ganze 51 Ladepunkte zählt der BDEW. Immerhin: Im Saarland zählt man nur 27. Auch hier aber die Einschränkung: Es ist nicht sicher, ob der BDEW hier ggf. auch solche Ladepunkte gezählt hat, die nicht den EU-konformen Typ2-Anschluss bieten. Laden an Schukodosen oder CEE-Anschlüssen entspricht nicht der Norm; solche Lademöglichkeiten sollten nicht gezählt werden.

Fazit: Beschämend. Desaströs. Es ist zum Heulen! Für das selbsternannte Energieland ist dies praktisch eine Null-Nummer und zeigt, wie wenig ernst man im Land der Braunkohle die Elektromobilität nimmt. Das Argument, in Brandenburg gäbe es eben nur so wenige Elektrofahrzeuge, da lohne sich der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur nicht, kann nicht zählen, denn Brandenburg ist u.a. eines der beliebtesten Reiseländer in Deutschland. Und auch Touristen und Durchreisende wollen und brauchen Strom. Schon der Blick auf die Lademöglichkeiten zwischen Berlin und der Ostsee sind niederschmetternd; noch schlimmer, wenn man auf der Strecke nach Hamburg laden muss. Anders denken muss her, aber schnell.

Und nun? Bleibt Brandenburg weiter Schlusslicht in Sachen Elektromobilität bzw. der dafür notwendigen Ladeinfrastruktur? Das Förderprogramm ist angelaufen, nun heißt es zugreifen. Ob man den Wink mit dem Zaunpfahl in Brandenburg versteht?

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Zwei wichtige Petitionen

Diesmal möchten wir Euch auf zwei wichtige Petitionen aufmerksam machen, die derzeit aktuell sind.

Die erste richtet sich gegen das „Berliner (Tarif-)Modell“ an den be emobil-Ladesäulen. Alle Infos zur Petition findet Ihr hier: Klick mich!

In der zweiten Petition geht es um den beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur im Bereich des Wohneigentums, diese lege ich Euch auch sehr an Herz. Zur Petition geht´s hier.

 

Bitte macht mit, falls Ihr Euch mit den Zielen identifizieren könnt, danke.

Neu entdeckt…

Zwei gute Nachrichten kann ich heute vermelden:

  1. Am AC/DC-Schnelllader am Rastplatz Grunewald wurde wohl ein Update vorgenommen. Endlich kann man dort wieder AC und DC parallel laden. D.h. ein Auto kann an DC (CHAdeMO oder CCS, je max. 50 kW) laden, ein zweites zeitgleich am 43 kW-Typ2-Anschluss.
  2. In Teltow entsteht derzeit ein neuer, großer REWE-Markt. Schon vor längerer Zeit bekam ich die Auskunft, dass dort eine Ladesäule für E-Fahrzeuge entstehen soll. Nun wurde dort eine Ladesäule mit 2*Typ2-Anschlüssen montiert. Leider fand ich heute keinen Hinweis auf die jeweils maximale Ladeleistung pro Anschluss (ich gehe von 2*11 kW aus) und auch keinen Hinweis auf die Ladekosten. Einzig: Der Allego-Schriftzug prangt auf der Säule. Daher befürchte ich, dass dort nach dem Laden-nach-Zeit-System abgerechnet wird. Fatal, wenn es so wäre. Ich werde bei REWE nachfragen.WP_20160705_12_08_38_Pro WP_20160705_15_53_42_Pro WP_20160705_15_53_51_Pro

 

Bald geht es los…die ersten Fragen tauchen auf

Nur noch wenige Tage, dann beginnt die Aktion „30 Tage im April“: Ist es möglich, ein Elektroauto zu nutzen, ohne auf eine private Lademöglichkeit zurück greifen zu können? Genau dies wäre aber Voraussetzung dafür, dass auch Mieter und Wohnungseigentümer, die in der Regel über keine eigene Lademöglichkeit verfügen, auf Elektromobilität umsteigen. In einem Telefonat mit einem Teilnahmer kam gestern nun eine interessante Fragestellung auf: Wie ist das eigentlich mit den von der Herstellern der Fahrzeuge z.T. vorgeschriebenen Ausgleichs- und Kalibrierungsladungen?

Ausgleichsladungen stellen sicher, dass die einzelnen Akkuzellen einer Fahrbatterie regelmäßig auf den exakt gleichen Ladezustand gebracht werden. Dies ist nötig, weil sich das Lade- und Entladeverhalten der einzelnen Zellen leicht unterscheidet und es daher im Laufe der Zeit zu Ungleichgewichten innerhalb einer Fahrbatterie kommen kann, die das Lade- und Entladeverhalten stören können. Z.B. meldet das Fahrzeug dann schneller eine leere oder volle Batterie, weil einzelne Zellen bereits leer oder voll sind. Um dies zu vermeiden, schreiben einige Hersteller sog. Ausgleichsladungen im Handbuch des Fahrzeugs vor, die im Speicher des Fahrzeuges hinterlegt werden. Werden diese nicht ausgeführt, kann dies zu Problemen bei Garantieansprüchen kommen. Je nach Fahrzeug sind diese Ausgleichsladungen entweder gar nicht, selten oder sehr oft nötig und benötigen ggf. viel Zeit (bis zu neun Stunden). Muss eine solche Ausgleichsladung an einer öffentlichen Ladestation durchgeführt werden, bringt dies massive Probleme mit sich: lange Standzeiten (Blockierung für andere Nutzer) und hohe Kosten, wenn an der Station nach Zeit abgerechnet wird.

Kalibrierungsladungen werden von einzelnen Herstellern vorgeschrieben, um die Anzeige des Batterieladezustands (vgl. mit der Tankanzeige in einem Verbrennerfahrzeug) mit dem tatsächlichen Ladezustand der Fahrbatterie abzugleichen. Diese Ladevorgänge sollen meist bei niedrigem Ladezustand beginnen und dann unterbrechnungsfrei bis zur Vollladung durchgeführt werden. Auch diese benötigen also viel Zeit und sind mit den gleichen Problemen wie bei den Ausgleichsladungen verbunden.

Wir haben nun alle relevanten Hersteller von Elektro- und PlugIn-Hybrid-Fahrzeugen konkret auf diese Sachverhalte angeschrieben und werden die Antworten hier im Blog veröffentlichen. Für die Teilnehmer der Aktion gilt: Wenn der Hersteller die oben genannten Sonderladungen im Aktionszeitraum vorschreibt, dann sollen diese auch durchgeführt werden – mit allen Konsequenzen. Denn ein Nutzer ohne private Lademöglichkeit, kann und darf darauf auch nicht verzichten. Letztlich gilt es, all diese Fragen und Probleme zu klären, soll die Elektromobilität massentauglich werden.

 

30 Tage im April

Elektromobilitätsaktion im April:

7 Elektroautonutzer laden nur noch an öffentlichen Ladestationen –  Ist Elektromobilität ohne eigene Ladestation heute möglich?
Grundvoraussetzung für die Elektromobilität ist eine in ausreichendem Maße verfügbare Ladeinfrastruktur und das Laden von Autostrom zu vertretbaren Preisen in transparenten Preismodellen. Doch die Realität sieht vielerorts anders aus: Nicht erreichbare Ladestellen, Defekte an den Ladesäulen, zugeparkte oder blockierte Ladeparkplätze, undurchsichtige Preismodelle. Ist die Elektromobilität bereits alltagstauglich, vor allem für Menschen ohne eine Lademöglichkeit zuhause?
Sechs Mitglieder der privaten Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg und ein weiterer Elektromobilist aus Dresden wollen sich dem Praxistest stellen und Monat April ihre Fahrzeuge nur noch an öffentlichen Ladestationen in Berlin und im Umland mit Strom versorgen. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen werden sie im Internet-Blog der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg veröffentlichen (https://igembb.wordpress.com).
Ziele sind es herauszufinden, ob und wo es heute noch hakt, wo Ladestationen fehlen, wie oft diese blockiert oder defekt sind, wie gut der Betreiberservice funktioniert und welche Kosten für das Laden an öffentlichen Ladestationen entstehen. Ist das Elektroauto also heute für jedermann bereits eine wirklich ernst zu nehmende Alternative zu Benzin und Diesel?

Laden in Berlin: „Der Vorgang steht nicht zur Verfügung“

Seit 2008 bin ich „Elektromobil“. 2007 kam die erste PV-Anlage aufs Dach, da war der Weg zum ersten Elektrofahrzeug, einem CityEl, nicht weit. Es folgte ein smart ed, Gen 2, und nun fahren wir seit 4 Jahren einen Peugeot iON und die 50.000 km Fahrleistung kommen immer näher. Insgesamt sind es schon knapp 100.000 km. Für uns ist der iON inzwischen längst das Erstauto geworden. Für längere Fahrten steht uns zwar ein Toyota Prius zur Verfügung, aber der iON ist das Alltagsauto. Doch bei aller Begeisterung für die Elektromobilität: Manchmal frage ich mich, warum ich mir bzw. warum wir uns das antun. Nein, nicht das Fahren mit Strom. Das ist fantastisch, immer noch so faszinierend wie am ersten Tag. Leise, kraftvoll, effizient und zum Teil mit selbst erzeugtem Strom.

Nein, ich meine das mit dem Laden. Zuhause steht eine hochmoderne Wallbox zum Laden zur Verfügung. Verfügbareit: 100%. Noch nie in all den Jahren hat sie uns im Stich gelassen. Mir geht es um das „öffentliche Laden“. Also wenn wir mal unterwegs sind und sei es nur in Berlin. Auch da kann es mit dem Strom schon mal knapp werden, so wie heute.

Ein ungeplanter Umweg, ein Termin zwischendurch, und dann passiert es eben: Die Ladesäule im Display des iONs beginnt heftig zu blinken: Bitte laden! Doch wo? So schwer kann das doch in Berlin, der Hauptstadt der Elektromobilität Deutschlands, eigentlich nicht sein. Schon lange stehen viele Ladesäulen von Vattenfall und RWE in Berlin an den Straßenrändern und warten auf Kundschaft. Und viele neue Ladesäulen aus dem „be-emobil“-Programm spießen derzeit aus dem Boden. Alles in Butter? Einfach die nächste Säule anfahren, einstöpseln, 30 Minuten warten und weiter geht´s? Weit gefehlt.

Seitdem in Berlin die meisten Ladesäulen auf ein Abrechnungsmodell nach Zeit umgestellt werden, lade ich äußerst ungerne „öffentlich“. Ich sehe es nicht ein, nicht für den tatsächlich geladenen Strom, sondern für die Ladezeit – also die Standzeit – bezahlen zu müssen, obwohl das Parken während der Ladezeit ja gemäß den Schildern, die an den Ladesäulen stehen, eigentlich frei ist. Der iON lädt nur mit 3,3 kW, das ist recht langsam und manchmal legt er eine 20-minütige Ladepause ein, die man nicht abkürzen kann. Hier würde ich sogar zahlen müssen, ohne überhaupt Strom zu bekommen. Beim Laden nach Zeit kostet mich die Kilowattstunde also ein Vielfaches des Haushaltstarifes. Doch an einigen Vattenfall-Ladesäulen kann man zum Glück noch nach dem alten Tarif, also nach Arbeit bzw. tatsächlich geladenem Strom, zahlen. Und so eine steht in der Tiefgarage der Zehlendorfer Welle. Ich will ja sowieso noch zum Sportstudio in der Zehlendorfer Welle, also ab in die Tiefgarage und ran an die Säule.

Diese Ladestelle finde ich wirklich sehr gut gemacht! Gut ausgeschildert, die Ladeplätze farblich markiert, nur ganz selten verirren sich Verbrenner auf diese beiden Plätze. Heute sind sie frei. Schnell das Kabel ausgepackt, die RFID-Karte aus dem Handschuhfach geangelt und ran an die Säule. Doch halt: Das wäre zu einfach. Denn die Säule streikt, will einfach ihre Arbeit nicht tun: „Der Vorgang steht nicht zur Verfügung“. Auch nach mehreren Versuchen nicht. Hier bekomme ich keinen Strom. Ich verlasse die Tiefgarage und versuche auf der Straße stehend die Hotline anzurufen. Es ist eher kalt, laut und ungemütlich. Der Mitarbeiter weiß leider auch keinen Rat, wahrscheinlich, so seine Vermutung, funktioniert die GSM-Verbindung der Abrechnungsfunktion nicht, also schaltet die Säule nicht frei zu Laden. Wieder einmal frage ich mich: Wäre ein simpler Münzeinwurf wie am Parkscheinautomaten, der gleich daneben steht, nicht viel einfacher? Aber wir leben ja im digitalen Zeitalter, da kommen Jahrzehntelang erprobte Bezahlmethoden nicht in Frage. Was nun? Ich will doch nur laden. Ich habe noch Strom für 3 Kilometer, doch nach Hause sind es 6. Es hätte so schön sein können. Während ich zum Sport gehe, lädt das Auto.

Ca. 50m entfernt steht eine der neuen be-emobil-Ladesäulen; das sind die, mit dem Zeitmodell. Ok, dann muss es halt so sein, 15 Minuten sollten reichen. Ein Blick zeigt aber, dass auch diese Lösung nicht zur Verfügung steht, denn, wie so oft, sind die beiden Ladeplätze an der Säule durch Verbrennerfahrzeuge zugeparkt. Weit und breit keine Spur von den Fahrern. Auch das Ordnungsamt kann nicht helfen, denn heute ist Samstag.

Jetzt fange ich an, mir Gedanken zu machen: Soll so die Zukunft der Mobilität aussehen? Da kann man nicht mal einen Umweg fahren, ohne dass einem gleich der Strom ausgeht und man ggf. nicht nach Hause kommt, weil man einfach keinen Strom bekommt? Ich schaue mich um. Überall wird Strom genutzt, überall. Doch nirgends eine simple Steckdose für meinen iON. Ich kann ja zuhause laden. Aber wie soll ein Mieter oder Eigentümer, der keine eigene Lademöglichkeit hat, zurecht kommen? Wo soll er sein Auto laden? Und das zuverlässig, jeden Tag.

Hier, mitten in Berlin Zehlendorf-Mitte, also nicht irgendwo in Klein-Kleckersdorf, bekomme ich für mein Elektroauto keinen Strom. Fühle mich gestrandet inmitten des Fortschritts. Die nächste Ladestation ist knapp 5 km entfernt. Eine Vattenfallsäule an einem REWE-Markt. Oder doch die 6 km nach Hause wagen – das wird eng, verdammt eng.

Kurz: Ich wage den Versuch. Schon nach den ersten 2 km springt die Restreichweitenanzeige auf Null. Ich krieche nach Hause, bin ein einziges Verkehrshinderniss, werde angehupt und ich ahne schon, was in den Köpfen der anderen vorgeht: Wieder so eine „lame duck“, ein lahmes E-Auto. Auf dem Heimweg komme ich an zwei Tankstellen vorbei. An beiden tanken die Menschen ihre Autos auf. Schnell, problemlos, ganz einfach. Ich will das auch! Warum klappt das einfach nicht, hier in Berlin, der Hauptstadt der Elektromobilität?

Autor:
J. Affeldt, Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg
Kleinmachnow