Und täglich grüßt das Murmeltier…

Wir haben ja schon mehrfach darüber geschrieben: Kohlestrom. Ach, immer wieder…Kohlestrom. Dieses Mysterium ist wohl nicht auszurotten: Da wir in Deutschland noch recht viel Strom aus Kohle erzeugen, wird davon auch viel im Elektroauto landen und so wird das Elektroauto zum Schmutzfinken ohne Auspuff. Schlimmer noch: Schmutziger als ein Verbrenner.

Zuletzt mussten wir solche Äußerungen auch vom Ökoinstitut lesen. In einem Interview sagte Dr. Bulach dieser Tage wie folgt:

Dass in Deutschland noch (viel zu viel) Kohlestrom im Strommix vorhanden ist, ist klar. Warum nun genau dieser Strom (Strommix) für Elektroautos genutzt wird, ist gar nicht klar. Ich kenne z.B. keine einzige öffentliche Stromtankstelle in Berlin, die NICHT durch einen Ökostromanbieter beliefert wird. Bilanziell lädt man dort Ökostrom. Und sicher nutzt auch die Mehrheit der Elektrofahrer Ökostrom und produziert vlt. sogar eigenen Solarstrom.

Auf der technisch-physikalischen Seite laden Elektroautos dort natürlich keinen reinen Ökostrom. Aus welchem Kraftwerk oder von welchem Erzeuger der vor Ort geladenen Strom nun gerade kommt, ist gar nicht so einfach nachzuvollziehen. Das kann reiner Kohlestrom sein, genauso gut aber auch 100% Windstrom. Oder eben ein Mix. Nehmen wir aber mal für einen Moment an, der vor Ort an einer Ladestaton geladenen Strom stamme tatsächlich zu 100% aus einem Kohlekraftwerk. Was bedeutet dieses „Horrorszenario“ für die CO2-Bilanz eines Elektroautos nun wirklich?

Pro erzeugter Kilowattstunde aus einem Kohlekraftwerke liest man Zahlen zwischen 820 g CO2 (IPCC, 2014) und 1140 g CO2 (http://www.volker-quaschning.de/datserv/CO2-spez/index.php), je nach Art der Kohle und Herkunft. Nehmen wir als Durchschnitt nun 1000 g CO2 pro kWh an. Auch beim Öl und Gas gibt es Varianzen, vor allem je nach Herkunft und Transportweg (siehe unten).

Als Referenzfahrzeug nehmen wir ein Elektroauto mittlerer Größe und gehen von einem Stromverbrauch von 15 kWh/100 km aus. Diesen Wert nehmen wir als Durchschnittswert (Sommer/Winter) inkl. Ladeverluste an.

Für eine Strecke von 100 km werden also bei der Nutzung von Kohlestrom rund 15 kg CO2 freigesetzt, pro Kilometer sind das 150 Gramm. Hört sich erstmal viel an. Nun übertragen wir diesen Wert auf Fahrzeuge mit Otto- bzw. Dieselmotor.

Zuerst müssen wir von den 150 Gramm den Betrag der Vorkette abziehen, denn Benzin- und Dieselkraftstoff wachsen nicht aus Luft und Liebe an der Tankstelle. Kraftstoffe basieren auf Öl, welches gefördert, transportiert, verarbeitet und erneut transportiert, gelagert und schließlich mit Pumpen aus den Tanks an der Tankstelle in den Kraftstofftank des Autos gepumpt werden muss. Auf diesem Weg wird überall Energie benötigt. Am Bohrloch, in den Pumpen der Pilelines, ggf. durch die Tankschiffe, in den Raffinerien (nicht zu knapp!), in den Tanklastern und natürlich an den Tankstellen. Die mir vorliegenden Zahlen dazu (u.a. aus der GEMNIS-Datenbank) listen 15% als Vorkettenaufwand. Diese 15% ziehen wir von den 150 Gramm ab, da diese ja bereits in der Atmosphäre angekommen sind, bevor der Kraftstoff im Auto verbrannt wird. Bleiben 127,5 Gramm CO2, die jetzt noch aus dem Auspuff kommen dürfen.

Pro Liter Benzin werden 2,33 kg, pro Liter Diesel 2,6 kg CO2 frei. Daraus errechnen sich:

5,47 Liter Ottokraftstoff und 4,9 Liter Dieselkraftstoff.

Verbraucht Ihr Fahrzeug so wenig? Falls nicht, erzeugt es mehr CO2 pro km als ein Elektroauto mit 100% Kohlestrom.

Nur ein Beispiel: Für den VW Golf, BJ 2015-2017, zeigt spritmonitor.de einen Durchschnittswert von 7,7 (Benzin)/6,3 (Diesel) Litern. Dies entspricht also bereits 163 bzw. 164 Gramm CO2 pro km zzgl Vorkette (187,5 bzw. 188,5 g CO2 pro km). Um solche Werte mit Kohlestrom zu erreichen, dürfte das Referenz-Elektroauto sogar fast 19 kWh Strom verbrauchen, also fast 25% mehr!

Was bleibt?

Abgesehen davon, dass so gut wie nie reiner Kohlestrom an den Ladestellen ankommt, steht das E-Auto auch mit 100% Kohlestrom auf keinen Fall schlechter dar, als der Verbrenner.

P.S. In diesem Moment (Donnerstag Abend, 20 Uhr 15) entstehen in Deutschland pro kWh 424 Gramm CO2. Nicht schön, aber viel besser als 1000 Gramm pro kWh. Ein Verbrennerfahrzeug dürfte nun nur noch 2,7 bzw. 2,4 Liter verbrauchen.

P.S. 2: Das Ökoinstitut hat seine Aussage inzwischen wie folgt detailliert:

 

 

Grün laden, grün fahren

Mehr als 200 km verbleibende Reichweite zeigt die ZOE an diesem Abend an, mehr als genug für die nächsten Tage. Noch ist der Akku zu 59% gefüllt, kein Grund, sich über das Laden Gedanken zu machen. Oder doch?

Es ist kurz vor 22 Uhr als mein Blick auf die Wettervorhersage der nächsten Stunden fällt. Nach Tagen mit Regen und schwüler Wärme ist Wind aufgekommen, viel Wind. Über die nächsten Stunden wird es mächtig stürmen über Brandenburg, entsprechend hoch wird die Erzeugung aus den hunderten Windkraftanlagen sein. Ein Blick auf die App von 50Hertz zeigt, dass die vertikale Netzlast, das ist die Last, die den Transformatoren entnommen wird, bereits deutlich gesunken ist und sich der Null-Linie nähert. Kein Wunder, denn nicht nur nimmt die Stromerzeugung in den WKA in diesen Stunden immer mehr zu, auch beenden mehr und mehr Menschen den Tag und in den Geschäften gehen nun auch die Lichter aus. Mit anderen Worten: In den nächsten Stunden wird viel mehr Strom erzeugt, als vor Ort benötigt wird.

 

 

Doch: Halt! Was heißt denn nicht benötigt? Natürlich wird Strom benötigt, z.B. für das Laden von Elektrofahrzeugen. Wenn nur die Ladetechnik so weit wäre, diese Situationen automatisch zu erkennen und die Nutzer darauf hinzuweisen, doch bitte jetzt ihre Fahrzeuge zum Laden anzuschließen. Oder noch besser: Den Ladevorgang automatisch zu starten. Doch so weit sind wir leider noch nicht.

Wenn ich aber die ZOE an die Wallbox anschieße, wird sie mit 22 kW laden und den Akku ruckzuck füllen. Ich will aber die kommenden Wind-Stunden nutzen und das Netz möglichst wenig belasten, also lade ich diesmal mit dem Schuko-Ladekabel. So wird die ZOE über die nächsten Stunden kontinuierlich 2,2 kW Ladeleistung ziehen. Das ist netzschonend. Daran sieht man, wohin die Technik gehen muss: Das Laden von Elektrofahrzeugen muss sich den Gegebenheiten aus Energieangebot, Netzbelastung und Nutzerwünschen anpassen können. Zukunftsmusik – noch. Aber sicher nicht mehr lange. IT-Technik, Vernetzung und Blockchain-Technologie werden es schon bald möglich machen. Vlt kann ich dann direkt mit einem Betreiber einer Windkraftanlage, eines BHKWs, eines PV-Kraftwerkes und einem Energiespeicher Lieferverträge machen? Stromlieferanten werden sich der Entwicklung anpassen (müssen). Doch zurück zum Auto.

Um 21 Uhr 54 beginnt die Ladung bei einem Ladestatus von 59%. In diesem Moment werden nur noch wenige MW aus dem 380 kV-Netz entnommen, der Rest stammt bereits aus Anlagen unterer Netzebenen, in diesem Fall werden es überwiegend Windkraftanlagen sein; deren erzeugter Strom fließt direkt über die weiteren Netzebenen und Transformatoren zu den „Steckdosen“ der Haushalte, denn Strom geht immer den kürzesten Weg vom Erzeuger zum Verbraucher.

 

Die ZOE zeigt mir eine Restladezeit von 10 Stunden und 55 Minuten an. Ich erschrecke…so lange? Aber klar: Ich lade ja jetzt mit nur 2,2 kW Ladeleistung und bis zur Vollladung müssen rund 17 kWh nachgeladen werden, also theoretisch 8,5 Stunden zzgl. Balancierzeit. Die ZOE ist aber immer etwas pessimistisch in der Restladezeit, also müsste der Akku voll sein, ehe das Windangebot wieder abnimmt, die Mitmenschen ihren Tag beginnen (und Kaffeemaschinen, Toaster und Wasserkocher anwerfen) und der Strombedarf wieder zunimmt. Aber in der „Verbrauchslücke“, also zwischen 22 und 5 Uhr 30 will ich das Auto laden; 7,5 Stunden.

Ich verschwinde auch erstmal, doch nachts um 3 wache ich auf. Es ist mächtig Wind aufgekommen. Ich stehe kurz auf und blicke auf die 50Hertz-App – tatsächlich! Inzwischen ist die vertikale Netzlast ins Minus gedreht und mächtig Strom wird aus dem 50Hertz-Netz abtransportiert. Dass, was jetzt aus den Steckdose kommt, ist frei von Kohle und Atom.

 

Kurz nach 5 klingelt der Wecker, der Tag beginnt. Doch heute geht mein erster Blick auf die 50Hertz-App (die vertikale Netzlast nähert sich der Null-Linie, gleichzeitig nimmt das Windangebot langsam ab), dann zum Auto. Nach rund 7 Stunden Ladezeit zeigt die ZOE stolze 91% Ladestatus – fast voll. Also die vertikale Netzlast ins Positive dreht, beende ich die Ladung bei 93% um 5 Uhr 27.

 

Fazit:

100% grünen Strom laden – das geht! Zwischen 22 und 5 Uhr 30 wurden 16,71 kWh Strom in den Akku der ZOE geladen, der Ladestatus stieg um 34%. Aufgrund der leider etwas geringen Ladeeffizienz beim langsamen laden sind davon etwa 14 kWh tatsächlich im Akku geladet. Das entspricht auch gut der gewonnenen Reichweite von 160 km bzw. 21 km pro Stunde. Kein Gramm CO2 wurde dafür in die Atmosphäre geblasen, keine Kohle verbrannt, kein Öl, kein Gas und kein Atommüll verursacht. Nicht dafür. Dagegen wurden umgerechnet 8 Liter Benzin ersetzt und damit rund 19 kg CO2. Dazu muss man noch die vermiedenen Emissionen für die Förderung, den Transport und vor allem die Verarbeitung des Rohöls in den Raffinerien rechnen sowie den energetischen Aufwand für den Betrieb der Tankstellen weltweit, denn Strom kann ich aus den bestehenden Leitungen „zapfen“, Benzin oder Diesel nicht. Klarer Sieg für die Elektromobilität.

Was bleibt: Ein echt gutes Gefühl. Es braucht nicht viel, um physikalisch möglichst sauberen Strom zu laden. Ein oder zwei Apps und ein wenig Mitdenken reichen. Doch es wäre mehr als wünschenswert, wenn die Technik dies automatisch erledigen könnte. Der Nutzer wählt zwischen verschiedenen Ladeprofilen, z.B. möglichst sauber (vlt sogar mit Strom vom eigenen Dach, aus dem Keller oder dem eigenen Energiespeicher), möglichst billig oder möglichst schnell, und zudem, wann das Auto spätestens einen bestimmten Ladestatus erreicht haben muss und ggf. wieviel Energie minimal im Akku verbleiben muss, z.B. 30%, um die täglichen Strecken garantiert bewerkstelligen zu können. Es hat ja auch nicht jeder immer einen vollen Tank, auch der Akku muss nicht täglich voll geladen werden. Bei den hohen Reichweiten der aktuellen Modelle ist das nicht mehr nötig. Wer braucht schon täglich 300 km? Jetzt sind die Energie- und Netzdienstleister dran, dies in die Realität umzusetzen, dann wird die Elektromobilität ein Selbstläufer.

Offener Brief an Dr. Sebastian Sigler / Börse am Sonntag

Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg
c/o Julian Affeldt
Meiereifeld 7e
14532 Kleinmachnow

 

Börse am Sonntag
Chefredakteur Sebastian Sigler

 

Ihr Beitrag zur Elektromobilität / Ökobilanz von Elektrofahrzeugen

 

Sehr geehrter Herr Sigler,

 

mit fassungslosem Schrecken habe ich den o.g. Beitrag aus Ihrer Feder heute gelesen. Darin lassen Sie nichts unversucht, der Elektromobilität und dem Elektroauto Schaden anzurichten und berufen sich in Ihrer Argumentation auf Mythen, Vorurteile und nicht belegte Aussagen.

Wie groß nur muss die Panik in den Vorstandsétagen insbesondere der deutschen PKW-Hersteller vor dem Wandel sein, wie groß der Neid auf die Produkte der ausländischen Konkurrenz und wie groß die Verzweiflung angesichts hunderter kluger Menschen in diesem Land, die Monat für Monat der Gelddruckmaschine „Verbrennermobilität“ auf Nimmerwiedersehen den Rücken kehren. Die Verzweiflung muss so groß und so gewaltig sein, dass nichts unversucht bleibt, das Rad der Geschichte zurück zu drehen oder es zumindest so lange wie nur irgend möglich anzuhalten. Dass Sie dabei hunderttausende an Arbeitsplätzen in Deutschland riskieren und gleichzeitig an einer Technologie versuchen festzuhalten, die unser Klima ruiniert, Menschen durch Abgase und Lärm krankmacht und tötet und Kriege verursacht, ist Ihnen dabei komplett egal. Ebenso egal, wie Betrügerei und das Brechen von Gesetzen, begangen durch die dt. Automobilindustrie.

Sie erwarten jetzt sicher, dass ich die von Ihnen aufgezählten Argumente versuche zu widerlegen. Aber dies werde ich nicht tun, weil dies gar nicht nötig ist. Wer klug genug ist, recherchiert selber und wird alles Nötige finden, um Ihre Argumente wie ein Kartenhaus zusammenstützen zu lassen. Nur Eins will ich dazu sagen: Es ist schlicht unerträglich, wie Sie versuchen, den Menschen Sand in die Augen zu werfen.

Mehr Zeit will ich gar nicht investieren.

 

Mit freundlichen Grüßen
J. Affeldt
Kleinmachnow

 

Bezug: http://www.theeuropean.de/sebastian-sigler/12460-studie-enttarnt-tesla-als-umwelt-suender

 

95 Gramm CO2/km – das geht nur mit dem Diesel!

Die Bundesregierung wird nicht müde zu betonen, dass der Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro km (Flottenverbrauch), der ab 2020 gelten soll, nur mit dem Diesel erreichbar ist. Gebetsmühlenartig kommt das mal aus der einen, dann wieder aus der anderen Ecke.  Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

  1. Für welche Szenario soll das gelten? Welcher Testzyklus soll dafür herhalten? Dass man im NEFZ so gut wie jeden Wert erreichen kann, haben wir alle inzwischen verstanden, doch der soll ja schon bald nicht mehr gelten bzw. nur mit „Realitätsfaktoren“, die den Grenzwert dann deutlich nach oben verschieben. In den anderen Testverfahren, z.B. WLTP, ist ein solcher Wert praktisch unerreichbar. Das schreibt u.a. der VDA und spricht u.a. sogar von einer illegalen CO2-Zielwertverschärfung. Mit anderen Worten: Es ist heute schon klar, dass auch die PKW-Flotten ab 2020 mehr als 95 Gramm CO2 pro km emittieren werden, weil dies „andere fahrzeugtechnische Maßnahmen als im NEFZ“ erfodert.  Da müssen sich die Hersteller wohl neue Tricks ausdenken, um die Zielwerte zu erreichen. Durch die Umrechnung („Korrelationsfaktoren“) vom WLTP in den NEFZ dürfen und werden die Fahrzeuge keinesfalls nur 95 Gramm pro km emittieren. Das steht heute schon fest. Die Aussage der Bundesregierung ist bereits an diesem Punkt nichts anderes als Augenwischerei.
  2. Auch WLTP ist ein Labortest, wenn auch die Testbedingungen verschärft sind. Labor, bleibt aber Labor. Wie man im Labor betrügt, haben wir von VW und anderen inzwischen gelernt.
  3. Und jetzt rechnen wir mal nach und stellen uns einen Moment vor, ein Diesel-PKW darf tatsächlich nur 95 Gramm CO2 pro km ausstoßen. Was würde das bedeuten? 95 Gramm CO2 pro km entsprechen 9,5 kg CO2 pro 100km. Da bei der Verbrennung eines Liters Dieselkraftstoff 2,6 kg CO2 entstehen, errechnet sich ein „Zielwert“ für den Verbrauch von 3,57 Litern pro 100 km. Dieser Verbrauch sollte bzw müsste im Durchschnitt eingehalten werden. Vergleichen wir das mal mit aktuellen durchschnittlichen Verbrauchsdaten aus spritmonitor.de (die Prospektwerte der Hersteller bleiben hier unbetrachtet, da diese wertlos sind). Für alle Ergebnisse gilt: Baujahr ab 2014, Kraftstoff: DieselVW Golf: 5,89
    VW Polo: 5,11
    Opel Astra: 6,02
    Opel Corsa: 4,85
    Audi A1: 5,58
    Audi A3: 5,92Die Liste ließe sich beliebig fortführen, ich habe kein einziges Diesel-Fahrzeug gefunden, dass einen Durchschnittsverbrauch von 3,57 Litern/100 km einhält. Natürlich gibt es Ausnahmen, die nahe an den Wert heranreichen oder ihn sogar minimal unterschreiten. Andererseits gibt es massive Ausreißer nach oben. So schaffe ich es mit unserem Toyota Prius auch, einen Wert von 3,5 Liter/100 km zu erreichen, vor allem im Sommer (im Winter eher einen Liter mehr) und das bedeutet dann: tatsächlich nur 81,55 g CO2 pro km real, auf der Straße. Aber auch das ist nur ein Saisonwert. Auf den letzten 60.000 km liegt der Verbrauch bei 4,2 Litern, also 98 g pro km. Naja, da müssen andere erst mal ran.

    Wenn wir uns dabei ehrlich machen wollen, müssen natürlich noch die Prozesseffekte mitbetrachtet werden, da Benzin oder Diesel nicht an der Tankstelle wachsen. Für den gesamten Prozess (vom Bohrloch zur Tankstelle) müssen 15% hinzugerechnet werden, bzw. darf der Verbrauch dann sogar bei nur noch 3,04 Litern / 100 km liegen. Ob das physikalisch bei einem reinen Verbrenner überhaupt möglich ist (3 Liter Diesel entsprechen ca. 30 kWh. Bei einem Wirkungsggrad von max. 40% bleiben gerade 12 kWh für den Antrieb; ein Wert, mit dem sich rein physikalisch kaum ein Auto bewegen lässt)?  Die Physik gibt also den minimalen Verbrauch vor, wenn man rein Diesel oder Benzin fährt, denn die lassen sich nunmal nicht CO2-frei verbrennen.

  4. Wir haben also gesehen, dass der Zielwert 95 g CO2 pro km weder eingehalten werden muss (Pkt. 1) noch für Diesel-PKW im Durchschnitt auch nur annähernd erreicht wird, dazu müsste der Verbrauch um mind. 25% sinken, und wahrscheinlich für einen Großteil der PKWs auch nicht eingehalten werden kann (die Physik lässt sich nicht überlisten). Wie ein Polo, Golf oder Corsa innerhalb von 2-3 Jahren 25% weniger Sprit verbrauchen soll, ist mehr also mehr als fraglich, eher utopisch, wenn man nicht eine CO2-frei Energiequelle hinzunimmt (Strom). Die Hersteller werden aber Supercredits in Anspruch nehmen (durch den Verkauf von ein paar E-Autos), versuchen so viel wie möglich PlugIn-Hybride zu verkaufen (deren Zielwerte  sind noch nicht geklärt) und dann alles schön durcheinandermixen, um am Ende irgendwie auf rechnerische 95 g pro km zu kommen. Es besteht keinerlei Zweifel, dass dies gelingen wird. Aber: Was kommt danach? Die Emissionen zu reduzieren reicht doch bei Weitem nicht aus. Wir brauchen eine überwiegend emissionsfreie Mobilität, um ernsthaft die Klimaschutzziele anzugehen. Davon sind wir noch Lichtjahre entfernt, wenn wir weiter daran glauben, dass dies mit dem Vebrennungsmotor, egal ob Diesel, Benzin oder Gas, zu erreichen ist. Auch synthetischer Kraftstoff wird daran nichts ändern, denn auch der wächst nicht an der Tankstelle und der Wirkungsgrad eines Verbrenners springt dadurch auch nicht auf 95% wie beim E-Motor.

Der böse Akku

Wieder einmal wird eine alte Sau durchs Dorf getrieben, um Stimmung gegen Elektromobilität zu machen. Die SHZ berichtet von einer neuen Studie aus Schweden, die hohe CO2-Äquivalente für die Herstellung von Antriebakkus errechnet. Nach der Studie liegt z.B. die CO2-Belastung für einen Akku im Model S von Tesla bei über 17 Tonnen, ein Benzinauto könne damit 8 Jahre lang fahren.

Ich will (und kann) gar nicht auf die Studie eingehen. Ich kenne solche Studien und die dort genannten Werte liegen zwischen 75 und 150 kg CO2 pro kWh-Akkukapazität, die ein Elektroauto als „CO2-Rucksack“ mitbringt und der erst durch das CO2-arme Fahren abgetragen werden muss, während der Verbrennerauto anscheinend keine CO2-Belastung mitbringt (jedoch beim Fahren stets mehr CO2 pro km erzeugt, als ein Elektroauto).

Ich finde den Ansatz falsch. Es geht doch darum, ob und welchen Rucksack das E-Auto im Vergleich zu einem vergleichbaren Verbrenner MEHR aus der Produktion mitbringt. Ich kenne keine Studie, in der die Verbrenner-spezifischen Produktionswerte aufgelistet und gegenübergestellt werden. Auch fehlen in den Studien die CO2-Äquivalten, die durch Verbrenner-typische Ersatzteile, z.B. Filter, Zündkerzen oder ganze Baugruppen, und Ersatzstoffe, z.B. Öle, berücksichtigen.

Es fehlt die Gegenüberstellung der CO2-Äquivalente der gesamten Prozesskette „Benzin/Diesel“, also vom Bohrloch zur Tankstelle.

Und es fehlen Aussagen zum Second-Life von Fahrzeugakkus in stationären Speichern.

Solange diese Dinge unterschlagen werden, sind Aussagen wie oben wertlos und schüren nur die Vorurteile, Mythen und Halbwahrheiten rund um die Elektromobilität. Es braucht auch nicht jeder einen „Tesla-Akku“ mit 85 oder mehr kWh. Für 80% aller Fahrten reichen 15-20 kWh ja völlig aus.

In dem Sinne: Was will uns die Studie nun sagen?

100% Kohlestrom…Fakten rund um einen Mythos

ARCHIV - Windenergieanlagen stehen im Sonnenuntergang auf einem Feld im Landkreis Oder-Spree nahe Sieversdorf (Brandenburg), aufgenommen am 12.02.2014. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer treffen die Bundeskanzlerin am 01.04.2014 zu einem Gespräch über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa «Nord-Ministerpräsidenten machen sich bei Merkel für Windenergie stark» vom 01.04.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

„Elektroautos sind nur umweltfreundlicher als Verbrenner, wenn sie mit Ökostrom geladen werden. Geladen mit Kohlestrom verursachen sie viel mehr CO2, als ein moderner Verbrenner…“. Solch und ähnliche Phrasen liest man seit Jahren, wenn es um die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen geht. Und: Diese Aussagen sind nicht totzukriegen. Grund genug, dem mal nachzugehen und zu fragen: 100% Kohlestrom im Auto…geht das überhaupt?

Um sich der Antwort zu nähern, habe ich die Netzbetreiber e.dis und 50Hertz angeschrieben. Diese kennen die angeschlossenen Erzeugungskapazitäten genau, müssten also helfen können, eine Antwort zu finden.

Ich fasse die Antworten kurz zusammen und dazu beantworten wir zuerst die Frage: Wie kommt Kohlestrom eigentlich zu uns nach Hause?

Kohlekraftwerke sind Großkraftwerke und speisen grundsätzlich in das Übertragungsnetz auf höchster Spannungseben ein. In Deutschland ist das die 230/380 kV-Ebene. Diese Netzebene dient der Verteilung von elektrischer Energie über weite Strecken:

Wie der Grafik zu entnehmen ist, wird die elektrische Energie dann über verschiedene Stufen weiter und weiter verteilt und gelangt über die letzten Transformatoren auf der 230/400 Volt-Ebene in die Haushalte und auch Elektroautos, die zuhause oder an öffentlichen Ladestationen geladen werden. Soweit mit bekannt, sind die Supercharger-Stationen von Tesla am Mittelspannung angeschlossen.

Damit der reine Kohlestrom aus den Kraftwerken in Brandenburg nun zu unseren Steckdosen und Wallboxen gelangen kann, darf auf dem Weg vom 380 kV-Netz zur 230/400 Volt-Ebene nichts dazwischen kommen. Kein „sauberer“ Atom- oder Gasstrom und kein Strom aus anderen Erzeugungsanlagen, die in die unteren Netzebenen einspeisen, z.B. Windparks, PV-Anlagen auf Hausdächern oder BHKW-Anlagen im Wohnblock oder Keller. Insbesondere Strom aus erneuerbaren Quellen hat grundsätzlich Vorrang.

Mit anderen Worten: Kohlestrom gelänge nur dann ins E-Auto, wenn keine anderen Erzeuger dazwischen liegen. Was heißt das? Vereinfacht dargestellt darf keine PV-Anlage in der Nähe des E-Autos ins Netz speisen, es darf sich kein Windrad drehen, dass in den Netzbereich einspeist, kein BHKW, keine Biogasanlage und kein Wasserkraftwerk oder Pumpspeicherwerk. Aber letztlich auch kein anderes Großkraftwerk. Dies ginge, wenn überhaupt, also nur nachts, bei absoluter Flaute und – wie gesagt – wenn nichts anderes Strom ins Netz speist. Dann, und nur dann, gelangt reiner Kohlestrom zum E-Auto. Realistisch?

Möglich ja, aber nur theoretisch. E.DIS sagt, dass angesichts der viele, vielen am Netz angeschlossenen Anlagen zur Erzeugung von „erneuerbarem Strom“ ist eine solche Situation kaum noch darstellbar. Und: Sie sagen auch, dass die technische Entwicklung in Sachen Speicher schnell voran geht. Dies betrifft sowohl den Bereich der Heimspeicher, den Bereich der E-Autos, die selber als Speicher dienen werden, aber auch den Bereich der Großspeicher in Form von Batteriespeichern und Hybrid-Speicheranlagen (Power-to-Gas). Aber auch das Lastmanagement wird immer weiter zunehmen, d.h. das Abschalten oder Hinzuschalten von Lasten, je nach Strommix. Auch heute schon kann jeder selber sein Auto vermehrt tagsüber laden, Apps oder Webseiten nutzen, um Zeiten mit viel Ökostrom zum Laden zu nutzen.

Interessant auch die Aussage von 50Hertz, dem Übertragungsnetzbetreiber im Bereich der neuen Bundesländer:

Das von Ihnen beschriebene Szenario ist aus vielerlei Perspektive sehr unwahrscheinlich. In unserem Netzgebiet sind aktuell 12 GW Braunkohle-Leistung installiert und wir haben 17 GW Grundlast. Selbst wenn jetzt noch Steinkohle dazu käme, würde das nicht ausreichen. Außerdem weht eigentlich immer irgendwo ein bisschen Wind plus PV tagsüber, die beide laut EEG Vorrang bei der Einspeisung haben. Eine Deckung des Energiebedarfs mit nur einem Energieträger ist in unserem Netzgebiet aktuell nicht möglich. Es ist immer ein Mix, der mal mehr und mal weniger grün ist.

Und weiter:

Grundsätzlich gilt bei der E-Mobilität: Die Klimabilanz von E-Fahrzeugen hängt maßgeblich vom Zeitpunkt/Zeitraum ihrer Ladung ab. An sonnen- und windreichen Tagen ist die Bilanz besser. Nachts ist sie eher schlechter.

100% Kohlestrom geht also gar nicht.

Zudem muss man Begrifflichkeiten neu ordnen. Die klassische Grundlast gibt es nicht mehr. Vielmehr sprechen die Fachleute von „verbleibender Last“ bzw. residualer Last. Damit ist gemeint, dass fossil betriebene Kraftwerke mehr und mehr in die Rolle gedrängt werden, die noch verbleibende Last nach der Einspeisung der neuen Energien abzudecken.

Fazit: Aussagen der o.g. Art sind sinnlos und entbehren dem nötigen technischen Verständnis, da es den Fall, dass ein E-Auto mit 100% Kohlestrom physikalisch geladen wird, praktisch nicht mehr gibt, im Netzgebiet der 50Hertz sogar technisch nicht möglich ist. Auch in Berlin nicht, da dort seit Kurzem keine Kohle zur Stromerzeugung mehr genutzt wird.

Damit kann man beruhigt mit dem Bundesdurchschnitt rechnen, d.h. mit aktuell 480 Gramm CO2/100 km und weniger, je nach Situation und Ort. Und bereits mit dem maximalen Mix-Wert erreichen die meisten Elektroautos CO2-Werte pro km, von denen so gut wie alle Verbrenner nur träumen können (im Durchschnitt nämlich um die 70 g pro km; die besten Hybridfahrzeuge schaffen im optimalen Fall 80-90 g CO2 pro km). Man könnte auch sagen: Das Elektroauto fährt Tag für Tag sauberer, der Verbrenner wird das nie erreichen, vor allem nicht die Bestandsfahrzeuge, denn deren Emissionsmengen sind nicht mehr zu beeinflussen. Dagegen profitiert auch das älteste E-Auto augenblicklich von Verbesserungen im Strommix.

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, dem sei der Almanach 2016 von 50Hertz empfohlen, Download hier: http://www.50hertz.com/Portals/3/Content/Dokumente/Medien/Publikationen/2016/170425_50Hertz_Almanach-DE.PDF

Quellen:

  • e.dis
  • 50Hertz

Autor:

J. Affeldt

 

Wie komme ich nach…

Mal an die Ostsee zum Kurzurlaub, nach Hamburg zum Musical oder Freunde in Cottbus besuchen? Mit einem Strom-getriebenen Fahrzeug immer noch unmöglich oder zumindest eine echte Herausforderung. Wer z.B. von Berlin nach Hamburg fahren möchte, kann Schnellladestationen in Neuruppin und Valluhn an Anspruch nehmen. Die eine liegt aber noch recht nahe Berlin, je nachdem von wo man kommt, die andere recht nahe an Hamburg. Dazwischen klafft eine Lücke von rund 180 km, die – vor allem im Winter und bei einigermaßen Autobahntempo – für die meisten Elektrofahrzeuge nicht zu schaffen ist. Die Lademöglichkeit auf halber Strecke fehlt, mindestens. Nicht viel besser sieht es aus, wenn man nach Rostock, Wismar oder Greifswald möchte bzw. von dort weiter nach Rügen. Auch hier klafft nach Neuruppin eine große Lücke, insb. für Fahrzeuge mit CCS- oder CHAdeMO-Schnellladesystem. Wer an Typ2 beschleunigt laden kann, kommt noch halbwegs zurecht. Auch hier findet sich praktisch nichts für schnelle Gleichstromladen. Lichtblicke sind nur die bereits bestehende Ladestation an der A20 (Demminer Land) und die kommende Ladestation Prignitz Ost/West (beide Tank&Rast). Dünn, viel zu dünn. Es hapert ja nicht nur an den Standorten, auch die Anzahl der Ladeports ist viel zu gering. Was nützt die schönste Schnellladestation, wenn ein oder zwei Fahrzeuge noch vor mir laden wollen? Dann sind schnell 60-90 Minuten Rumstehen angesagt. Von „Schnellladen“ kann dann keine Rede mehr sein.

Nun, vielleicht hilft ja das folgende Angebot zur kostenlosen Errichtung und Betrieb von Schnellladestationen, das heute kommuniziert wurde: http://fast-e.eu/standortpartner/

Wer also potentielle Standorte entlang der genannten Routen kennt, möge doch die zuständigen Ansprechpartner darauf hinweisen.