Wallbox-Workshop

Liebe Freunde,

wer schon immer mit der Idee gespielt hat, sich einmal seine eigene Wallbox zu bauen, hat jetzt die Gelegenheit dazu. Das folgende Angebot hat uns heute erreicht, welches wir gerne auf diesem Wege an Euch weiter geben wollen:

Wallbox-Workshop: Jeder baut auf eigene Kosten eine Wallbox nach seinen eigenen Vorstellungen. Dazu gibt es Anleitung und Unterstützung von Roland Klose, der schon viel Erfahrung zum einen mit dem Selbstbau von Ladestationen, zum anderen mit der Durchführung solcher Workshops hat. Roland macht das "für lau". http://zukunftfaehrtelektrisch.de/

Auf diese Weise haben die Teilnehmer die Möglichkeit, relativ preisgünstig an eine eigene Wallbox zu kommen, bzw. sich eine Wallbox zu konfigurieren, die im Handel vielleicht so gar nicht erhältlich ist. Vor allem aber lernt man eine Menge über das Innenleben so einer Wallbox, und über die technischen Zusammenhänge!

Im Moment sieht die Nachfrage ziemlich mau aus. Wenn wir Roland her locken wollen, brauchen wir noch ein paar mehr Interessenten!

http://doodle.com/poll/kveu9mygsifa9grz

Wichtiges vom Schnelllader Rastplatz Grunewald

Werte Leser!

Heute hatte ich die Gelegenheit, den Schnelllader am Rastplatz Grunewald bei eisigen -10 Grad an meinem Peugeot iON zu testen. Davon nun ein kurzer Bericht in Stichpunkten:

  • Überraschung: Ein Tesla Model S war dort am Typ2-Post angeschlossen, als ich ankam. Also hieß es nun zu testen, ob eine Parallelladung überhaupt möglich ist. Nach zwei Anläufen (Lader zeigte Fehler an bei der Aktivierung von CHAdeMO) ging es dann doch los.
  • Nach der ersten Minute waren gerade einmal 0,14 kWh geladen (Start-SOC 30%), nur die Hälfte, die bei Temperaturen um Null Grad in der gleichen Zeit in den Akku fließen. Dies entspricht einer Ladeleistung von 8,4 kW.
  • Nach 45 Minuten dann 5,72 kWh und am Ende meiner Ladung – mehr Zeit hatte ich nicht -, d.h. nach 52 Minuten, hatte ich 6,22 kWh geladen. Dies entspricht einer durchschnittlichen Ladeleistung von 7,2 kW. Interessant: Der Tesla hatte nach 2 Stunden knappe 22 kW geladen, sehr wahrscheinlich ein Model mit 11 kW-Lader. Vlt. waren seine Akkus wärmer oder der große Akku nimmt auch bei Kälte einfach schneller die Ladung auf.
  • So, nun meine Lieblingsrechnung… Was hätte die Ladung dort in einem 30- bzw. 50-Cent pro Minute-Zeittarif gekostet? Hier die Antworten:

    Die Ladung von 6,22 kWh hätte mich demnach € 15,60 (30 Cent pro Minute) bzw. € 26,- (50 Cent pro Minute) gekostet.

    Dies entspricht einem kWh-Preis von € 2,50 bzw. € 4,18! Für 26,- bekomme ich derzeit an der Tankstelle rund 26 Liter Diesel bzw. 22 Liter Benzin und kann damit 500 bzw. 300 km weit fahren. Mit den 6 kWh kann mein iON (ohne Heizung!) ca. 50 km weit fahren. Jeder logisch denkende Mensch wird einen Vergleich zwischen Strom-tanken vs. Benzin/Diesel-Tanken sowie einen Vergleich zwischen „zuhause-laden“ und „unterwegs-laden“ anstellen. Das Ergebnis spricht kaum für den Erwerb eines Elektroautos, wenn man damit auch unterwegs laden will oder muss, weil man keine eigene Lademöglichkeit hat.

Und nun? Was bedeutet das?

Einerseits zeigt dies, dass man im Winter generell von Schnellladung auf dem Niveau „Sommer“ nicht reden kann, die Ladung verläuft zumindest an meinem Wagen nur noch knapp doppelt so schnell, wie an der heimischen Wallbox mit max. 3,3 kW Ladeleistung.

Dies zeigt weiterhin erneut, dass ein Zeittarif die Nutzerinnen und Nutzer von Elektroautos unfair behandelt, da diese für die längeren Ladezeiten nichts können. Dies ist rein technisch bedingt und durch den Nutzer nicht beeinflussbar. Niemand wird freiwillig eine Stunde oder länger im kalten Auto sitzen, weil es Freude bereitet. Geht man während der Ladezeit ins Café steigen wir Gesamtkosten noch weiter an. Modernere Autos als der Peugeot iON mögen mit größeren Akkus und/oder einer Akkuheizung von dem Problem weniger betroffen sein. Doch bei fast allen Fahrzeugen werden sich ähnliche Effekte einstellen.

Durch den Zeittarif wird das Laden zu einem enorm kostspieligen Vergnügen. Sind schon die Ladezeiten im Sommer für den Laien kaum abzuschätzen, so gilt dies im Winter umso mehr. Hier explodieren geradezu die Ladezeiten und damit die Kosten einer Ladung, die einem auch nach einer Stunde kaum weiter als 50 km weit bringen wird. Damit können Kosten von bis zu € 50,- pro 100 km entstehen. Augenblicklich ist das das Zehn-Fache der reinen Energiekosten eines Diesel oder Hybrid-Benziners. Und dies vor dem Hintergrund, dass selten wirklich Elektroautos die Ladestationen blockieren, sondern eher Falschparker oder andere Hindernisse (vlg. unseren gestrigen Twitter-Beitrag aus Berlin-Steglitz – hier wurden die beiden Stellplätze an einer Ladestation kurzerhand zu Stellplätzen für Bauschutt umfunktioniert. Laden unmöglich!). Kurz: Hier muss dringend umgesteuert werden. Das geplante Stadt- und Landesweite Ladetarifmodel nach Zeit ist kontraproduktiv und nimmt die noch wenigen Nutzer in Haftung (kostendeckende Preise) anstatt die Nutzung der Elektromobilität zu fördern.

Aktion für die öffentliche Ladeinfrastruktur

Wer kennt das nicht…das kommt man Strom-suchend an eine Ladestation und wieder einmal ist die blockiert durch Falschparker oder Nicht-Ladende oder die Ladestation ist defekt.

Wir haben daher eine Aktion gestartet, um für ein Mehr an Mitdenken beim Laden an öffentlichen Ladestationen zu werben. Dazu wurden Aufkleber hergestellt, die wir nun nach und nach an den öffentlichen Ladestationen anbringen werden. Selbstverständlich werden wir die Aufkleber nur so anbringen, dass die Ladestation nicht verschandelt wird und es werden auch keine Texte oder Piktogramme verdeckt.

Auf unserem YouTube-Kanal der IGEMBB findet Ihr auch ein kurzes Video dazu.

Vielleicht hilft es ein Stück weiter…

Danke an Hans für die Idee!!!WP_20160117_14_08_53_Pro[1]WP_20160117_14_09_11_Pro[1]

2. Besuch an der Schnellladestation am Rastplatz Grunewald mit Video-Blog

Heute habe ich zum zweiten Mal den AC-/DC-Schnelllader am Rastplatz Grunewald besucht. Diesmal kam ich mit geringer Restreichweite an (30 km), auch diesmal war es mit um die Null Grad eher ungemütlich. Anschluss und Start der Ladung gingen problemlos vonstatten. Mir ist aber die fehlende Beleuchtung negativ aufgefallen, die Station wird nur indirekt über die wenigen Lichter am Rastplatz mitbeleuchtet. Eine Beleuchtung an der Station wäre positiv. Auch gibt es dort kein barrierefreies WLAN. Alle verfügbaren Netze sind gesichert. Wer dort lädt und arbeiten möchte, benötigt also mobiles Datenvolumen. Erfreulicherweise waren beide Stellplätze frei, obwohl der Rastplatz sonst gut gefüllt war.

Während einer 40-minütigen Runde mit dem Hund konnte ich von 30 auf 80% laden, dazu flossen 7,3 kWh in den Akku. In der ersten Minute 0,3 kWh, demnach betrug die Ladeleistung zum Beginn der Ladung 18 kW. Die durchschnittliche Ladeleistung (bis 80%) betrug noch 11 kW. Bei einem Minutenpreis von 30 Cent hätte die Ladung 12 Euro gekostet, bei 50 Cent pro Minute also stolze 20 Euro. Und das für ganze 70 km Reichweitengewinn, real also vlt. so 40-50 km (Autobahn, Heizung…).

Ich habe dann noch die zweite Ladephase gestartet und eine weitere kWh geladen (bis SOC 87%), was 16 Minuten gedauert hat. Die angezeigte Restreichweite betrug dann 110 km. Ein Gewinn von 80 km, die real natürlich nicht erreichbar sind, vor allem nicht bei Autobahntempo, nasser Fahrbahn, niedrigen Temperaturen und Heizungsbetrieb. Ob man damit bei zügiger Fahrt Richtung Süden bis nach Linthe kommt…? Und dann wieder laden und wieder 15 oder 20 Euro zahlen…ob das der richtige Weg für die Elektromobilität ist?

Insgesamt habe ich also in 56 Minuten 8,3 kWh geladen (17 bzw. 28 Euro, je nach Tarif).

Kleiner Tipp an Tank&Rast: Die Lademöglichkeit auch auf den großen Schildern sichtbar machen!

Wenn Ihr Euch die Ladestation mal ansehen wollt, dann besucht mein „Lade-Video“ auf YouTube: https://youtu.be/SZKIu-Hu9rw

Viel Spaß beim Angucken und hoffentlich kommen bald noch mehr Videos dazu. Abonniert einfach den Kanal.

AW: T58752152339 / E-Mobile Ernüchterung in Deutschland. Eine offene Antwort und ein offenes Wort an die Verantwortlichen !

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich kenne die Regelungen gut. Diese schützen aber vor Unsinnigkeiten nicht, weil sie schlecht gemacht sind. Ich habe Ihnen heute eine Mail zugeleitet zur neuen DC-Ladestation in Berlin (Rastplatz Grunewald). Hier sind bereits einige Punkte abgesprochen. Ich will aber an dieser Stelle ergänzen:

Die aktuelle Regelungen führen doch gerade zu einem Durcheinander hinsichtlich der Anschlüsse an den Ladesäulen. Bereits vor dem Inkrafttreten der Regelungen hätte ein einfacher Blick auf den Markt gezeigt, dass das CHAdeMO-Ladesystem deutlich weiter verbreitet war und noch immer weit mehr Fahrzeuge mit CHAdeMO-Anschluss auf den Straßen unterwegs sind und neu auf die Straßen kommen, als Fahrzeuge mit CCS-Ladesystem. Wie man angesichts dieser Tatsachen auch nur auf die Idee kommen kann, nun auch noch einen neuen Anschluss im Markt zu etablieren und durchzudrücken, erschließt sich mir nicht.

Hier nun mal ein Blick auf die Realität.

In Berlin haben wir ein kleines Netz von DC-Ladestationen, die Gott sei Dank alle als 3in1-Lader ausgeführt sind. Auch die neuen DC-Ladestationen von Tank&Rast werden als 3in1 gebaut. Super! Selbst ALDI baut 3in1-Lader! Jubel! So sieht diskriminierungsfreies Denken aus. Schließlich will man ja auch alle Fahrzeuge erreichen und Kunden nicht für ihre Kaufentscheidung bestrafen oder dieses gar beeinflussen…

Nun verlässt man Berlin auf der A9 und fährt Richtung Süden und kommt nach 50 km am DC-Lader in Linthe an. Dieser hat zwar nur 22 kW, aber immerhin. Doch halt. Was ist das? Hier fehlt ja der AC-Anschluss!!! Fahrzeuge nur mit AC-Anschluss stranden hier und dazu zählen auch die vielen so hochgelobten PlugIn-Hybriden insb. der deutschen Hersteller…wenn es aufgrund der schmalbrüstigen Ladegeräte in diesen Autos sich kaum lohnt, dort 2 Stunden auf eine Vollladung zu warten, die dann für vlt. 30 km auf der Autobahn reicht. Aber gut.

Fährt man weiter kommt man auf die Ladestrecke in Sachsen Richtung München (Schaufensterprojekt „Elektromobilität verbindet“). Doch auch hier traut man seinen Augen nicht: Da ist doch AC wieder vorhanden, doch auf der DC-Seite fehlt nun der CHAdeMO!!! Ja, was denn nun?

Wenn man dann noch liest, dass den neuen DC-Ladern im SLAM-Projekt das CHAdeMO-Kabel sogar wieder abgebaut wird, verlässt einen doch glatt der Glauben an den normalen Menschenverstand. Da werden teure Lader mit Vollausstattung gekauft (alleine das Kabel wird sicher mehr als 2000,- kosten und der CHAdeMO-Controller ist ja sicher auch drin und nicht umsonst) – und das mit Steuermitteln – und dann wird das Ladekabel, an dem tausende an Fahrzeugen laden könnten, einfach wieder abmontiert. Im Ernst: Nennen Sie mir dafür einen Grund! Und: Wo sind die Kabel eigentlich jetzt???

Worum geht es denn? Europaweite Elektromobilität fördern? Diskriminierungsfreies Laden ermöglich? Klimaschutz fördern? Die Abkehr von fossilen Energieträgern? Geht es darum? Oder geht es um den lächerlichen Versuch der Industrie, Ihr Zu-Spät-Kommen irgendwie wieder auszugleichen?

Auf Ihre Antwort bin ich gespannt. Sehr.

Mit freundlichen Grüßen

J. Affeldt

Gesendet von Mail für Windows 10

Von: buergerdialog
Gesendet: Freitag, 8. Januar 2016 14:51
An: julian.affeldt
Betreff: T58752152339 / E-Mobile Ernüchterung in Deutschland. Eine offene Antwort und ein offenes Wort an die Verantwortlichen!

Sehr geehrter Herr Affeldt,

vielen Dank zunächst für die offenen Worte.
Wir sind uns durchaus bewusst, dass es noch eine ganze Reihe von Herausforderungen zu bewältigen gibt, um das Thema Elektromobilität entscheidend voranzubringen. Auch ist es sicher richtig, dass Pioniere am Werk sein müssen, um noch unzureichende Infrastrukturmaßnahmen mit Gleichmut hinzunehmen.
Wir möchten aber kurz erläutern, was das Bundeswirtschaftsministerium unternimmt, um wichtige Themen abzuarbeiten, die für eine Akzeptanz der Elektromobilität von Bedeutung sind.

Bei wichtigen regulatorischen Rahmenbedingungen wie die BMWi-Ladesäulenverordnung ist noch der Bundesrat gefordert, zügig dem Vorschlag der Bundesregierung zuzustimmen. Wir erwarten zum Feb. 2016 eine Entscheidung. Der in der Email unten angesprochene Ladesteckerstandard CCS ist in der EU-RL als EU-weiter Mindeststandard aufgeführt – darüber hinaus sind weitere Ladesysteme zulässig, mindestens aber muss CCS verwirklicht sein, ab Inkrafttreten der VO und mit Bestandsschutz für alte Ladesäulen. Wir dürfen an dieser Stelle aus unserem Internetangebot zitieren:
"
Damit Elektromobilität optimal genutzt werden kann, ist es wichtig, sich auf einheitliche Standards zu verständigen. Um eine europaweite Mobilität zu gewährleisten, müssen die Ladestecker und -buchsen mit der Ladeinfrastruktur kompatibel sein. Diesbezüglich wurde seitens der EU die Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe beschlossen. Darin sind vor allem die Steckerstandards für öffentlich zugängliche Ladeeinrichtungen vereinheitlicht und verbindlich vorgeschrieben worden, was die Investitionssicherheit für Investoren beim Aufbau der Ladeinfrastruktur sicherstellt.

Entsprechend legte das BMWi dem Kabinett am 28. Oktober 2015 einen Entwurf für die Ladesäulenverordnung (LSV)vor, welcher die Richtlinie (2014/94/EU) des Europäischen Parlaments und Rates aufgreift und sie im Hinblick auf verbindliche Ladesteckerstandards für Ladepunkte für Elektromobile in Deutschland umsetzt. Damit ist Deutschland das erste EU-Mitgliedsland, das verbindliche technische Mindestvorgaben für Steckdosen und Fahrzeugkupplungen beim Laden von Elektromobilen erhält. Gemeinsame Steckerstandards sind eine Voraussetzung für Interoperabilität der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur . Gleichzeitig sorgt die Normierung der Steckerstandards dafür, dass Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten die Bundesnetzagentur über deren Aufbau und Inbetriebnahme unterrichten müssen. Für Schnellladepunkte müssen Betreiber laut dem Verordnungsentwurf regelmäßig Nachweise über die Einhaltung der technischen Anforderungen bei der Bundesnetzagentur vorlegen. Die Verordnung soll die Rechtssicherheit verbessern, was zu mehr privaten Investitionen in den bedarfsgerechten Aufbau von Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge führen wird."

Ein weiterer wichtiger Punkt sind einheitliche Abrechnungssysteme:

Die Industrie hat die Arbeiten zu einer Kooperationsvereinbarung über Abrechnungssysteme bei Ladesäulen aufgenommen und dürfte bald Ergebnisse vorlegen. Es ist wichtig, dass Kunden deutschlandweit laden und den getankten Strom von unterschiedlichen Anbietern abrechnen können. Sicherlich sind wir hier einer Meinung..

Zum Abschluss möchten wir eingehend auf Ihre Email betonen, dass im Nachgang zum Elektromobilitätsgesetz I im geplanten Elektromobilitätsgesetz II unter anderem bau,- miet- und eigentumsrechtliche Vorschriften angepasst werden sollen, um einen schnellen und einfacheren Aufbau von Ladeeinrichtungen zu ermöglichen.

Diese Ausführungen zeigen vermutlich nur ansatzweise, welche Herausforderungen unabhängig vom reinen Erwerb eines E-Mobils bestehen, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen.
Der Sachstand hilft Ihnen aber hoffentlich, weiter sachlich und konstruktiv für die Elektromobilität zu werben.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team vom Bürgerdialog BMWi

Referat LB 3 – Bürgerdialog
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Scharnhorststr. 34-37
10115 Berlin

Tel.: 030 18615 0
Fax: 030 18615 5300
E-Mail: buergerdialog@bmwi.bund.de
Internet: www.bmwi.de
RG

Von: Julian Affeldt [mailto:julian.affeldt]
Gesendet: Mittwoch, 30. Dezember 2015 08:00
An: Bernd Gierach
Betreff: E-Mobile Ernüchterung in Deutschland. Eine offene Antwort und ein offenes Wort an die Verantwortlichen!

Werte Damen und Herren,

vor wenigen Tagen erreichte mich die unten stehende Nachricht, die typisch und symptomatisch für den Zustand der Elektromobilität in Deutschland ist. Wer Elektromobil im Alltag ist, kann viele solcher Erfahrungen beisteuern. Erlauben Sie mir daher folgende Anmerkungen zum Stand der Elektromobilität in Deutschland:

Lieber Bernd,

leider sind Deine Erfahrungen nur allzu typisch für die Elektromobilität in Deutschland. Sie ist von keiner Seite wirklich gewollt. Weder von der Politik, noch von der Automobilwirtschaft noch von den Menschen, da kaputt geredet (zu teuer, nicht ausgereift, nicht alltagsauglich). Und deine Erfahrung zeigt leider, dass die Elektromobilität noch lange nicht alltagstauglich und massentauglich ist. Wir müssen das zur Kenntnis nehmen. Ich kann guten Gewissens keinem Mieter oder Wohnungseigentümer raten, sich ein reines Elektroauto anzuschaffen. Zu groß sind die im Alltag damit verbundenen Probleme, wenn es darum geht, das Auto mit Strom zu versorgen.

Wer will sich ernsthaft auf die öffentliche Ladeinfrastruktur verlassen? Wer will ernsthaft diese Preise bezahlen? Man muss schon ein wenig hartgesotten sein, um sich darauf einzulassen.

Wie schon bei der EnergieWende braucht es aber unerschrockene und handfeste Menschen wie Dich, damit sich überhaupt etwas bewegt, wenn es auch nur in Trippelschritten voran geht und auch wenn der Gegenwind hefig ins Gesicht weht.

Ich denke, dass der große Schub aus dem Ausland kommen wird, vor allem aus Asien/China. Dort ist die Umweltverschmutzung "zum Glück" auf einem so hohen Niveau angekommen, dass man auch dort nicht mehr wegschauen kann. Dagegen ist die Luft in der Potsdamer Großbeerenstraße (ein Synonym unter vielen für das Versagen der deutschen Luftreinhaltepolitik) eine echte Wohltat. Sobald die erste Großstadt in China die reinen Verbrenner verbietet, kippt das Pendel. Hoffentlich passiert das bald. Vorher werden Politik, Wirtschaft und Lobbyverbände mit Klauen und Zähnen den Status Quo verteidigen und mit ein paar grün angemalten Streicheleinheiten und mit Bezug auf die realitätsfernen Mess- und Testmethoden behaupten, wie sehr man doch Weltmarktführer sei. Wie zynisch.

Nur ein Beispiel: Porsche – eine von mir wirklich hoch geachtete Marke – kann, wie andere auch, problemlos auf der Webseite "behaupten", ein Panamera S E-Hybrid mit einer Systemleistung von über 400 PS erzeuge lediglich 71 g CO2 pro km. Man muss sich nicht mal groß mit der Materie auskennen um zu ahnen, dass das Unsinn ist. Zum Vergleich: Unser vier Jahre alter Prius III verbraucht heute real auf der Straße zwischen 3,4 und 5,1 Liter (im Durchschnitt 3,8 Liter), dies entspricht CO2-Emissionen von knapp unter 90 Gramm pro km (am Fahrzeug, ohne Vorkette der Kraftstoffbereitstellung; 110 g pro km inkl. Vorkette). Das Ganze noch ohne Partikelemissionen und mit einer real 10-fachen Unterschreitung der aktuellen Euro 6-Grenzwerte bei den Stickoxiden (6 statt 60 mg NOx pro km). Kein TSI- oder TDI-Fahrzeug kann da mithalten. Wenn man will, geht es also.

Doch der Prius ist kein Porsche Panamera, den wiederum kaum ein Porsche-Fahrer so fahren wird, wie wir unseren Prius. Doch die aktuellen Mess- und Testverfahren lassen solche Mondwerte zu. Da werden die durchschnittlichen Emissionen der Stromerzeugung ebenso ignoriert wie die Vorkette der Kraftstoffbereitstellung und das Verhalten bzw. der Verbrauch des Panameras, wenn der hoffentlich grüne Strom im Akku aufgebraucht ist. Real wird der Wagen um die 8 Liter schlucken (190 g CO2 pro km ohne Vorkette; laut Spritmonitor.de liegt der Durchschnittsverbrauch der reinen Benziner sogar bei 13,6 Litern = 316 g CO2 pro km!!!) und "auf Strom" sicher weit mehr als 13 kWh (mind. 75 g CO2 pro km) verbrauchen (denn damit wäre er fast so sparsam wir unser Peugeot iON – damit aber niemals zu vergleichen). Leider ist auf Spritmonitor.de noch kein Panamera E-Hybrid verzeichnet; ich schätze den Stromverbrauch mal auf mind. 18 kWh.wenn das mal reicht.

Mit Stand heute sind solche Angaben aber vollkommen legal und stellen rechtlich auch keine Verbrauchertäuschung dar, denn sie beziehen sich klar und eindeutig NICHT auf das Leben auf der Straße, sondern das aktuelle Testverfahren, das, wie wir alle wissen, vollkommen irreal ist und mit der Realität so wenig zu tun hat, wie ein Diesel mit Umweltschutz. Im Gegenteil: Die "Katalogwerte" der PlugIn-Hybriden weichen noch stärker von der "Straßenwerten" ab, als bei den reinen Verbrennern (mit sehr wenigen Ausnahmen):

Porsche Panamera E-Hybrid: 3,1 Liter/100 km (71 g CO2 pro km) Volvo V60 Twin Engine: 1,8 Liter/100 km (49 g CO2 pro km) Auto e-tron: 1,6 Liter/100 km (35 g CO2 pro km) Golf GTE: 1,6 Liter/100 km (35 g CO2 pro km) Passat GTE: 1,7 Liter/100 km (38 g CO2 pro km)

usw. usw. Die reinsten Saubermänner der Nation! Die Fahrzeuge müssten auf der nächsten VCD-Umweltliste ganz oben stehen. Lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

Und das im Jahr des größten Abgasbetruges aller Zeiten. Von den Zielwerten sind wir bei ehrlicher Betrachtung noch Lichtjahre entfernt und dann müssen wir natürlich die gesamte Prozesskette betrachten, denn weder Benzin noch Solarmodule wachsen am Baum – irgendwo fallen immer Emissionen an und werden Rohstoffe verbraucht. Aber es kommt darauf an, das Beste daraus zu machen. Und da ist die Elektromobilität unschlagbar und in Verbindung mit erneuerbaren Energien und ein gewaltiger Schritt nach vorne. Und das beziehe ich auch auf sinnvolle Mischtechniken, die auch auf der Straße das einhalten, was sie versprechen.

In der Anfangszeit der Verbrennungsmotoren sind sicher auch viele Automobilisten immer wieder liegengeblieben, weil es kein Benzin in der Apotheke gab oder diese gerade geschlossen hatte. Genau da befinden wir uns heute im Bereich der Elektromobilität. Und insb. Deutschland macht sich lächerlich. Die Förderrichtlinien für das SLAM-Projekt und die geplante Ladesäulenverordnung sind die besten Beispiele dafür, wie man es kaum noch schlechter machen kann. Hast Du von der DC-Ladesäule gelesen, bei der nach dem Aufbau das CHAdeMO-Kabel wieder abmontiert wurde, nur um die Förderrichtlinie einzuhalten? Und dabei fahren weit mehr Fahrzeuge mit CHAdeMO-Anschluss auf unseren Straßen, als solche mit CCS. Förderung made in Germany.

Aber wir haben den ersten Schritt getan und darauf können wir schon ein klein wenig stolz sein und uns auch mal mit hoch erhobenen Kopf abschleppen lassen. Wie viele Verbrenner werden Jahr für Jahr mit defektem Motor abgeschleppt?

Dies soll Dir zeigen, wie sehr es auf den gesunden Menschenverstand ankommt und wie wenig wir von der Politik derzeit zu erwarten haben. Und vielleicht hilft Dir das ein wenig, den Stress und den Ärger, den du erlebt hast, zu vergessen. Und dass ich Dir und uns allen wünsche, weiterhin mit viel Spaß und Freude elektrisch unterwegs zu sein.

Liebe Grüße
Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg c/o Julian Affeldt Meiereifeld 7e
14532 Kleinmachnow

Gesendet von Mail für Windows 10

Von: xxx
Gesendet: Dienstag, 29. Dezember 2015 17:41
An: Julian Affeldt
Betreff: E-Mobile Ernüchterung

Hallo Julian!
Letzte Woche Montag war es nun soweit,daß der ADAC mich und meinen ZOE von Cottbus nach Calau bringen mußte.
Gleich zwei Ladesäulen funktionierten nicht.Ich hatte noch ca.5km Restreichweite.Ich wollte eigentlich mit dem ADAC zur dritten Säule (Vattenfallzentrale) geschafft werden (ca.5km entfernt).Der Fahrer sagte mir,daß er mich lieber 30km zu meinem Wohnort bringen möchte.Es könnten sonst Abrechnungsprobleme auftauchen.Es kommt noch besser.Am nächsten Tag sagte mir mein Neztbetreiber,daß es ihm bekannt ist,daß die rechte Seite defekt ist.Und an der anderen Seite hängt ständig das Auto des Netzbetreibes dran.Leider war es einem Mitarbeiter nicht möglich, diesen BMW raus- zusiehen.So hätte ich kurzzeitig mein Auto laden können.
Heute nun konnte ich dort wieder erfolgreich laden.Als ich die andere Säule (Stadtzentrum) testen wollte,mußte ich leider feststellen,daß diese wahrscheinlich schon mindestens eine Woche außer Betrieb ist.Der Betreiber Vattenfall ist in diesen

<VorgangID:T58752152339>

Neuer DC-Lader im Berliner Südwesten: Wie man es machen und wie man es nicht machen sollte

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mehrere Mitglieder der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg konnten bereits den neuen DC-Schnelllader am Rastplatz Grunewald testen. Der neue Schnelllader gehört zum Stationsnetz der Tank&Rast; ca. 400 solcher Ladestationen will Tank&Rast in Deutschland aufbauen. Besonders begrüßenswert dabei ist, dass es sich dabei – soweit derzeit bekannt – um 3in1-Stationen handeln wird; demnach stehen dort AC (Typ2, 43 kW) und DC (CHAdeMO und CCS, je 50 kW) zur Verfügung. Tank&Rast scheint sich also nicht an der Diskriminierung des erfolgreichen CHAdeMO-Ladesystems (über 2500 Ladestellen in Europa) innerhalb des SLAM-Projektes zu orientieren und freut sich auf alle Ladekunden, egal, welches Ladesystem im Fahrzeug verbaut ist. Daumen hoch!

Bei meinem Besuch heute waren beide Stellplätze am Lader frei zugänglich. Wie immer sind die Stellplätze gut sichtbar beschildert; auch gibt es mehrere Hinweisschilder auf die Ladestation, u.a. auf der Autobahnausfahrt. In wie weit sich dort dennoch Falschparker einfinden werden, wird die Zeit zeigen. Leider gibt es auch an dieser Ladestation keinen Hinweis, wie man sich als Strom-Suchender verhalten soll, wenn die Ladeplätze durch Falschparker blockiert werden. Hier schon mal die Telefonnummer vom Ordnungsamt Zehlendorf-Steglitz: (030) 90299-4660. Aufgrund eingeschränkter Öffnunsgzeiten ist dort natürlich nicht 24/7 jemand zu erreichen. Tank&Rast sollte an den Ladestationen einen deutlichen Hinweis dazu anbringen. In wie weit die Ladestation bei Dunkelheit einsehbar und zu bedienen ist, muss sich zeigen. Eine extra Beleuchtung habe ich nicht gesehen. An der vor Ort befindlichen Tankstelle und am Schnellrestaurant kann man die Ladezeit verbringen. Unser Tipp: Die Ladestation mit einem WLAN ausstatten, so dass man Ladepausen produktiv nutzen kann.

Nun, derzeit ist das Laden an dieser Station kostenfrei und wir bitten möglichst viele Elektromobilisten die Ladestation ausgiebig zu testen. Feedback bitte an Tank&Rast.

Nun zu einem damit zusammenhängendem Gedanken. Ich habe heute dort 28 Minuten geladen und in dieser Zeit 4,5 kWh geladen (ab SOC 44% und 0 Grad Außentemperatur). Die Ladeleistung betrug also im Durchschnitt 9,6 kW bei 59 kW Maximalleistung, die aber nur bei leeren Akku und ausreichenden Außentemperaturen kurzfristig erreicht wird. In einem Zeit-basierten Abrechnungsmodell mit 30 Cent pro Minute – so wie an div. Schnellladern in Berlin – hätte mich die Ladung demnach € 8,40 oder umgerechnet stolze € 1,86 pro kWh gekostet. Dies entspricht, nebenbei und zum Vergleich, dem 7,5-fachen des Haushaltstromtarifes (0,25 Euro pro kWh). Hätte ich die gleiche Ladung z.B. am DC-Schnelllader am S-Bhf. Südkreuz getätigt (50 Cent pro Minute), hätte ich sogar € 14,- oder umgerechnet € 3,11 pro kWh gezahlt (ebenfalls nebenbei: das entspricht mehr als dem 12-Fachen des Haushaltstromtarifes). WOW!

Und was habe bzw. hätte ich für € 8,40 oder € 14 bekommen? 4,5 kWh reichen bei dem Wetter vlt. für max. 30 km, je nach Fahrzeug, Fahrweise Art und Einsatz der Heizung sogar für nur noch weniger. Den Preis auf 100 km will ich mir da gar nicht ausrechnen.

Wer, um Himmels Willen, käme bei solchen Preisen auf die Idee, nach einem solchen Tarif dort zu laden??? Für € 14,- Diesel kann man in einem sparsamen Fahrzeug sicher 200 bis 300 km weit fahren…und auch mit einem Hybriden kommt man ähnlich weit. Im Elektroauto nicht mal 50 km! Damit komme ich auch nicht einmal zur nächsten Ladestation an der A9 in Linthe.

Ganz ehrlich: Wer da nicht auch auf den Gedanken kommt, dass ein solcher Zeit-Tarif vollkommen kontraproduktiv ist, der will ganz sicher Vieles, aber nicht die Elektromobilität fördern.

Hier muss einfach ein anderes Preismodell her und dieses muss sich an der tatsächlich geleisteten Arbeit orientieren und nicht an der Nutzungszeit der Ladesäule. Noch gibt es (leider) viel zu wenige Elektroautos auf unseren Straßen, als dass man daran denken müsste, diese durch Zeit-Tarife von langen Standzeiten abzuhalten. Selbst bei einem Preis von 1,- pro kWh hätte ich dort zwar immer noch € 4,50 bezahlt, aber keine 8,- oder sogar 14,-

Kurz: Ein großer Dank an Tank&Rast für die neue Ladestation und vor allem ein großes Lob für einen 3in1-Lader. So funktioniert diskriminierungsfreies Laden. Doch die Erfahrungen zeigen, dass ein Zeit-basiertes Modell niemandem nutzt. Weder den Nutzern (weil die es nicht akzeptieren werden), noch dem Betreiber (weil das Preis-Modell eher abschreckend wirkt) noch der Umwelt (weil ein solches Preismodell kontraproduktiv ist). Gründe genug, darüber intensiv mit den Nutzern ins Gespräch zu kommen und nachzudenken, wie man dies umkehrt. Zum Nutzen für uns alle.

Text & Bilder: Julian Affeldt, Kleinmachnow; Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg