Nutzerinterview zur Elektromobilität

Kürzlich fand in Trebbin das Nutzerinterview zur Begleitforschung der vier Schaufenster „Elektromobilität“ statt. Eingeladen waren reale Nutzer, keine Beteiligten der Schaufensterprojekte. Durchgeführt wurde das Interview durch die Bridging-IT.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die Nutzer wünschen, dass sie in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, insb. bei den Fragen rund um die Ladeinfrastruktur. Auch wenn verschiedene Anforderungen und Nutzungshäufigkeiten öffentlicher Ladeinfrastruktur deutlich wurden (von „Ich nutze diese nicht bzw. (aufgrund der Kosten) nicht mehr“ bis zu „Ich bin zu 100% darauf angewiesen“) wurde deutlich, dass sich alle eine barrierefreie und diskriminierungsfreie Ladeinfrastruktur wünschen, die möglichst simpel zu bedienen ist und eine deutlich sichtbare und transparente Preisstruktur anbietet, denn bei keiner einzigen öffentlichen Ladesäule sind Preise im Voraus und/oder während des Ladevorganges ersichtlich und nicht jeder kann oder will zum Laden ein Smartphone verwenden. Auch das Wirrwarr an Ladekarten und Roamingabkommen ist noch zu verwirrend, insb. wenn man derzeit mit einem Elektrofahrzeug quer durch die Republik fährt.

Interessant auch der Hinweis, dass sich die Nutzer vor allem viel mehr öffentliche Lademöglichkeiten wünschen, da viele Ladesäulen heute nicht oder nicht zuverlässig nutzbar sind. Ladesäulen müssen fußläufig erreichbar sein und gehören dicht an Wohnquartiere platziert. Schnellladestationen werden eher an besonderen Orten erwartet, z.B. entlang der Verkehrsachsen oder bei Einkaufsmärkten (Standzeit um die 30 Minuten).

Insgesamt wurden auch Zielkonflikte zwischen Betreibern und Nutzern deutlich, was sich in der angeregten Diskussion rund um die Ladetarife zeigte (Zeit- versus Arbeitstarife). Zeittarife im Wohnumfeld werden abgelehnt, weil diese massive Kosten verursachen, die die Elektromobilität unattraktiv machen („Das Fahren mit einem Elektrofahrzeug darf durch die Ladetarife nicht teurer werden, als das Fahren eines Diesel- oder Hybrid-PKWs“ – leider ist dies unter bestimmten Bedingungen bereits heute der Fall. Siehe dazu die Auswertung zum Projekt „30 Tage im April“). Schnelllademöglichkeiten an besonderen Orten können dagegen Zeittarife anbieten oder den Ladevorgang auf z.B. 30 Minuten beschränken. All diese Probleme werden jedoch durch eine größere Anzahl an Lademöglichkeiten und vor allem durch eine funktionierende Konkurrenz zwischen verschiedenen Anbeitern bereinigt – diese Situation ist heute aber noch nicht gegeben. In Berlin ist sie auf Weiteres nicht zu erwarten, da sich der Stadt Berlin an einen Anbieter „gekettet“ hat.

Viele Nutzer von Elektrfahrzeugen genießen nicht nur das elektrische Fahren mit all seinen Vorzügen, sondern möchten aktiv zum Klima- und Umweltschutz beitragen und die Abhängigkeit von fossilen Energeiträgern mindern. Sie alle eint aber auch der Wunsch nach mehr persönlicher Unabhängigkeit, die ihnen nur ein Elektrofahrzeug bietet; die Freiheit, Strom zuhause oder bei Freunden von einem beliebiegen Anbieter zu „tanken“, ggf. sogar selbst erzeuten Strom zu nutzen, steht im deutlichen Gegensatz zu Bestrebungen, die neue Mobilität erneut zu verstaatlichen und in die Hände von wenigen Konzernen zu legen. Die Nutzer stehen gerne für einen Erfahrungsaustausch zur Verfügung, lehnen jedoch Bevormundungen und Regulierungen ab. Politik, Hersteller und Betreiber sollten sich darauf einstellen, dass die Wende in der Mobilität mit klassischen Geschäftsmodellen nicht ein Einklang zu bringen ist.

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