Kann man mit dem E-Auto an die Ostsee oder an den Balaton in den Urlaub fahren?

Der Bericht von Tester 3 am 30. April 2016 und ein Gedankenaustausch mit unserem Administrator hat mich zu der Frage gebracht, kann man am Ende des Sommers 2016 mit einem Elektroauto (außer von Tesla) von Berlin bzw. aus dem Land Brandenburg über die Autobahnen A11 und A20 nach Rügen fahren? Wie kann man bei diesem Thema weiter kommen? Beginnen möchte ich mit einer ungeschönten Bestandsaufnahme.

Es hat sich etwas getan. Zwei Schnellladesäulen findet man in Stralsund (Stadtwerke) in der Nähe des Rügendamms und an der Autobahnraststätte Demminer Land (Tank und Rast) an der A20. Sollte man nach Usedom wollen, gibt es noch zwei Schnellladesäulen in Greifswald (Stadtwerke). Auf der Insel Usedom entwickelt sich bezüglich der Elektromobilität einiges.

Leider sieht dies in Berlin speziell im Nordosten nicht so gut aus. Vom Berliner Stadtzentrum aus befinden sich die letzten Schnellladesäulen Richtung Prenzlau (A11) am S-Bahn-Ring. Auch auf dem Berliner Autobahnring (A10) findet sich keine Ladesäule. Deshalb habe ich am 06.09.2016 bei #fragHatakka dem Vattenfall-Chef auf Twitter die Frage nach einer zusätzlichen Schnellladesäule im Stadtgebiet in der Nähe des Autobahndreieckes Barnim (A10/A11) gestellt. Wie üblich wird man dann von einem Mitarbeiter des EMobility-Team kontaktiert, der mich leider einen Tag später nur wieder auf be-emobil.de verwies.

Das Problem sind die ca. 200 km von Berlin auf der A11 und A20 bis zur Autobahnraststätte Demminer Land. Leider findet sich bisher kein Anbieter, der am Autobahnkreuz Uckermark bzw. in unmittelbarer Nähe an der B166 eine Schnellladestation errichtet. Ersatzweise mit einigen Nachteilen würden sich auch die Autobahnrastplätze Klockow (-Ost/-West) auf der A20 anbieten, die ca. 18 km vom Autobahnkreuz entfernt liegen.

Diese Ladestation am Autobahnkreuz wäre für die meisten Elektrofahrzeuge auch vom südlichen Berliner Stadtrand erreichbar. Die folgenden ca. 124 km vom Autobahnkreuz bis zur Autobahnraststätte Demminer Land sollten für die große Mehrheit aller Elektrofahrer auf der Autobahn bei akzeptabler Geschwindigkeit machbar sein. Außerdem wäre auch von einer Ladestation am Autobahnkreuz Uckermark Hin- und Rückfahrt nach Stettin (Szczecin) ohne weiteres Laden problemlos möglich.

Tank und Rast hat in unmittelbarer Nähe leider keine Raststätte. Eine Schnellladestation in Prenzlau bei einem Autohändler wäre m. E. auf Grund des Umweges durch das Stadtzentrum von Prenzlau und die tägliche Staugefahr in Prenzlau keine brauchbare Lösung.

Rückfragen bei namhaften Anbietern waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Kennt jemand die genauen Standorte, wo im Rahmen EU-Programmes 2014-EU-TM-0196-S Ladesäulen errichtet werden sollen? Das Autobahnkreuz Uckermark liegt ja an mehreren Transitstrecken.

Auch die Strecke von Berlin nach Rostock (über die A24 und A19) zu den Ostseebädern und zu den Fähren nach Schweden und Dänemark ist nicht besser. Hier gibt es noch eine Schnellladestation in der Nähe von Berlin in Neuruppin. Dafür fehlt bei dieser Strecke die zweite Station auf dem Wege zur Ostsee, da jeder für sich allein wurstelt.

Vor einigen Monaten hatte sich noch ein größerer Anbieter in Deutschland zu der Aussage hinreißen lassen, man plant innerhalb der nächsten 12 Monate einen Schnelllader an der Abfahrt Linstow an der A19 zu bauen. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass sich leider der Eigentümer des Geländes nicht für diese Idee erwärmen konnte. In den Benelux-Staaten hat der gleiche Eigentümer mit Ladestationen kein Problem. Soweit zu der Frage, ist Deutschland aus der Sicht der anderen Europäer Leit- oder Leidmarkt bei der Elektromobilität.

Vielleicht findet sich ja ein Autohaus in der Nähe, das ein oder mehrere Schnellladesäulen auf seinem Gelände errichten lässt. Sicherlich ist dies nicht die ideale Lösung, aber vielleicht die Einzige. Der Zugang zu der/n Ladesäule(n) würde sich voraussichtlich auf die Öffnungszeiten des Autohauses beschränken. Am Abend noch in letzter Minute von Berlin zur Nachtfähre fahren, ist damit ausgeschlossen, da vermutlich wochentags 18:00 Uhr der Ladevorgang beendet sein muss. Die Fähren am Morgen und am Sonntag wären ohne Übernachtung unerreichbar.

Eine Schnellladestation am Autobahnkreuz Rostock würde auf der A20 die Lücke nach Stralsund bzw. zur Autobahnraststätte Demminer Land schließen und die Anreise in die Ostseebäder östlich und westlich von Rostock verbessern. Für diese Idee konnte sich auch noch kein Anbieter erwärmen.

Nach Süden über die A13 ist die Situation auch nicht besser. Natürlich kann ich von Dresden über Prag, Brno, Bratislava und Györ nach Siofók am Balaton oder Budapest fahren (Hinweis: Aus Gründen der Verkehrssicherheit ist eine Übernachtung empfehlenswert). Für Berliner stellt sich nur die Frage, wie komme ich über die A13 von Berlin nach Dresden ohne zu laden? Vermutlich wird sich die Situation auf dieser Strecke erst mit der Ausstattung aller Autobahnraststätten von Tank und Rast mit Schnellladestationen entscheidend verändern. Von zusätzlichen Ladesäulen an den Aral Autobahnraststätten Berstetal und Rüblingsheide (Gegenrichtung) am Autobahndreieck Spreewald kann man nur Träumen.

Hier könnte der Text enden. Der Beitrag des ADAC „Taugen E-Autos für die Urlaubsreise?“ brachte mich zu der Frage, was sind die Anforderungen an das Ladenetz, damit man mit E-Autos Urlaubsreisen machen kann? Muss ein E-Auto in allen Aspekten besser sein wie ein Dieselauto, damit es urlaubstauglich ist?

Selbstverständlich gehe ich von ausschließlich elektrisch betriebenen Autos (BEV), die derzeitig verfügbar sind bzw. in den letzten Jahren verkauft wurden, aus und bei diesem speziellen Thema auch ohne Brennstoffzelle sind. Das Tankstellennetz für Wasserstoff wäre ein eigenes Thema, wo ich keine Erfahrung habe.

Schon seit mehreren Jahren bewältigen E-Auto Pioniere große Strecken, in dem sie auch an Steckdosen, die nicht zum Laden von E-Autos vorgesehen sind, laden. Deren Leistung verdient auch weiterhin größte Hochachtung. Für die Mehrzahl der Elektrofahrer kann dies (in Zukunft) nicht der Maßstab sein. Wenn jeder Kunde an der privaten Steckdose (CEE) des Bäckers laden will, dann wird man auch nicht mehr so freigiebig sein, so dass nur öffentliche Ladesäulen in Betracht gezogen werden sollten. Außerdem wird sich nicht jeder für einen Abenteuerurlaub erwärmen können.

Mit jedem E-Auto kann man eine längere Strecke zurück legen, wenn nur genügend Stopps für Übernachtungen und Laden vorgesehen werden, dies kann nicht das Kriterium sein. Es geht um eine größere Strecke, die an einem Tage durch einen durchschnittlichen Fahrer (mit Familie) bewältigt werden kann. Die Ladepausen sollten keine Stunde dauern.

Zur Reichweitenverlängerung benötigt man bei einer Tagestour Schnellladesäulen. Normalladesäulen (vgl. Definition beim BDEW: https://www.bdew.de/internet.nsf/id/20160902-pi-aufbau-der-stromtankstellen-kommt-voran-de ) insbesondere mit einer Ladegeschwindigkeit von weniger als 20 kW helfen da nicht weiter. Diese gehören in Wohngebiete und auf Parkplätze von Hotels. Über die Zukunftsfähigkeit von 20 kW/22 kW Normalladesäulen an Autobahnen und Transitstrecken kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Gleichfalls haben Ladesäulen, die bestimmte Systeme (CCS, CHAdeMO und AC Typ 2) ausschließen, nichts auf Autobahnen und an Transitstrecken zu suchen (auch der Tesla S und X kann mit einem Adapter von Tesla an einem Chademo-Anschluss laden). Hier kann ich mich nur selbst zitieren, „leider sind wir Elektrofahrer uns nicht immer einig. Die Elektromobilität wird sich nur in Vielfalt und nicht in Einfalt entwickeln.“

Niemand möchte auf der Autobahn ständig durch Lastkraftwagen überholt werden. Die Höchstgeschwindigkeit in anderen Ländern wie Schweden mit 110 km/h könnte eine wichtige Orientierung sein. Mit dieser Geschwindigkeit sind Demonstrationsfahrten, wie die vom Autohaus Wegener von einer Berliner Niederlassung nach Greifswald ohne Ladestopp mit den auf dem Markt befindlichen E-Autos (außer Tesla) nicht mehr machbar.

Entspricht ein Abstand von max. 120 km zwischen zwei Ladestopps auf der Autobahn den Erfahrungen der meisten Elektrofahrer? Dies kann nur eine Mindestforderung für Urlaubsfahrten sein. Zukünftig muss das Netz der Ladestationen dichter werden!

Die Frage nach den 120 km Abstand hat entscheidende Konsequenzen. Ist dieser Abstand schon zu groß, wäre die Alternative bei der Strecke von Berlin nach Rügen, auf Tank und Rast zu bauen, die hoffentlich bald Ladesäulen an den BAR Buckowsee (-Ost/-West) an der BAB A11 errichten. Zwischen den Autobahnraststätten Buckowsee und der Autobahnraststätte Demminer Land (A20) von Tank und Rast würde dann immer noch eine Schnellladestation in jeder Richtung fehlen.

Sind die oben genannten Annahmen akzeptabel?

Bei einem Vergleich der Schnellladestationen in den Niederlanden und in Deutschland fällt auf, wie wenig die Elektromobilität in Deutschland wertgeschätzt wird. Die deutschen Ladestationen gleichen den Tankstellen aus alten Filmen – eine Säule, kaum beleuchtet, sofern ein Halteverbotsschild angebracht wurde, wird das Halteverbot nicht durchgesetzt, kein Dach und je nach Lust und Laune geöffnet. Sollte es mehrere Sorten geben, sind die nicht immer alle im Angebot. Neuerdings ist es ja Mode, CHAdeMO-Ladekabel (aber auch andere Ladekabel) von Ladesäulen zu entfernen.

Es ist schon beschämend, wenn Transitreisende von Belgien nach Dänemark nicht den kürzesten Weg über das deutsche Autobahnnetz nehmen, sondern auf einem Umweg die Niederlande durchqueren, um dann über Niedersachsen und Schleswig-Holstein Dänemark zu erreichen.

Der BDEW veröffentlicht halbjährlich eine grafische Übersicht zu dem Ausbau der Ladepunkte in Deutschland ( https://www.bdew.de/internet.nsf/id/BEDA725360A19745C1258022002E7E8E/$file/160902_Ausbaustand%20Ladeinfrastruktur.pdf ). Das Berliner Problem wird auf Seite 2, rechte Grafik, besonders deutlich, insbesondere wenn man beachtet, dass an den touristischen Zielen, wie Ostseeküste und Mittelgebirge immer eine größere Ausstattung an Ladestationen erforderlich ist. Im Osten Deutschlands ist nur in Berlin die Elektromobilität angekommen (über Berliner Probleme sollte m. E. an anderer Stelle diskutiert werden).

Das Thema würde sich nicht in dieser Weise stellen, wenn die Bahn zur Unterstützung der Elektromobilität bedarfsgerecht und bezahlbar Autoreisezüge bzw. Mitnahmemöglichkeiten für E-Autos anbieten würde. Warum kann man Autos (auch mit Verbrennungsmotor) im Zug unter dem Ärmelkanal transportieren aber in Deutschland werden die Autoreisezüge eingestellt? Die Bahn treibt weiterhin die Leute auf die Straße zu den Autos mit Verbrennungsmotor. Innovative Ideen gibt es nicht. Einzige Ausnahme scheint die ÖBB mit Ihrem Angebot von Düsseldorf und Hamburg nach Wien zu sein, was den Berliner und Brandenburger Elektrofahrern nicht hilft.

M. E. ist bei einer qualifizierten Routenplanung ein Urlaub mit dem E-Auto möglich, wobei man insbesondere im Ausland gut beraten ist, entsprechende Adapter auszuleihen bzw. zu besorgen.

Von Berlin aus sind die Reiseziele über die A2 und A9 nur eingeschränkt erreichbar.

Ein mobiler Batteriespeicher kann ja am Ende nicht die einzige Lösung sein (vgl. http://bvb-innovate.com/mobilebattery/#iLightbox[9ce98609689bb5c52f1]/0 ).

Das BMUB feierte gestern das #FestivalderZukunft auf dem EUREF-Campus in Berlin. Was mich doch etwas betroffen gemacht hat, eine Vertretung der Fahrradfahrer der ADFC ist eingeladen, aber eine Vertretung der Elektrofahrer sucht man vergebens, da nicht eingeladen. In Baden-Württemberg wäre dies anders. Dort ist auf vielen Veranstaltungen der Electrify BW e.V. präsent.

Von einer bundesweiten Vereinigung sind m. E. die Elektrofahrer noch weit entfernt. Die Automobil Clubs haben sich ja mehr oder weniger alle von der Elektromobilität und der Vertretung der Interessen der Elektrofahrer verabschiedet.

Wer hat Ideen, wie das Thema zukünftig angegangen werden soll?

Leserbrief: Die besten Autos in allen Disziplinen

Betreff: Artikel: Die besten Autos in allen Disziplinen

Liebes Team der AutoBild,

zu dem aktuellen Vergleich „Die besten Autos in allen Disziplinen“ ist Ihnen ein erheblicher Fehler unterlaufen. In dem Vergleich „0-100 km/h“ ist ein Tesla – also ein Elektroauto zu finden. Damit beziehen Sie die E-Autos in dem Artikel mit ein.

In dem Vergleich der Kategorie „Verbrauch“ dagegen ist kein einziges E-Auto enthalten. Bei einem Äquivalenzfaktor von rund 1l fossilem Kraftstoff zu 10 kWh elektrischen Strom liegen alle kleinen und kompakten Elektroautos unter 2 Liter Benzin- oder Diesel Verbrauch auf 100 km. Die Top 10 dürften so KIA Soul EV, Renault Zoe, BMW i3, VW e-up!, Nissan Leaf etc. heißen. Auch die Erdgas-Drillinge Mii, Citigo und Up sind im Alltag energetisch vergleichbar unter 4l flüssigem Kraftstoff zu fahren.

Wenn die Verbrauchsvorteile von elektrischen und alternativen Antriebe in solchen Tests nicht sichtbar werden, braucht sich niemand über Kaufzurückhaltung der Bevölkerung wundern.

Ihrem Redakteur Manfred Klangwald, Dauertest BMW i3 Seite 37 derselben Ausgabe, hätte das Fehlen „seines Dauertestautos“ eigentlich auffallen können.

Diesem Leserbrief möchten wir uns sehr gerne anschließen.

Landratswahl im Landkreis Potsdam-Mittelmark

Ende September wird im Brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark ein neuer Landrat gewählt; erstmals haben die Einwohner die Möglichkeit, den Landrat direkt zu wählen. Was hat das aber mit Elektromobilität zu tun?

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark versorgt sich inzwischen durch Wind-, Solar- und Biomassenkraftwerke bilanziell zu annähernd 100% aus erneuerbaren Energien. Doch immer wieder liest man von einer „Verlangsamung des Ausbaus“ der EE. Doch ist das richtig? Derzeit geht es nur um Strom, doch der Verkehrs- und Mobilitätssektor sind weitgehend noch gar nicht von der Energiewende erreicht, damit stehen hier immer wieder Windkraftanlagen still oder werden Solarkraftwerke abgeregelt. Welche eine Energievergeudung, die man für die Erzeugung von Wärme oder die Mobilität nutzen könnte.

Wir haben einen kurzen Fragebogen an die fünf Kandidaten verschickt und sind auf die Antworten gespannt, die wir hier natürlich veröffentlichen werden.